scheibster.de - Bekenntnisse eines Raketenwissenschaftlers
signalfeuer.

2008-04-29

Besuch der alten Dame

Vergangenes Wochenende, schönestes Wetter: Zeit, meine verdeckstrippende Rakete Ringo mit dem Lackstift noch etwas für den Sommer aufzuhübschen.

Noch während ich am Pinseln bin, wackelt eine nette alte Dame den Bürgersteig entlang und bleibt auf meiner Höhe stehen. Sie entschuldigt sich, dass sie mich bei meinen Lackarbeiten stört, und fragt mich, ob ich weiß, wen sie ansprechen könne, wenn sie eine kleine Wohnung suche. So etwa vierzig Quadratmeter. Sie habe eine Eigentumswohnung mit sechzig Quadratmetern, von der sie sich aber gerne trennen würde.

Ich sage ihr, dass ich meine Wohnung im Internet gefunden und zudem und leider keinen blassen Schimmer habe, wen sie ansprechen könnte.

Nach einer höflichen Verabschiedung hätte das Gespräch an dieser Stelle enden können. Genaugenommen hat das Gespräch an dieser Stelle auch geendet, denn was folgt, ist ein Monolog der netten alten Dame, die, so wie sich herausstellt, keine Ahnung von Computern im Allgemeinen und dem Internet im Besonderen hat, von ihrem Mann, einem ehemaligen, offenbar alkoholabhängigen und bereits verstorbenen Professor geschieden wurde, weil er ihr irgendwann eine Assistentin vorzog, sie aber keine neue Beziehung mehr gesucht hat, weil Frauen es ja viel schwerer bei so etwas haben. Männer seien da schneller. Und sie habe das auch nicht gewollt. Ihre Söhne hätten ihr genug Kraft gegeben, leider sei einer von Ihnen mit neunzehn verstorben, kurz nachdem er zum Vater gezogen sei, der ihn ohnehin nur zum Gärtner seines Gartens hätte machen wollen. Der andere Sohn lebe mit seiner Frau und Kind in Paris, aber sie könne es sich kaum leisten, oft dort hinzufahren. Außerdem wolle sie sich ja nicht aufdrängen. Als sie einmal da war, war das Kind krank, und sie kannte sich in Paris ja auch gar nicht aus, deswegen sei sie auch am nächsten Tag wieder abgereist.

"Ja, richtig", und "Hmmm", werfe ich immer wieder ein, seit ich mich nach den ersten fünf Minuten Vortrag wieder der Lackausbesserung zugewandt habe. Ihre Lebensgeschichte, die sie mir so vollkommen ungefragt erzählt, interessiert mich kein Stück. Doch ich habe keine gute Ausrede zur Flucht, und ihr offen sagen, dass sie mir egal ist, bringe ich irgendwie nicht übers Herz.

Ich beginne, zu begreifen, warum sie mir das alles erzählt. Und spätestens, als sie erwähnt, dass sie im Grunde genommen am Rande der Gesellschaft steht, wird mir klar, dass sie einfach niemanden hat, mit dem sie kommunizieren und ihre Sorgen, alltäglich oder nicht, teilen kann. Sie tut mir leid, und ich bin froh, als sie schließlich wieder auf ihre Wohnungssuche zu sprechen kommt, und mir einfällt, sie auf die Telefonnummer meiner Hausverwaltung hinzuweisen.

Sie notiert die Nummer und bedankt sich. Wir wünschen uns gegenseitig noch einen schönen Tag, und ich freue mich ein wenig auf den Rest meiner Lackierarbeiten ohne Zwangsbeschallung.

Doch auch als sie schon eine Weile weg ist, spukt sie mir noch im Kopf herum. Dass sie aus Bad Nauheim einfach nicht wegkomme, obwohl sie eigentlich wollte. Dass ich freiwillig und gerne dort bin, und wie lange das wohl noch so bleiben mag.

Und ob mich dereinst ein ähnliches Schicksal ereilen wird.

2008-04-24

Aus dem Leben eines Raketenwissenschaftlers, Teil XXIV

Lange, sehr lange habe ich schon keinen Bericht mehr erstattet aus meinem Raketenlabor. Das lag vor allem daran, dass mein Chef Don Molitor über Wochen hinweg an einem neuen Raketenantriebssystem geforscht hat und nicht wollte, dass davon etwas an die Öffentlichkeit gerät.

Nun bin ich sonst nicht als übermäßig verschwiegen und schon gar nicht als ängstlich bekannt, doch zu Don Molitor sei erwähnt, dass er Pate der Schwäbischen Schupfnudelmafia ist und mit ihm zwar gut Spätzle, aber nicht gut Kirschen essen ist, wenn man ihn oder etwas über ihn verrät, was wiederum eine ganze Menge über ihn verrät.

Unten seht ihr als erste und ganz exklusiv den Genius, den Don Molitor auch in mein Raketenlabor gebracht hat.


Ganz wichtig: Kondensiertes Uran an der Außenhaut, von Laien leicht mit irgendwelchen seltsamen weißen Flecken zu verwechseln

Bioantrieb in Kombination mit Nuklearphysik wird sicher noch eine große Zukunft bevorstehen. Ganz sicher. Die Tatsache, dass die Nuklearbanane von Don Molitor leider in einer unkontrollierten Kernschmelze ihrer kurzen und doch ruhmvollen Existenz ein Ende bereiten würde, hatte ich dem Himmel sei Dank vorhergesehen.

Schon einige Stunden vor der gewaltigen Explosion trug ich deswegen meine Schutzbrille. Mein Raketenwissenschaftlerkollege Commodore Edelstein und Don Molitor konnten bis zur letzten Sekunde mein wissendes Lächeln nicht deuten und wiesen unsere Raketenwissenschaftlerlaborpraktikantin an, ein Foto von mir zu machen, wahrscheinlich, um mich später bei höherer Stelle anzuschwärzen.

Das Schicksal wollte es, dass unsere Raketenwissenschaftlerlaborpraktikantin das Foto genau im Moment der Explosion schoss. Sie ist jetzt zwar blind, aber sie leuchtet wenigstens im Dunklen wegen der vielen Strahlung. Wir lassen sie trotzdem noch bei uns forschen, weil sie uns so oft Schokolade mitbringt.


Bananenkernspaltung, im Volksmund auch gerne "Banana Split" genannt

Auch Commodore Edelstein und Don Molitor haben ganz schön Augen gemacht. Don Molitor hatte kurz zuvor noch selbstsicher einen Espresso darauf verwettet, dass die Nuklearbanane niemals platzen würde. Weil sie eben doch geplatzt ist, müssen wir jetzt innerhalb des Raketenlabors umziehen.

Aber der Espresso war lecker.

Und wer jetzt behauptet, Don Molitor hätte nur eine halb verfaulte Banane in seiner Obstglasschale gehabt, die nicht explodierte, sondern von ihm gegessen wurde, und ich hätte nur Blödsinn mit meiner neuen Sonnenbrille gemacht, der ist ein alter Spielverderber.

Jawoll.

2008-04-21

Searching... Seek and enjoy!

Es ist immer wieder erstaunlich und zudem ein endloser Quell der Freude, wonach Menschen* im Internet suchen. Noch viel erstaunlicher ist es, dass sie dabei auf diesen virtuellen Ort hier stoßen. Die Beantwortung der latent in den Suchbegriffen steckenden Fragen ist für Klugscheißer wie mich eine Selbstverständlichkeit - und ein innerer Reichsparteitag.

"das wachstum des eichhörnchens"
Nun ja: Es wächst wie die meisten anderen Nager und sonstige Lebewesen auch. Erst ganz klein, dann dank Nahrungsaufnahme immer größer und irgendwann tot.** Und nicht wegen übermäßiger Nahrungsaufnahme, sondern wegen Altersschäche oder Gefressenwerden. Bitteschön.

"weisst du was eklig ist?"
Ehrlich gesagt: Nein, weiß ich nicht. Aber wenn Leute mich beim Essen fragen, was ich da gerade esse, mache ich gerne einfach mal den Mund weit auf. Ich glaube, das ist eine gute Näherung.

"10 kronkorken 5 reihen 4 becks"
Mein Tipp: Die Kronkorken und die Reihen weglassen, vier Becks durch zehn Andechs ersetzen und Spaß haben.

"was ist ein miethai"
Nur eine mögliche Erklärung: Ein Miethai wird dann benutzt, wenn man die bösen Nachbarkinder zum vermeintlichen Delfinschwimmen mitnimmt, und sich keinen eigenen Hai leisten kann, oder aber einfach keinen Platz mehr hat, weil der Hauselefant schon so viel Platz wegnimmt.

"riesenglocke"
Bin ich ganz klar dafür. Aber bitte nicht nur eine.


Das muss für heute reichen. Und bitte fleißig weitersuchen, das versüßt mir den Tag!

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*Einen endgültigen Beweis dafür habe ich nicht. Manchmal könnte man glauben, dass extraterrestrische Besucher sich über die Menschheit informieren wollen. Keine gute Idee, das im Netz zu versuchen. Oder die beste überhaupt.

**In exakt dieser Reihenfolge.

Cowboys und langhaarige Raubkatzen

Apropos Glam Rock, Hair Metal und 1990: Die Axtschwinger Pantera brachten in jenem Jahr Cowboys From Hell auf den Markt und gaben schwermetallischer Musik damit eine ganz neue Richtung.

Der Titelsong läuft bei mir derzeit rauf und runter.* Zeitlos kraftvoll, ideal, um damit mit offenem Verdeck durch die Gegend zu düsen.

Rock!



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*Guitar Hero sein Dank.

2008-04-20

Schrei, Baby, schrei!

Neulich in Würzburg gab es für mich wie schon erwähnt nicht nur lecka Bier in allerfeinster Vielfalt, sondern auch üble Schmerzen beim nicht übermäßig reflektierten Kontakt von Kaltwachsstreifen mit meinem liebevoll kultivierten Brusthaarteppich.

Ich selbst war mangels eines zusätzlichen Paares schmerzunabhängig agierender Teleskoparme nicht in der Lage, diese Tortur fotografisch festzuhalten. Jedoch ist dies dem ebenfalls anwesend gewesenen Lichtträger gelungen, auch ohne Teleskoparme.

Und ich musste beim Anblick unvermittelt an den Herrn Munch und sein Kunstwerk denken. Denn genau so hat es sich angefühlt.


Schrei, wenn du kannst...

2008-04-18

Poisonous Memories

Damals, 1990, kurz bevor in der Gitarrensparte die Langhaar-Dauerwellen-Rocker von ein paar Jungs aus Seattle abgelöst wurden, brachte die wiederholt drogenproblemgeschüttelte Formation Poison ihr drittes Studioalbum Flesh & Blood heraus.

Ich noch sehr adoleszenter Raketenwissenschaftler wurde zu jener Zeit vor allem von der Singleauskopplung Unskinny Bop angezogen und zum Kauf des Albums (damals noch als MC) verführt.*

Das Album enthielt auch eine Ballade, die es mir sehr angetan hatte, mir erst kürzlich wieder in des Lichtträgers Automobil entgegenschallte und damit eine Reihe von Erinnerungen wachrüttelte: Someting To Believe In.

Man mag über Hair Metal denken, was man mag, und diesem Stück vorwerfen, dass es mainstreamig, überproduziert und irgendwie kitschig ist: Ich mag es trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen.

Am besten bildet sich jeder seine eigene Meinung. Schönes Wochenende!


"And it just makes me wonder why so many lose, so few win..."

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*Es begleitete mich bis nach Irland, wo ich während eines Schüleraustausches und bei Pizza (man wollte etwas typisch deutsches kochen) zusammen mit meiner Gastfamilie die deutsche Wiedervereinigung erlebte - im TV.

2008-04-17

Freudiotie

Erkenntnis des Tages:

Wer einen feucht-fröhlichen Abend mit vier attraktiven jungen Schwedinnen sausen lässt und statt dessen auf einen Polterabend geht, ist entweder ein wirklich guter Freund* oder ein waschechter Idiot.**

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*Ein wirklich guter Freund derer, die da poltern.

**Möglicherweise besteht auch kein Interesse an attraktiven jungen Schwedinnen, aus welchem Grund auch immer. Oder die zu erwartenden Drogen sind auf dem Polterabend besser. Aber die vollständige Argumentationskanonade würde den Kurz-und-knackig-Charakter der Aussage verderben. Da schreibe ich doch lieber Fußnoten, die viel länger sind als der eigentliche Text.

[edit] Zudem muss festgestellt werden, dass der, der einen zu einem feucht-fröhlichen Abend mit vier attraktiven jungen Schwedinnen einlädt, ein wirklich guter Freund sein muss. [/edit]

2008-04-14

Wocheneinkauf

Blöde: Wieder nicht alles bekommen.


Da hilft auch die Sommerzeit nicht.

2008-04-11

Traum und Schatten

Ich* traf sie vor einigen Jahren in einer kleinen Cocktailbar in meiner kleinen Stadt. Oder vielmehr: Sie traf mich. Erkannt hätte ich sie auf den ersten Blick nicht mehr.

"Hi, I'm Martina!** Do you remember me?"

Ob ich sie noch aus der Schule kenne, fragt sie mich. Ihr Deutsch habe sie ja so sehr verlernt in den ganzen Jahren.

Selbstverständlich erinnere ich mich. Martina. Was war ich verknallt in sie, damals, in der sechsten Klasse. Lutscher und Karamelbonbons vom Bahnhofskiosk habe ich ihr mitgebracht. Meine erhoffte Wirkung hatte das nicht. Trotzdem war ich traurig, als sie die Schule verließ. Warum sie ging, habe ich vergessen.

Ihre Eltern trieben sie damals sehr an. Ein erfolgreiches Model sollte sie werden, und anfangs, ja, anfangs sah es so aus, als würden sich die ganzen Qualen, die Zahnkorrekturen und das Fettabsaugen am Ellenbogen auszahlen. Weltbestes Nachwuchsmodel war sie mal, die Bild und der Stern berichteten. Doch irgendwann, irgendwann wurde es still um Martina. Die Medien konzentrierten sich auf andere Personen und Dinge. Ihr Vater wurde wegen Hinterziehung im großen Stile aus seinem Job entlassen.

Und jetzt steht sie vor mir, Martina, mein Frühstjugendschwarm, die braune Mähne verwuschelt, die braunen Augen immer noch schön, aber mir irgendwie fremd. Erzählt mir in einer wilden Mixtur aus Englisch und Deutsch von ihrem Modelleben, von Glanz und Glamour und Koksparties mit Mickey Rourke.

"Would you buy me a drink?" fragt sie mich schließlich. Auf meinen fragenden Blick erwidert sie, dass sie ja selbst zahlen würde, aber kein Geld dabei habe. Als ich freundlich ablehne, verabschiedet sie sich und geht weiter. Sie geht weiter und fragt nach Drinks, so ziemlich alle, die sich in der kleinen Cocktailbar aufhalten.

Ich will sie fragen, was aus dem chaotischen Mädchen geworden ist, dass auch ohne OPs und kosmetische Korrekturen wunderschön war, im Sommer im Freibad lag und gerne Front 242 hörte. Ob sie merkt, dass der Traum ihrer Eltern, den zu leben sie gezwungen wurde, zu ihrem Lebensalbtraum geworden ist. Und was das jetsettende Model denn eigentlich in dieser kleinen Stadt sucht, so nahe ihrer bürgerlichen Heimat.

Aber ich lasse es sein.

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*Nun, eigentlich nicht ich. Aber sie kenne ich trotzdem, und der Rest ist auch nicht erdacht.

**Sie heißt natürlich nicht Martina. Aber die Wahrheit ginge einfach ein wenig zu weit.

2008-04-10

Mindesthohn

Gerade eben muss ich lesen, dass der niedrigste tariflich festgeschriebene Stundenlohn in Deutschland genau 3,06 Euro beträgt. Gezahlt wird das als Berufsanfängersalär im Friseurhandwerk in Neufünfland.

Für einen angenommenen achtstündigen Arbeitstag entspicht das knapp fünfundzwanzig Euro.

25 Euro. Brutto. Für Blasen an den Fingern* und Haare in den Schuhen.

Mit Verlaub, dafür würde ich noch nicht einmal abends meinen Wecker einschalten, selbst wenn ich die niedrigeren ostdeutschen Lebenshaltungskosten hätte. Wenn man in solch einem Fall nicht Barbier aus Leidenschaft ist, so scheint die Alternative, im hartzfinanzierten, verschmuddelten Sportdress werbefinanziertes Unterschichten-TV zu schauen und mehr Kinder in die Welt zu setzen als Bundesbevölkerungswachstumsministerin Ursula von der L. mehr als attraktiv.

Das motiviert mich ein wenig mehr, es doch mal in der Politik zu versuchen. Zunächst bleibt es aber beim Aufruf, mehr in Mecklenburg-Vorpommern zum Friseur zu gehen.

Kriegt man für 3,06 Euro heute eigentlich noch einen BigMäc?

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*25 Euro für Blasen ohne Finger wäre aus Kundensicht ein durchaus fairer Preis. Pfui.

Memory Holes

Mann oh Mann. Nachdem ich mich gestern um mein Herz gesorgt habe, ist heute mein Hirn an der Reihe.

Da glaubt man fest, den Rakentlaborclubausweis im Raketenwissenschaftleranzug von gestern gelassen zu haben,* um dann zu entdecken, dass man ihn schlicht auf dem Labortisch hat liegen lassen.

Und das, nach dem man gestern den ganzen Tag an den Geburtstag eines Freundes dachte, es bis zum ins Bett gehen aber trotzdem versäumte, ihm irgendeinen Geburtstagsgruß zukommen zu lassen. Happy Birthday, Oli! Dann eben nachträglich.

Schließlich öffnet man sein verstaubtes Blogcounterkonto, um zu erkennen, dass man schon mal gelinkt wurde und es noch nicht einmal merkte. Danke an dieser Stelle an DonAlphons für die netten Worte über Alfonso, den dicken Koch.

Falls jemand andere Vorschläge zur Performanceverbesserung meiner desolaten grauen Masse hat als zehn Stunden Schlaf am Stück, bewusstseinserweiternden Drogen oder Doktor Hashimashiwashis Hirnjogging: Nur her damit!

[edit] Ich habe vergessen, was ich eigentlich schreiben wollte. Sogar diesen Satz, dass ich vergessen habe, was ich schreiben wollte, habe ich vergessen. Grumpf. [/edit]

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* Dass mein doch sehr modernes Raketenlabor diese Clubausweise den mitforschenden Raketenwissenschaftlern noch nicht als RFID-Chip hat einpflanzen lassen, finde ich ziemlich blöde. Als könnte man sein Hirn nicht auch anders fit halten. Nun, offenbar ja nicht.

2008-04-09

Betablogger statt Betablocker

Oh, wie schön ist doch das Leben als Betablogger! Denn wie man jüngst im Netz lesen durfte, sind die Topblogger global unter Stress und auch noch schlechter ernährt als andere.

Ständig am Puls der Zeit sein und täglich qualitativ hochwertigen Output liefern zu müssen hat offenbar auch schon Bloggerleben gekostet. Ich selbst kann nur bestätigen, dass ein erhöhtes Interesse an meinem Geschreibsel und daraus resultierender (und durchaus selbstgemachter) Drang, so oft wie möglich etwas zu posten, schon zu der ein oder anderen Schreibblockade und -pause geführt hat, weil mir schlicht die Leidenschaft für dieses Hobby druckbedingt abhanden gekommen war.

Also, immer schön die Rakete flach halten, das schont das Herz!*

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* Ja, darum mache ich mir bereits Gedanken. Mein Verfallsdatum ist seit zwei Jahren überschritten, alles, was jetzt noch kommt, ist Bonus!

Horst und das Abendbrot

Neulich, bei wunderschönstem Abendrot
schmiert sich Horst sein Abendbrot.
Er belegt es mit der Lieblingswurst
und macht sich Tee gegen den Durst.

Schließlich dann geht er wie immer
mit dem Mahl ins Fernsehzimmer,
denn dort wartet - ja, genau,
das Canapée und der TV.

Auf dem Weg sieht er im Garten
ein Reh auf irgendetwas warten.
Just schlinget sich die Hundeleine
vom Halse baumelnd um Horsts Beine.

Mit der Leine, der vom Hunde,
dreht Horst gerne eine Runde,
doch ist es leichthin einzusehen:
Verheddert stört das arg beim Gehen.

Von der Leine so beengt,
die in den High Heels sich zudem verfängt
kommt Horst ganz schön schnell ins Trudeln,
und verflucht die Rehe gleich in Rudeln.

Doch geht es Horst wie jüngst beim Tanz:
Er fällt mit wenig Eleganz
über das heißgeliebte Canapée,
und verschüttet auch den heißen Tee.

Vom flücht'gen Tee den Arm verbrannt,
Gabel im Fuß, Messer in der Hand,
taumelt Horst durchs Fernsehzimmer:
"Scheiße auch, alles wie immer!"

Schließlich bleibt er stehen und wischt
die Wurst sich aus flugs dem Gesicht,
schnappt sich noch den alten Spaten
und jagt das Reh durch seinen Garten.

Doch dank Horsts schlechter Kondition
endet bald die Rehhatz schon.
Nach kurzem Blick auf Horst und Spaten
verlässt kopfschüttelnd das Reh den Garten.

Horsts Wunden hören auf zu bluten,
eine Wende scheint dies - hin zum Guten.
So geht denn Horst ins Haus zurück,
und ordert Pizza: "...fuffzehn Stück!"

2008-04-08

Horst und der nächste Morgen

Gestern hat's Horst krachen lassen,
und kann es heute selbst kaum fassen,
dass er in einem Stück nach Haus' gekommen;
noch immer ist Horsts Welt verschwommen.

Horstens Wecker zeigt halb vier,
aus Horstens Mund hängt Klopapier.
Wieso, denkt Horst zum Spiegel schauend
und auf dem Klopapiere kauend.

Sein Kajal ist arg verschmiert,
auch die Frisur ist ruiniert.
Den Kopf darunter kurz vorm Platzen,
muss Horst sich mal am Hintern kratzen.

Horst stellt fest, dass dort was klemmt,
doch ist es nicht sein Unterhemd.
Denn eines, das ist wirklich wahr:
Viel lieber trägt der Horst BH.

Horsts Blick fällt auf 'nen leeren Fleck:
Seine Zahnbürste ist weg!
Horst sieht in all dem keinen Sinn
und setzt sich darauf erst mal hin.

Nun wird Horsti sehr schnell klar,
wo seine Zahnbürste doch war!
Es fällt ihm glatt ein Stein vom Herzen,
trotz der rückwärtigen Schmerzen.

Als er die Zahnbürste gefunden,
steht für Horst fest, ganz unverwunden,
sich nie mehr derart zu berauschen
und vorn und hinten zu vertauschen!

2008-04-07

Wanderer, kommst du nach Würzburg

Am Wochenende gab es einen Abschied. Ein junger Mann sucht sein Glück, und seine Freunde müssen ihm vorher noch zeigen, was wahres Glück bedeutet.

Wahres Glück sind ein Bierkeller mit achtzehn Sorten vom Fass, weiteren siebzig aus der Flasche, ein gutes Schnitzel und zwanzig Kaltwachsstreifen.

Was man daraus so alles machen kann, habe ich unter Einsatz meines Lebens dokumentiert.


Ein Mexikaner kennt keinen Schmerz.

Was man damit noch so alles machen kann, habe ich unter Aufopferung einer Vielzahl von Brust- und Armhaaren und mit reger Beteiligung des Bedienungspersonals selbst durchlitten erlebt. Lasst euch eines gesagt sein: Eine Landebahn durch das Naturbrusthaartoupet schmerzt nicht nur über Gebühr, es sieht auch furchtbar albern aus.

Ehrlich.

2008-04-05

Horst und der Tanz

Jetzt ganz schnell noch ein Gedicht,
bevor die Nacht hereinebricht.
Brechen, dass muss Horst gleich auch,
füllt Eierlikör doch seinen Bauch.

Das alleine wär' nicht schlimm,
auch sonst hat Horst sehr viel Benimm.
Doch tanzen kann Horst nicht sehr gut,
und braucht dafür meist viel Mut.

Mit High Heels und mit Perlenketten
kann Horst sich nicht vorm Angstschweiß retten.
Da hilft nur eines, quel malheur,
ein guter Schluck von dem Likör.

Doch Horst lässt's dabei nicht bewenden,
und so was kann nur böse enden.
Die dritte Flasche ist geleert:
Der Mut ist bei Horst eingekehrt.

Noch bevor die Bühne Horst erreicht,
wirkt sein Gesicht gar ausgebleicht.
Horst sucht noch der Natur zu trotzen,
und muss trotzdem erst mal kräftig kotzen.

Die High Heels hin, das Kleid gerissen,
der Abend läuft für Horst beschissen.
Doch der Horst, der hat gut lachen,
muss er doch hier nicht sauber machen.

Er rülpst noch mal ganz ungeniert,
wird aus dem Saal komplimentiert,
fällt draußen hin, und nicht zu sacht,
und kriecht weiter in die Nacht.

Ist Horst auch ziemlich ramponiert,
eines, das hat er kapiert:
Mach' ums Jetzt dir keine Sorgen,
viel schlimmer wird der nächste Morgen!

2008-04-04

Der Hase und die Blume

Einst schnupperte ein kleines Häschen
an einer Blume mit dem Näschen.
Doch auf einmal, ach oje,
tat seine Nase ganz schön weh.

Schließlich schaut es ganz verdutzt,
als es sich die Nase putzt:
Seine Pfötchen, die sind rot von Blut -
das findet Hasi gar nicht gut.

Es will sich just am Kopfe kratzen,
da hört es laut die Blume schmatzen.
Sie kaut genüsslich ein Stück Nase,
und das sieht aus, als sei's vom Hase.

Das kommt so gut wie gar nie vor,
doch ist 'ne Blume karnivor,
und vielleicht auch noch etwas gerissen,
dann kann's sein, man wird gebissen.

Da schwört das Hasi Krieg den Blüten,
fängt in den Blumen an zu wüten.
Chlorophyll in jede Richtung spritzt,
als in Hass in Hasis Augen blitzt!

Und beim in den Blumen Toben
schlägt Hasis Schicksal zu - von oben.
Ein Adler ist's, und er sucht Futter,
denn der Adler ist 'ne Adlermutter.

Und wird's auch bald im Horste liegen,
so kann Hasi jetzt noch fliegen,
nach and'ren bösen Blumen gucken,
und von hier auf ihre Köpfe spucken.

Und die Moral der vielen Blüten:
Du solltest dich sehr davor hüten
über kleine Dinge dich zu sorgen,
dann bleibt das Große dir verborgen.

2008-04-03

Horst und das Reh

Heute überkam mich ein guter Gedanke, wie ich meinen Weg an diesen Ort hier zurückfinden kann. Wenn mir einfach nichts einfallen mag, was ich schreiben* kann, so werde ich schlicht ein wenig dichten.

Dichten geht einfach immer.

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An der Ecke steht ein Reh
und Horst sitzt auf dem Canapée.
Horst sitzt da und schaut TV
und trägt die Kleider seiner Frau.

Mit Horsts Frau, da ist es aus,
denn sie schläft mit Nachbar Klaus.
Horsts Frau nahm Hund und BMW,
und Horst behielt das Canapée.

Und die Kleider, das ist wichtig,
dies findet Horst auch so ganz richtig.
Horst schminkt sich gern die Augenlider,
seine Frau, die war ihm eh' zuwider.

Sie konnte nicht mal richtig kochen,
und hat auch ziemlich streng gerochen.
So sitzt Horst auf dem Canapée
und zappt zurück zur ARD.

Um den Hals die Hundeleine
rasiert sich Horst auch gern die Beine,
lieber als die von seiner Frau,
oder von Klaus, der alten Sau.

Sein Canapée ist sehr bequem,
das ist für Horst sehr angenehm.
Doch das Reh weiß nichts von Horst
und geht zurück in seinen Forst.

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*Das Lesen meiner Blogroll ist ein anderes Problem, da ich mir Zeit und Muße dafür eben nicht aus den Rippen schneiden kann wie der Herr dem Adam einst die Eva.

[edit] Oh, und ganz nebenbei: Am heutigen Tage sind es genau zwei Jahre, die ich meine Schreibblockaden öffentlich zugänglich mache. Darauf einen Dujardin! [/edit]

2008-04-01

Whenever life gets you down, Mrs Brown...

...

"I get paid for doing my job, not for loving it."

So isses eben gelegentlich.