scheibster.de - Bekenntnisse eines Raketenwissenschaftlers
signalfeuer.

2007-11-21

Aus dem Leben eines Raketenwissenschaftlers, Teil XX

Es soll keiner sagen können, Raketenwissenschaftler seien nicht kreativ. Einer meiner neuen Raketenwissenschaftlerkollegen, der Herr Gindra, hat im Sinne der Umweltfreundlichkeit eine energiesparende Innovationssensation einfach eben so aus seinem Ärmel gezaubert:

Den Montgolfiereimer.


Mindestens dreißig Zentimeter Flugweite dank Thermik und den anderen Gesetzen der Physik: Herr Gindras Montgolfiereimer

Das Prinzip ist bestechend einfach: Eine leere Mülltüte in einem leeren Müllereimer verbringen und das Werk danach auf die Klimaanlage oder Heizung stellen. Funktioniert zwar nur, wenn geheizt wird, eignet sich aber prima für Laborwettbewerbe à la "Wer kriegt seinen Eimer am schnellsten hoch?" oder "Wer hat die größte Tüte?", kurzum den Reiz der archaischen Zonen des (männlichen) Raketenwissenschaftlerhirns.

Ein echter Teufelskerl, der Herr Gindra.

Und wer jetzt behauptet, das sei alles Zufall gewesen und der Herr Gindra habe einfach nur Glück gehabt, der ist ein alter Spielverderber.*

Jawoll.

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* Zumal viele der größten Erfindungen der Menschheit in ihrer Entstehung dem Zufall zuzuschreiben sind. So war die Klobrille zunächst eigentlich nur ein defekter, unabsichtlich durchgesessener Klodeckel, der sich dann aber als nettere Alternative zur nackten Keramik erwies.

Kommentare:

der.grob hat gesagt…

beeindruckend. fast so bedeutsam wie die erfindung des rads, möchte ich meinen. oder der nasenhaarschneidemaschine.

Herr Wolf hat gesagt…

Ich bin mir nciht sicher, ob sich der Montgolfiereimer als Alternative zur Rakete durchsetzen wird.
Selbst bei der aktuellen Zusatzerderwärmung wird man vom konventionellen Raketenantrieb nicht abkommen.
Andererseits bin ich nur Laie und kein Spezialist wie Sie, werter Herr Raketenwissenschaftler.

Lars hat gesagt…

Männer, besonderes Raketenwissenschäftler, sind so klug.

Ettore Schmitz hat gesagt…

Geben Sie's doch zu, lieber geschätzter Großhermannoberth: das sind doch die wochentagsüber gesammelten Flatulenzen, die Sie da eingewickelt haben ins Montgolfierenkondom, das ahnt sogar der Raketenlaie. Sie Ungeheurer, Sie! Welch Genius!
Guten Flug!

Herzlich
Ihr
Ettore

PropheT hat gesagt…

Irgendwie muss man sich ja beschäftigen, ne?

Scheibster hat gesagt…

@der.grob: Herr Grob, da haben Sie aber so was von Recht.

@Herr Wolf: Zugegeben, der Montgolfiereimer ist nicht ganz so schnell wie die meisten Raketen, liegt in der Zeit der viel propagierten Entschleunigung aber voll im Trend.

@Lars: Nun. Äh. Darum werden Sie auch Raketenwissenschaftler. :-)

@Ettore Schmitz: Bester Herr Schmitz, dass Sie aber auch alles enttarnen müssen! Der Eimer darf nie verunglücken, wegen der Genfer Konventionen.

@PropheT: BEschäftigugslosigkeit wird stark unterschätzt, aber sie kann kreativitätsfördernd wirken. Jawoll.

Träger des Lichts hat gesagt…

Bester Herr Raketenwissenschaftler, zwar sehe ich keine Zukunft in der Raumfahrtindustrie, aber möglicherweise in der Musikindustrie. Ich höre bereits Frau Kerners bekannte Melodei zu neuem Texte: "99 Montgolfiereimer". Der gute Herr Gindra würde so unweigerlich zu verdientem Ruhme und Tantieme gelangen.

erdge schoss hat gesagt…

Auch künstlerisch, bspw. als Skulptur, werter Herr Scheibster, überzeugt diese revolutionäre Erfindung zu hundert Prozent.

Herzlich
Ihr Erdge Schoss

Gnaur hat gesagt…

Also Ihr Budget scheint erschreckend gering zu sein, denn das Montgolfiereimerchen wird sich sicher nicht mit einer dickwandigen Qualitätsmülltüte erheben, sondern benötigt dem Foto nach zu urteilen eine hauchdünne, (gefühlsechte) Billigtüte bei der der Hersteller am Material gespart hat wie die Montgolfieres an Fallschirmen, weshalb der Gesamterfolg mittelfristig im Rahmen der Katastrophe liegen dürfte. Glaub ich. Zu glauben. Vielleicht.

Scheibster hat gesagt…

@Träger des Lichts: Alleine am Rhythmus muss der Herr Gindra noch arbeiten.

@Erdge Schoss: Es freut mich immer wieder, Sie zu überzeugen, bester Herr Schoss!

@Gnaur: Cost Containment hat seine Schattenseite. Aber Pionierarbeit war schon immer nicht ohne Gefahren!