scheibster.de - Bekenntnisse eines Raketenwissenschaftlers
signalfeuer.

2007-11-30

Halten Sie die Leine

Ich lebe noch, derzeit aber anderswo als in der Blogosphäre. Das tut mir leid, weil ich vieles Gute verpasse, was ihr von euch gebt.

Vermutlich muss ich ein paar Runden in mir selbst und um mich selbst drehen, bevor ich wieder voll da bin. Und hier. Und ich bin mir fast sicher, ihr werdet mir das nachsehen, und den auch schon von Ole zu Recht empfohlenen Herrn Rice als Pausenmusik genießen können.

2007-11-26

Theismusthese des Tages

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Glaube ist gesellschaftlich sanktionierter Aberglaube.

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2007-11-21

Aus dem Leben eines Raketenwissenschaftlers, Teil XX

Es soll keiner sagen können, Raketenwissenschaftler seien nicht kreativ. Einer meiner neuen Raketenwissenschaftlerkollegen, der Herr Gindra, hat im Sinne der Umweltfreundlichkeit eine energiesparende Innovationssensation einfach eben so aus seinem Ärmel gezaubert:

Den Montgolfiereimer.


Mindestens dreißig Zentimeter Flugweite dank Thermik und den anderen Gesetzen der Physik: Herr Gindras Montgolfiereimer

Das Prinzip ist bestechend einfach: Eine leere Mülltüte in einem leeren Müllereimer verbringen und das Werk danach auf die Klimaanlage oder Heizung stellen. Funktioniert zwar nur, wenn geheizt wird, eignet sich aber prima für Laborwettbewerbe à la "Wer kriegt seinen Eimer am schnellsten hoch?" oder "Wer hat die größte Tüte?", kurzum den Reiz der archaischen Zonen des (männlichen) Raketenwissenschaftlerhirns.

Ein echter Teufelskerl, der Herr Gindra.

Und wer jetzt behauptet, das sei alles Zufall gewesen und der Herr Gindra habe einfach nur Glück gehabt, der ist ein alter Spielverderber.*

Jawoll.

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* Zumal viele der größten Erfindungen der Menschheit in ihrer Entstehung dem Zufall zuzuschreiben sind. So war die Klobrille zunächst eigentlich nur ein defekter, unabsichtlich durchgesessener Klodeckel, der sich dann aber als nettere Alternative zur nackten Keramik erwies.

2007-11-20

Oh Lord, won't you buy me...

Reich zu sein hat durchaus seine Sonnnenseiten. Zum Beispiel kann man sich einen Chauffeur leisten, der einen in der eigenen britischen Nobelrakete herumkutschiert.

Aber wo Licht, da auch Schatten: Is' ganz schön blöde, wenn der Chauffeur mal frei hat.


Der Einparkassistent von Bentley hat noch Optimierungspotenzial

Smile, you were on TV

Oha.

Da ist man mal ein paar Tage hochbeschäftigt und ein paar Tage krank, und schon verpasst man das Beste.

Der werte Herr Hladek von der Frankfurter Neuen Presse* hat tatsächlich in der Printausgabe etwas über diesen Blog geschrieben, und das auch noch sehr charmant.** Ich finde das ganz prima und sende an dieser Stelle herzliche raketenwissenschaftliche Grüße in die Redaktion.

Der Artikel ist hier zu finden. Mit Verlaub darf ich ein wenig Zitieren, und um Schadenersatzklagen vorzubeugen zugleich zum Abonnieren der FNP auffordern.***

"Aktivitäten: Scheibster bloggt nicht täglich, und doch wird er sehr stark kommentiert („Senf“). Die Leser halten sich an einen ironisch-förmlichen Ton. Die raketenkompetente Auskunft, Herumpfuschen mit dem Raum-Zeit-Kontinuum verbiete sich, weil man dann „aussieht wie Michael J. Fox“, finden wir böse und wünschen uns mehr Geflochtenes à la Hofstadter wie in der Reihe „Kidnapping Eugen“: trockeneisgebadete Zeitreisen zu Aristoteles und Captain Grimm."

Ich denke erst einmal darüber nach, ob ich mich jetzt zu Recht geschmeichelt oder völlig überbewertet fühlen darf. Und ich wünschte mir, dass Größen wie Paris Hilton oder George W. das auch einmal tun würden. Bezüglich ihrer selbst. Mich kennen sie vermutlich nicht.

Aber wer weiß? Schließlich sprach mich erst neulich Liv Tyler im örtlichen Toom-Markt an. "You are Scheibster, aren't you?" Ja, sagte ich, und richtete Grüße an ihren Papa aus.

Aber das ist schon wieder eine ganz andere Geschichte.

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* Oder sollte es korrekt heißen "[...]von der 'Frankfurter Neue Presse'[...]", weil der Zeitungsname als eigenständiger Begriff angesehen werden muss? Irgendwelche Deutschasse und Grammatikpropheten hier?

** Und das, obwohl er mein seitenlanges Traktat, das seine mir gestellten Fragen beantwortet, leider aus organisatorischen Gründen nicht berücksichtigen konnte.


*** Offensichtlich steht ja einiges Gescheites drin.

2007-11-12

Pfundstücke

In alten Fotos herumzukramen ist ein unglaublicher Erinnerungsbeschleuniger. Erlebnisse erscheinen für einen kurzen goldenen Moment, als seien sie erst gestern oder vorgestern gewesen.

Ich erinnere mich an den Wind. Den Geschmack des schottischen Fastfoods. An die Schwierigkeit, bei schottischem Wind und mit fastfoodfettigen Fingern den fiesen Föhnscheitel in Form zu halten.

Herrlich. Einfach herrlich.


Abschlussfahrt in Edinburgh, Herbst 1994: Fish & Chips für Anfänger. Lecker war's.

2007-11-11

Smile, you're on TV

Entspannt euch. Ich bin nicht im Fernsehen, und ihr seid es auch nicht. Nun, noch nicht.

Heute hatte ich eine nette Anfrage der FNP in meinem Pixelpostkasten. Überrascht war ich alleine von der Tatsache, dass diese E-Mail nicht einen einzigen Ortografie- oder Interpunktionsschnitzer enhielt.* So etwas habe ich schon Jahre nicht mehr gesehen. Schon nur deswegen musste ich die Hosen gegenüber der Presse virtuell herunterlassen.

Falls dieser Blog tatsächlich journalistisch betrachtet im Web auftauchen sollte (vielleicht hier), wird die hiesige Selbstbeweihräucherung natürlich noch ganz andere Formen annehmen.

Ha! Scheibster bekommt seine 15 pixels of fame. Sauber. Nun, äh, vielleicht.

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*Das überflüssige Hektik-ö in "grundsätzlöich" sei Ihnen verziehen, Herr Hladek.

2007-11-09

Mittagspausenphilosophie

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Sowohl Urlaub als auch Geld sind nur sinnvoll, wenn man's gerade hat.

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Denk' ich an Hanau im Dezember...

Der Phil ist schuld. Jetzt muss ich bis 15. Dezember noch etwas schreiben, was ich auch lesen kann, denn nur aus der Konserve fände ich blöde.

Also, strömt herbei zuhauf, damit ich mir das bisschen Mühe (und vor allem die Lampenfieberbekämpfung) und die anderen sich die viele Mühe nicht umsonst machen!

Bringt faules Obst mit. Oder leicht bekleidete junge Damen. Oder frisches Obst und Eure Oma, damit die auch mal vor die Haustür kommt.

2007-11-05

7:0

...für den Mezcal vom Freitag.

Seit Samstagmorgen habe ich Schmerzen im rechten Fuß, und vor allem habe ich keine Ahnung woher. Zwei Alternativen: In Zukunft viel mehr Mezcal, oder noch besser: Viel weniger.

2007-11-04

Domus Dulcis Domus

Vorgestern abends das erste Mal in meinem Leben Kontakt mit Mezcal gehabt. Ausgang der Begegnung etwa 5:0 für den Mezcal*. Die dazugehörige Party war in der alten Heimat, deswegen bei den Eltern übernachtet.

Gegen 12:30 am nächsten Tag überprüft Mama Scheibster die Lebenssignale ihres Sohnes und muss sich mit einem mehrfach wiederholten "Das habe ich dir aber nicht beigebracht!" über die im ehemaligen Jugendzimmer verstreuten Kleidungsstücke des Vorabends echauffieren. Ich für meinen Teil bin froh und nicht ganz ohne Stolz, angesichts des Vorabendverlaufes nicht ebenfalls oder wenigstens in Mageninhaltsteilen auf dem Boden verstreut zu sein, sondern es bar Garderobe ins Bett geschafft zu haben. Leider lässt angesichts des Mezcal-induzierten, von einem anderen Stern stammenden Katers die Artikulationsfähigkeit schwer zu wünschen übrig.

Nach der Dusche erinnere ich mich daran, dass ich ja mein mitgebrachtes Handtuch trocken wieder mit nach Hause nehmen und eines aus dem elterlichen Haushalt zur Verfügung gestellt bekommen sollte. Das Stück Stoff, das ich als Duschhandtuch vorfinde, trägt ein Herstellerfähnchen des VEB Cottana, ist in der Tat ein zwei Jahrzehnte altes DDR-Relikt und hatte auch schon in seinen besten Tagen die unterirdische Trockenqualität eines frisch gefangenen Blauwals.** Mangels Drang, mich mehr als nötig zu bewegen, nehme ich die zusätzlichen fünf Minuten Trockenzeit in Kauf.


Real existierender Sozialismus und dieses Handtuch haben eines gemeinsam: Sie funktionieren nicht.

Zum Abschied werde ich ermahnt, doch noch ein Bonbon zu essen, falls ich von der Polizei angehalten würde. Die Ausdünstungen des Mezcal (Mezcal gegen Scheibster jetzt 6:0) sind offenbar dazu imstande, noch in zwei Meter Entfernung einen ausgewachsenen Büffel zu betäuben.

Auf dem Heimweg begegnen mir dann glücklicherweise weder ausgewachsene Büffel noch Polizei, doch eines ist mir klar: Nüchtern bleiben und nach Hause fahren haben einen gewissen Charme gewonnen.

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*Spätestens nachdem mich die Bierzeltbank ausgetrickst und mich der Schwerkraft übergeben hatte.

**Ganz richtig: Jedes andere Handtuch wäre besser gewesen.

2007-11-01

Aus dem Leben eines Raketenwissenschaftlers, Teil XIX

In Zeiten, in denen Raketentreibstoff immer unerschwinglicher wird, ist in meinem Raketenlabor Kostendisziplin* gefragt. Wie auch andernorts werden werden hier einzelne Raketenwissenschaftlerteams in regelmäßigen Abständen umstrukturiert und umbenannt. Wegen des allgemeinen Kostendrucks ist in solchen Fällen Kreativität gefragt, um weiterhin die richtige Fahne hochhalten zu können.


Praktisch und flexibel: Jede weitere Änderung der Abteilungsbezeichung ist im Nu umgesetzt.

Auch Schutz vor den Zündungsblitzen bei Raketenstarts oder Forschungsmonitorstrahlung muss der Raketenwissenschaftler von heute oft selbst vornehmen. Der Herr Schmidt aus meinem alten Raketenlabor hat das dokumentiert. Zu sehen ist der Herr Jamaleddine, der mit eigens besorgter Strahlenschutzbrille dem grellen Licht des brennenden Raketentreibstoffes trotzt.


Kein Fehler in der Matrix: Herr JamaleddiNeo bleibt vollkommen gelassen.

Ich für meinen Teil werde mich jetzt wieder ins kürzlich installierte Hamsterrad setzen, damit hier heute abend nicht das Licht ausgeht.
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*Auf Bullshitbingo-Neudeutsch auch gerne "cost containment" genannt.