scheibster.de - Bekenntnisse eines Raketenwissenschaftlers
signalfeuer.

2007-06-29

Im Auge des Betrachters

Zeit, meine Rückkehr in die Blogosphäre anzutreten. Aber ganz sachte.


Über Geschmack lässt sich streiten. Warum nicht auch über Farben?

2007-06-16

Kielholen

Ich bin dann auch mal weg für ein paar Tage. Im hohen Norden der Republik. Wird feucht und kühl, aller Vorhersage nach.

Und ich muss meine Freundin für ein Vierteljahr dort lassen, bevor ich sie aus Kiel holen kann.

Juchu.


Gutes Wetter ist für Weicheier.

2007-06-15

Go away, punk. You made my day.

Es scheint, als würde eine sehr leidige, nervenaufreibende Episode in meinem Leben sich ihrem Ende neigen.

Mein alter Vermieter ist einer der wenigen Menschen, die mir nicht im Dunklen begegnen sollten. Er brachte es nicht nur auf Platz Eins der Leute, denen ich alles Schlechte dieser Welt wünsche, er hat sich sogar seine eigene Schublade in diesem Blog verdient.

Falls jemand glaubt, der altersstarrsinnige Sturkopf sei verstorben, so irrt er sich. Nein, noch im Mai schickte er mir die Nebenkostenabrechnung. Und nun, nachdem ich die offenbar berechtigte Nachzahlung pünktlich und vollständig geleistet habe,* flattert mir mit einem sehr kurzen Kurzbegleitschreiben das Original der Mietbürgschaft in meinen Briefkasten.

Wow.

Es scheint, dass er entweder vergessen hat, dass die Inanspruchnahme der Bürgschaft für seine unverschämten Forderungen wegen meiner Einrede noch nicht ausbezahlt worden ist, oder dass er schlicht und einfach resigniert hat. Erstere Möglichkeit halte ich für unwahrscheinlich, da Geld vermutlich das Letzte sein wird, an das er in seinem Leben noch wird denken können. Seine Frau vergisst er sicher noch vorher.

Im Umkehrschluss heißt das, dass ich ihn tatsächlich zermürben konnte und die Gerechtigkeit schlussendlich einen Sieg feiern kann. Und so wahr ich Raketenwissenschaftler bin, das wird gefeiert werden! Und zwar am besten mit den 374,19 EUR, die er eben nicht von mir einsacken konnte.

Zur Einstimmung fehlt nur noch das passende Siegerlied. Bittesehr.


"I've paid my dues..."
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*...wie ich auch jede andere berechtigte Forderung von ihm stets pünktlich beglich.

2007-06-12

Blaudunstige Geschmacklosigkeit

Ich greife nun ein Thema auf, dass ich in sendungsbewusster Art und Weise immer wieder gerne aufgreife: Das Rauchen.

Goss doch heute eine Meldung Öl in mein leidenschaftlich loderndes Nichtraucherfeuer.* Die (bundesdeutsche) Wissenschaft hat es bewiesen: Raucher haben weniger olfaktorische Lebensqualität als andere. Umgangssprachlich meint das, dass Raucher teils bedeutend weniger riechen und schmecken als Nichtraucher**, und dass Rauchen sogar zu chronischen Schäden an den entsprechenden Nerven führen kann.

Das muss, gerade wenn man wie ich auch bei sommerlichen Temperaturen auf den ÖPNV angewiesen ist, nicht zwangsweise von Nachteil sein. Ja, liebe Raucher, gelegentlich mag fehlende Sensibilität von Nase und Zunge durchaus ein Segen sein. Mir bleibt aber die Frage, ob ich für den blauen Dunst freiwillig auf ganze Sinnesdimensionen verzichten würde.***

Von meinen eigenen Riech- und Schmeckerlebnissen ausgehend kann ich nachempfinden, dass die genannten Einschränkungen für viele Raucher (wie auch für Knoblauchgourmands) eine Art Selbstschutz sein können. Ich mag ein wenig überempfindlich sein, aber auf meiner Erotikskala von 1 bis 10 liegt Tabakgeruch und -geschmack an weiblichen Mitmenschen etwa bei -50 und damit gleichauf mit Knoblauchausdünstungen und altem Körperschweiß.

Ich frage mich, ob ich in dieser Hinsicht eine Ausnahmeerscheinung bin und ob sich die Raucher unter meinen Lesern nicht manchmal ein bisschen mehr Geruchs- und/oder Geschmackssinn**** wünschen.

Was meint ihr?
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*Ich möchte betonen, dass ich das Rauchen an sich doof finde, damit aber kein Urteil über alle Raucher dieser Welt fällen möchte.

**Das kann sich nach den Erfahrungen meines Freundes Jan auch wieder regenerieren. Ihm zufolge macht es einen erheblichen Unterschied, den er sehr bald nach seiner Zigarettenabstinenz bemerkt hat.

***Und ich möchte hier erst gar nicht auf die durch Zigarettenqualm verursachte Beeinträchtigungen der Geruchs- und Geschmackserlebnissen von Nichtrauchern eingehen. Nun, vielleicht doch.

****Geschmack haben sie sicher, sonst wären sie nicht hier. Hehe.

Mahlzeit (für Millionäre)

Bad Nauheim ist kein billiges Pflaster, ganz im Gegenteil. Von den hier aufgerufenen Preisen für ein Mittagessen kann sich sogar London noch etwas abschneiden.


560 Euro für das frische Mittagessen, 280 für das von gestern. Guten Appetit!

2007-06-11

Kleinod für Klugscheißer

Das lange Wochenende ist vorbei und meine Abstinenz von der Blogosphäre auch.

Gut erholt muss ich doch heute morgen zu meinem sprachretterlichen Entsetzen lesen, dass das "Kleinod" als eines der schönsten deutschen Wörter vom Aussterben bedroht sei. Darum rufe ich hiermit offiziell dazu auf, mehr Kleinod zu benutzen.*

Und um bei der deutschen Sprache zu bleiben: Neulich habe ich erfahren, dass "das gleiche" nunmehr mit "dasselbe" bedeutungsmäßig gleichgestellt sei.***

Daraus ergeben sich vielerlei Konsequenzen: Dem Klugscheißer der deutschen Sprache wird ein Stück Standardrepertoire genommen. Bestellte bisher jemand im Restaurant "dasselbe" wie ich, so konnte ich den Kellner stets darauf hinweisen, dem anderen Gast doch bitte eine eigene Portion der gleichen Mahlzeit zu bringen. Dieser und ähnliche Späße sollen mir nun verwehrt bleiben.

Doch bei all der Emanzipation zwischen "das gleiche" und "dasselbe" bleibt die Frage, wie man nun zwei eigenständige, identische Dinge sprachlich und sinngemäß von ein und demselben Ding unterscheiden soll, ohne eine halbe Stunde darüber monologisieren zu müssen.

"Ich hätte gerne dasselbe, dass der Herr dort drüben hat."

"Tut mir leid, das kann ich dem Herren aber nicht mehr wegnehmen."

"Nein, ich meine das gleiche."

"Na, dann sind wir ja einer Meinung. Was kann ich Ihnen also bringen?"

"Na, das gleiche, das der Herr dort drüben..."

"Wie ich schon sagte: Wenn ich es schon serviert habe, ist es zu spät. Sie brauchen schon etwas Eigenes."

"Aber das will ich doch. Ich will mein Eigenes von dem, was der Herr dort drüben hat."

"Ich kann den Herren gerne fragen, ob er Ihnen etwas abgibt, wenn Ihnen das so wichtig ist."

So betrachtet ergibt die Gleichschaltung von "das gleiche" und das "dasselbe" ungeahnte Möglichkeiten der persönlichen Belustigung. Aber ernsthaft: Wer auch immer das beschlossen haben sollte, kann kaum meine boshaften Gedankengänge verfolgt haben. Ehrlich gesagt bezweifle ich, dass in diesem Zusammenhang überhaupt mehr als der Wunsch im Spiel war, allen Klugscheißern im deutschen Sprachraum eins auszuwischen.

Bitteschön, nun habt ihr den Salat. Das gleiche in grün. Verzeihung, dasselbe.

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*Aber bitte auch an den passenden Stellen. "Das ist aber ein wahres Kleinod!" kann von einer Frau geäußert und bei Männern missverstanden zu langen, tiefen Depressionen führen. Also, meine Damen, bitte Obacht bei dem Gebrauch des Kleinods.**

**"Langod", "Großod" oder gar "Uiuiuiod" sind zwar nett gemeint, aber aus sprachlicher Sicht leider ein Unding.

***Das sagt die Frau Pink, die im Fitnessstudio meiner Wahl Getränke verteilt. Ich konnte ihre Behauptung bisher leider nicht überprüfen. Die Frau Pink hat aber vor kurzer Zeit ihr Abitur gemacht, u.a. auch in Deutsch, und müsste es eigentlich wissen.

2007-06-06

Bahnhof der verlorenen Seelen

Mit Stille erwartet er mich. Seine Lichter brennen, als wären hunderte zugegen. Ihr Schein kämpft gegen die erbarmungslose Schwärze der Nacht, doch mehr als Verzweiflung geht von ihnen nicht aus.



Die Stille schreit mir die Abwesenheit jeglichen Lebens entgegen. Die sommerlich-lauen Temperaturen fallen alleine durch das Konglomerat aus Stein, Stahl und Elektrizität, während ein geisterhafter Schemen mir verspricht, den Weg zur Lunge mit Gold statt mit Teer zu pflastern.



Ich schenke ihm keinen Glauben, und mein Blick streift ein Objekt, das die buntbefensterte Kathedrale dieses Ortes zu sein scheint. Doch die scheinbar in ihr liegende Erlösung entpuppt sich als überteuerter Ablasshandel für die unterzuckerte, frustzerfressene Blutbahn. Die eingesperrten Süßigkeiten flehen den Betrachter sirenengleich nach Befreiung an, doch haftet ihnen der gleiche Lügengeruch an, den auch der Gold-Mann verbreitet.



Ich wende mich ab und stelle fest, dass helle Scheinwerfer sich vom Horizont mit gleichmütiger Geschwindigkeit nähern. Ein schier endloser Koloss aus Stahl gleitet fast lautlos über die Schienen, um einige Meter entfernt eine Verschnaufpause einzulegen.



Seine fensterlose Hülle knarzt und ächzt, es poltert in seinem Inneren. Die verlorenen Seelen, die er transportiert, haben sich schon lange mit ihrer Odyssee abgefunden. Mit Erstaunen registrieren einige meine Anwesenheit, um dann zurück in ihre Lethargie zu verfallen.

Wie sie wohl dort hineingekommen sind, frage ich mich.

Dann wird es schwarz.

2007-06-05

Besuch der Fahnzee

Zahnarztwechsel haben meistens zwei Seiten. Zum einen bekommt man gesagt, wie gut der alte Zahnarzt tatsächlich war. Zum anderen neigt der neue Zahnarzt zu einer gewissen geschäftigen Gründlichkeit.*

Gründlichkeit an sich ist ja toll, gerade in der Kauleistenwerkstatt. Aber wenn das so weitergeht, werde ich bald mehr Keramik im Mund haben als mein Waschbecken im Bad.**

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*Das gilt zumindest bei privater (Zusatz-) Versicherung der Dentalleiden.

**Ja, Waschbecken haben einen Mund. Sie reden auch, aber nur selten finden sie Gehör.

2007-06-01

Wochenendweisheit

Die Arbeitswoche neigt sich ihrem Ende, und ich entlasse Euch mit einem Zitat von John Cleese.

"There is only one thing in the world worse than being witty, and that is not being witty."

Genießt die Sonne und schaut mal auf dem Hessentag vorbei!