scheibster.de - Bekenntnisse eines Raketenwissenschaftlers
signalfeuer.

2007-02-28

Aus dem Leben eines Raketenwissenschaftlers, Teil XI

Hier sind offenbar die Chaos-Tage angebrochen.

Der Herr Heck, einer meiner Raketenwissenschaftlerkollegen, hat seinen Bildschirm kaputt gemacht. Das sah dann so aus:


Hier den Bildschirm einfach rechts herum drehen ist leider keine Lösung

Zum Glück konnte ich das in meiner De facto-Funktion als IT Supporter wieder richten.

Als nächstes versuchte der Herr Schmidt*, Kernspaltung bei einem Apfel zu betreiben und amputierte sich dabei fast die linke Hand. Unser De-Jure-Ersthelfer und Hobbychirurg, der Herr Gottschalk, konnte sie zum Glück wieder annähen. Bewundernswerterweise hat der Herr Schmidt gleich weitergearbeitet und kaum das Gesicht verzogen. Ein echter Teufelskerl, der Herr Schmidt.


Na gut, ein bisschen hat er schon geschrien. Das war aber vor Wut, dass nicht noch mehr passiert ist.

Schließlich und zu guter Letzt befindet sich auf diesem Stockwerk meines Raketenlabors ein Schulungsraum, der von vielen anderen Raketenwissenschaftlern rege genutzt wird. Jeden Tag. Die Tatsache, dass dort drinnen immer zu wenig Stühle stehen, führt zu einer gemeinen Variante der "Reise nach Jerusalem". Man muss beispielsweise abwägen, ob es besser ist, den Rest des Tages im Stehen zu forschen oder zu hungern.**

Als wäre das nicht genug, ist dieses Stockwerk auch noch streng geheim und deswegen bestens gesichert. So ertönt ein Alarm, wenn die Tür nach draußen länger als 19,4 Sekunden geöffnet ist. Und weil hier alles so streng geheim und schützenswert ist, ertönt der Alarm viel lauter als in den anderen Stockwerken.***

Da die anderen Raketenwissenschaftler, die den Trainingsraum besuchen, das aber nicht wissen, weil sie ja normalerweise woanders forschen, halten sie ihren Kollegen auch schon mal länger die Tür auf. Oft genug zu lange. Dann klingt es so, als wären bei McDoof die Pömmes fertig, nur doppelt so schnell und zwanzig mal so laut. Eine startende Rakete in fünf Meter Entfernung könnte nicht lauter sein.

Ist aber nicht sooo schlimm, denn nach nur etwa dreißig Minuten hört dieses fieseste Geräusch auf Mutter Erde von selbst wieder auf. Zugegeben, wahrscheinlich sind es nur etwa fünf Minuten, aber die Zeit dehnt sich in solchen Momenten dramatisch. Die meisten meiner Kollegen haben sich mittlerweile daran gewöhnt und können mit Tinnitus und Hirnblutungen ganz gut leben.


Nur wegen des oberstylishen "Schutzengel"-Feuerzeugs ist Herrn Schmidt nicht mehr passiert. Sagt er. Ein gutes Beispiel für die Auswirkungen des doofen Alarms auf die allgemeine psychische Verfassung.

Und wer jetzt behauptet, ich würde ganz furchtbar übertreiben und mir sei einfach nur langweilig, ist ein alter Spielverderber.

Jawoll.
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* Treue Leser kennen ihn auch als den Bad Sodener Erzmagier.

** Oder nicht im nächsten Raketenwissenschaftlermeeting zu erscheinen. Oder sich in die Hose zu machen.

*** Dieser Alarm verstößt meines Erachtens gegen die Genfer Konventionen. Die letzte Taube, die am Fenster vorbeiflog, als der Alarm lief, ist einfach explodiert.

2007-02-27

Alarmstufe Tot

Macht das Alter doch weise? Steven Seagal*, nicht mehr ganz so taufrischer Action-Star, im früheren Leben angeblich ein Mönch und mittlerweile auch zum Musiker gereift, will keine Fortsetzung von "Alarmstufe Rot".


Steven Seagal, als es noch keine Farbfotos gab (Quelle: IMDB)

Ich bin beruhigt. Er mag asiatische Kampfkunst beherrschen, und er kann definitiv besser Musik machen als Schauspielern. Ich habe ihn zwar noch nicht singen hören, aber ich habe ihn einst in "Alarmstufe Rot 2" gesehen.

Hat mich für immer geheilt.

Deswegen: Danke, Steven, für diesen Verzicht. Ich leihe mir vom Nachtwächter auch mal deine Platte aus.

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*...vom Klapsenschaffner auch liebevoll "Die Kampfwurst" genannt

2007-02-26

Shuffle me sticks

Der Klapsenschaffner hat mich mit einem Stock beworfen. Der Herr Wolf zwar auch, aber den Stock vom Klapsenschaffner konnte ich auf Anhieb intellektuell bewältigen und werde ihn deswegen hier aufheben und durch die Gegend asten.

Zunächst gibt es dazu ein Regelwerk, das sich so liest:

"Die Spielregeln:

1. Öffne deinen Musicplayer (iTunes, Winamp, Media Player, iPod etc.)
2. Stelle ihn auf Shuffle/Random
3. Drücke “Play”
4. Schreibe für jede Antwort den Songtitel, der gerade gespielt wird, auf
5. Drücke für jede neue Frage den “Next” Button.
6. Lüge nicht und tue so, als ob du cool wärst… Tipp’s einfach ein!"

Ist also was für Musikafficionados, die mehr als, sagen wir mal, fünf Lieder auf der Festplatte herumfliegen haben (von denen der Player weiß). Ich lege mal los...

Vorspann:
De Höhner - Was wollen wir trinken
Das habe ich nun davon, dass ich auf meinem Rechner Faschingsmucke schneide. Danke auch. Aber wer weiß, vielleicht hatte mein Vorspann tatsächlich etwas mit Alkohol zu tun. Memo an mich: Eltern fragen. Außerdem passt's, denn die hören mittlerweile hr4.

Aufwachen:
Red Hot Chili Peppers - Californication
Wenn das mal nicht ein perfekter Song zum Augen öffnen ist. So direkt und so übertragen.

Erster Schultag:
Vanilla Fudge - You Keep Me Hangin' On (06:56!!)
Mein erster Schultag war noch Zukunftsmusike, als das Ding herauskam. Wobei ich "Set me free, why don't you babe" irgendwann dachte, wenn auch nicht auf Englisch. Schließlich wollte ich die Brezel futtern und die ganzen Süßigkeiten aus der Tüte.

Verlieben:
Skid Row - Breaking Down
"If you just let me in, I wouldn't break down..." Ja, so war es wohl. Ist es nicht immer noch so? Die Liebe als Rettung vor dem Zusammenbruch? Aber Mist: Der kommt ja erst später hier.

Das erste Mal:
R. Kelly - I Believe I Can Fly
Wieder so ein Schnitt-Relikt. Mann, echt jetzt. Mein Player hat eine sehr seltsame Art von Humor, auch wenn das hier so schön schnulzig ist, dass es zum ersten Mal passt. Wobei ich den sehen will, der beim ersten Mal ans Fliegen dachte und nicht an Verhütung, ob es wahr ist, was die Kumpels erzählt haben und überhaupt. Ha!

Kampflied:
Phantom Planet - California
Mit Kalifornien hat's der gute iTunes. Kampflied? Ahem. Nun, "California, here I come!" dachte sich wohl auch einst Jetzt-Gouvernator Arnie. Hat wahlgekämpft und gewonnen.

Schluss machen:
Papa Roach - Take Me
"...and I'm gazing at the ashes, and there's no one else around." Respekt, Herr iTunes hat's doch drauf. Besser kann man es kaum beschreiben. "This is just a story of a broken soul." Schön, dass das vorbei ist.

Abschlussball:
George Michael - Father Figure
Schorsch auf der Playlist hat Klapso auch. Beruhigend. Oder nicht? Ich wollte nicht mit Schorsch zum Abschlussball gegangen sein. Aber zum Schmusetanzen ist der Song geschaffen worden. Und wollten wir das nicht alle damals? "If you are the desert, I'll be the sea..." Damals haben die Mädels das auch noch geglaubt.

Nervenzusammenbruch:
Meat Loaf - The Monster Is Loose
"I'm angry, I'm raging..." Gute Wahl vom Player. Wenn das Monster erst da ist, gibt's kein Halten mehr.

Autofahren:
The White Stripes - I'm Bound to Pack It Up
"I'm bound to pack it up and go away..." Freiheit, ja, das war es schon immer, das Autofahren. Außer im Stau und bei der Parkplatzsuche. Aber Freiheit muss erkämpft werden.

Flashback:
Bad Company - Feel Like Making Love
"Baby, when I think about you, I think about love..." Das sind die guten Flashbacks. Es gibt auch die anderen, aber das hier sind die, die wir gerne willkommen heißen, sich zu setzen und noch ein wenig zu bleiben. Keks?

Wieder zusammenkommen:
Cream - White Room
"I lie in the dark where the shadows run from themselves..." Nun, unter Drogeneinwirkung sind schon viele Menschen zusammengekommen. Sagt man. Vielleicht ja auch wieder?

Hochzeit:
Starsailor - Coming Down (acoustic)
Herunterkommen auf den Boden der Tatsachen? Herunter zu dem, was wirklich wichtig ist? Wer weiß das schon.

Geburt des ersten Kindes:
Michael Jackson - Thriller
Es steht fest. iTunes hat Humor. Michael in Verbindung mit dem ersten Kind zu bringen ist der endgültige Beweis. Und spannend wird's bestimmt. "You try to scream..."

Endkampf:
Queen - Sheer Heart Attack
Ich hoffe ja, dass eine Herzattacke nicht meinen Endkampf einläuten wird. Aber wer tut das schon? Das Endergebnis wird durch den Weg nicht verändert. "Hey, hey, hey, it was the DNA!"

Todesszene:
Lemonheads - Mrs. Robinson
Was das für ein cooles Lied fürs "erste Mal" gewesen wäre. Werde ich mir vielleicht auch denken, wenn's bei meiner Todesszene läuft. "Look around you, all you see are sympathetic guys..."

Beerdigungslied:
Meat Loaf - Read'Em And Weep
Marvin Lee Aday war schon mal dran. Mit den Nerven. Kann wohl nicht genug kriegen, der Herr iTunes. Schnulzig und passend, nichtsdestoweniger. "And now the future is nothing but a hollowed-out tree."

Aspann:
Eric Clapton & B.B. King - Riding With The King
Ein Abgang mit Klasse und Stil. Sauber gemacht. Mit Erich und B.B. gen Himmel fahren. "Don't you know you're riding with the king?"


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Nun werfe ich den Stock weiter, weil man das wohl so tut. An den Leif, weil der so selten schreibt, an den Nachtwächter, damit er was hat, um die ganze neue Mucke zu testen, an die Trumpf-Karo und an den Herrn Prophet. Und wo ich gerade dabei bin: Die Freie Stimme Berlin kann sich hier sicher auch sehr gut äußern.

Haut rein!

Traurumtata (2)

Im November letzten Jahres hatte es mich erwischt, jetzt sollte ich eigentlich erst einmal wieder Ruhe haben.

Die Rede ist von der kleinen Kapelle in meinem Kopf, die hin und wieder mehr oder weniger lustige Karnevalsmelodeien zum besten gibt. Meistens tut sie das auf Stichwort, aber derzeit geht das leider ganz ungefragt.

Mit einem einzigen Lied. Immer wieder.

Sansibar.

Natürlich (und wie kann es anders sein) ist das von den Höhnern, die auch schon mit "Viva Colonia" einen echten Kracher am Start haben, einen, den ich sogar in nur leicht angetrunkenem Zustand mitsinge.*

Aber "Viva Colonia" isses nicht. Nein. Es muss ja unbedingt "Sansibar" sein. Ich muss jedoch einräumen, dass sich meine unterbewussten Karnevalsassimilierungsabwehrmechanismen noch nicht haben unterkriegen lassen:

Statt "Vater Rhein und Mama Afrika" singt die Kapelle stets "Papa Heinz und Tante Erika" beim Refrain.

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*Wobei ich mich frage, ob es für solch delikate Enthüllungen nicht noch ein wenig früh am Tag ist.

Aus dem Leben eines Raketenwissenschaftlers, Teil X

Heute ist der Herr Jamaleddine aus dem Urlaub zurückgekommen. Den hatte er sich auch redlich verdient.


Der Herr Jamaleddine hat gut lachen.

Doch der Herr Jamaleddine ist nicht nur einfach zurückgekommen, er hat auch noch im Urlaub an gequälte Raketenwissenschaftlerkollegen wie mich gedacht und etwas mitgebracht.

Er war nämlich in Damaskus, und da gibt es neben einigen Syrern und dem Präsidenten Assad auch einen Familienbetrieb, der arabische Pralinen herstellt.* "Rose Damas" heißen die und machen ihrem Namen alle Ehre.


"Pistachio Mabroomeh", eine Sorte von vielen. Feine Nudeln um Pistazien, das ganze mit Honig verfeinert, und was sonst noch so dazugehört.

Ja, es ist wahr, diese Köstlichkeiten schmecken, als hätte Gott selbst sie gemacht. Das ist wegen der ganzen Moslems in Damaskus zwar eher unwahrscheinlich. Aber es muss ja nicht der Gott der Christen gewesen sein und könnte darum beweisen, dass Allah konfiserietechnisch ganz schön Glanz auf dem Hammer hat.** Isst sich sehr viel angenehmer als Schokolade, ist nicht so aufdringlich süß und sehr raffiniert mit Rosenwasser u. ä. geadelt.

Aber am tollsten ist, dass der Herr Jamaleddine mir gleich ein ganzes Kilogramm mitgebracht hat. Wie schon des öfteren, muss ich ja sagen. Das sieht ausgepackt übrigens so aus:


Im echten Leben noch größer und leckerer

Und was habt ihr damit zu tun? Nun, ihr dürft neidisch sein, wenn ihr es noch nicht kennt, und noch viel neidischer, wenn ihr es schon kennt.

Jetzt darf ich nur in nächster Zeit den Sport nicht so oft ausfallen lassen.***

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*Der Laden heißt Semiramis und man kann auch online bestellen. Kostet zwar etwa 50% mehr, als wenn man vor Ort ist, aber einmal im Leben sollte die Naschkatze von Welt das probiert haben. Und selbst wenn man vor Ort ist, muss man zwei Tage Wartezeit in Kauf nehmen, weil immer nur frisch auf Bestellung produziert wird.

**Ich hoffe, davon fühlt sich jetzt keiner auf den religiösen Schlips getreten.

***Auch wenn die "Rose Damas"-Leckereien weniger Kalorien haben als Schokolade.

2007-02-22

Rette ein Pferd...

Vor einiger Zeit stieß ich beim Schauen meiner derzeitigen Lieblingsserie "Boston Legal" auf ein Lied, zu dem James Spader alias Alan Shore auf einem Elektrobullen Rodeo ritt.

Das Stück ist zwar aus 2004 und somit nicht mehr topaktuell, aber gute Musik wird nicht alt, und die Jungs von Big & Rich haben sich mit diesem Song einfach eine Erwähnung verdient.

Neben der eingängigen Melodie bieten Big & Rich einen Text, der den klassischen Country gehörig auf die Schippe nimmt, und führen das auch konsequent mit den eingesetzten Instrumenten fort. Heraus kommt dabei "Save A Horse (Ride A Cowboy)", das einfach nur gute Laune macht.

Hört, seht und rockt selbst.

Big & Rich - Save A Horse (Ride A Cowboy)


P.S.: Wo ist mein Pferd und wer hat meinen Stetson?

2007-02-21

Fleischeslast

Neulich gab es bei Michael L. leckere zwei Kilogramm zarte Rinderlende, sanft gebraten mit ein wenig Ciabatta und ein paar grüne Bohnen dazu. Ein wahres Fest für jeden, der Fleisch mag. Frau Su, würde sie noch mischköstlichen Mumpitz betreiben, wäre stolz gewesen.


Tote, rohe Kuh, kurz bevor sie ihrer Bestimmung zugeführt wurde.

Tolle Idee. Dazu passt auch wunderbar Barolo, genauso wie goldener brasilianischer Cachaça*, ein feiner französicher Aprikosenbrand, eins, zwei gute Pils, vielleicht auch ein Gin Tonic, und wer es ganz exotisch mag, trinkt Jägermeister-Kirsch.

Nicht so tolle Idee: Das alles dazu und danach zu trinken. Vor allem, wenn man am gleichen Abend noch vom RMV durchgeschüttelt wird und auf diese Art und Weise seine Eigenfrequenz erreicht, was folgerichtig in einer persönlichen Resonanzkatastrophe** enden muss.

Derartige physikalische Experimente werde ich zukünftig besser unterlassen. Wenn ich schon eine Kuh esse, soll sie wenigstens nicht umsonst gestorben sein.

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* Vermutlich sogar der beste.
** Diese werden generell von eigenen Ausrufen wie "Bärch!" begleitet und sind nur eingeschränkt publikumstauglich.

2007-02-19

Flacher Offenbacher

Eines muss man den Offenbachern zugestehen:

Es gibt definitiv keinen schöneren Namen für einen dunklen Parkplatz als diesen.


Jeder Nicht-Offenbacher vermutet dort keine Fahrzeuge.

ploing

- Was soll das denn, bitte?

- Was ist denn an "ploing" so komisch, hm?

- Du bist kein Wortbestätigungswort. Du bist aus 'nem Comic.

- Pfff! Und wenn schon. Man wird sich ja wohl noch weiterentwickeln dürfen.

- Vom Printmedium ins Web. Na, immerhin. Aber Wortbestätigungswort ist doch kein Vollzeitjob, oder?

- Web 2.0, bitte, ja? Zwo-Punkt-Null. Und wenn schon, mein Schattendasein neben Sprechblasen war auch nicht so erfüllend. Hier mache ich Urlaubsvertretung für aakmuzs. aakmuzs ist nämlich irgendwie verschwunden, und da haben sie gesagt, ploing, haben sie gesagt, wir haben da eine neue Aufgabe für dich.

- Eine Aufgabe, die mit meinem Druck auf die Returntaste beendet sein wird.

- Echt?

- Kein Scherz.

- Na toll. Danke auch.

2007-02-16

Pizza wundabar

"Seltsam, Giovanni. Seit vier Wochen hängt unsere Werbung, und noch keine Sau hat was bestellt."


Da hätte er wohl besser jemanden gefragt, der sich mit so etwas auskennt.

2007-02-15

Mittagsgericht Texanischer Art

Wow. Da bleibt mir fast die Spucke weg. George W., über den ich nun wirklich lange schon nichts mehr geschrieben habe, hat es mal wieder geschafft.

Hier könnt (und solltet) ihr es lesen. Offenbar reicht die neu errungene demokratische Mehrheit im Senat nicht aus, um eine derartige Demontage des Rest-Rechtsstaates in den USA zu verhindern.

Um es zusammenzufassen: Wer in den USA als ausländischer Terrorist gilt, kann dort fortan vor ein Sondertribunal gestellt werden und ohne den üblichen verfassungsmäßigen Schutz von Menschen- und Bürgerrechten, dafür aber mit einem Minimum an Indizien schlimmstenfalls zum Tode verurteilt werden.

Der amerikanische Bundesgerichtshof hatte diese Regelung zu Recht abgelehnt, aber gegen das entsprechende nun aufgestellte Gesetz können auch diese Damen und Herren nichts mehr ausrichten.

Damit nehmen sich die USA das Recht, jeden Nicht-US-Amerikaner, der auch nur unter dem Verdacht terroristischer Aktivitäten* steht, schnell und unbürokratisch aus dem Wege räumen.

Land of the free, home of the brave. Mit Todesurteils-Drive In als neuester Attraktion. Kommen Sie, schauen Sie! Falls Sie glauben, Terrorist zu sein, oder denken, dass wir das glauben könnten: Besorgen Sie sich die amerikanische Staatsbürgerschaft. Mit etwas Glück greift das Bürgerrecht dann noch für Sie. Es sei denn, sie sind Demokrat, schwarz oder Moslem.

Gott schütze Amerika.**

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*Und ist diese Definition nicht von Interpretationsspielraum geprägt?

**Vor sich selbst. Und den Rest der Welt vor Amerika. Bitte.

Großes Krawattensterben

Verflucht.

Heute ist Weiberfastnacht. Oder Weiberfasching. Oder Weiberkarneval. Wie schon erwähnt, die Hessen sind da nicht so differenziert.

Das heißt aber auch, dass heute Krawatten* ein schweres Dasein haben werden, trotz hessischer Namensindifferenz.


Schnipp, schnapp, Krawatte ab (Foto kommt aus der Wikipedia)

Und ich Depp habe heute morgen eben nicht das Weiberfaschingsmodell angezogen, sondern eines, dass den schnellen Scherentod noch nicht erleiden soll. Die Frage, die sich daraus ergibt, ist folgende:

Welcher Schmerz ist schlimmer: Ohne Krawatte als Feigling dazustehen oder den vorzeitigen Verlust einer Seidenkrawatte?

Ich tendiere sehr in Richtung Feigling. Zum Glück sind in meiner Abteilung wenigstens keine Frauen, die mich dafür verspotten könnten.**

Aber Kräppel gibt es heute, weil der Herr Schmidt so nett war, welche mitzubringen. Weil ja Weiberfasching ist.

Deswegen Motto des Tages:

Hast du deine Krawatte um
und siehst Scheren in Frauenhänden,
dann, mein Lieber, sei nicht dumm
und tue schnell zur Flucht dich wenden!

_________________
*Ohne Zweifel eines der unnötigsten Kleidungsstücke, die je erfunden und ihren Weg in den Kleidungskodex gefunden haben.

**Richtig, keine Frauen, nur Männer, sprich: Entspanntes Raketenforschen.

2007-02-12

Aus dem Leben eines Raketenwissenschaftlers, Teil IX

Mobiltelefone und ihre Nutzer sind ein Thema, dass die breiten Massen seit nunmehr über einem Jahrzehnt bewegt. Es hat sich sogar so etwas wie eine Etikette etabliert.

Doch es scheint, als würde die Strahlung, die von den kleinen schnurlosen Begleitern ausgeht, den Verstand der Nutzer trotzdem gelegentlich außer Gefecht setzen*. So wäre ich geradezu begeistert von einer befolgten "Handy-Etikette für die Raketenlaborbetriebstoilette"**, denn folgende Szenen spielen sich immer wieder ab:

1. Der unauffällig-unaufhaltsame SMS-Tipper
Leicht zu erkennen am Knacken der Tasten, sendet und empfängt der unauffällig-unaufhaltsame SMS-Tipper Kurznachrichten im verschlossenen Refugium der Toilettenkabine. Einleuchtendes Handeln, denn die Ablenkungsmöglichkeiten sind dort auf ein ideales Maß reduziert.

Ist nur aufdringlich, wenn er vergisst, die Tastentöne auszustellen, oder das eigene Gehör das Tastenknacken nicht ausstehen kann.

2. Der Handy-Lautlos-Stell-Vergesser
Oftmals auch ein unaufhaltsamer SMS-Tipper, mit dem Unterschied, dass er auf der Toilette angerufen wird und das Mobiltelefon lautstark einen mehr oder weniger geschmacklosen Klingelton von sich gibt. Schamgefühl und/oder Unwillen in punkto Erreichbarkeit zu just jenem Zeitpunkt sind am nervösen Rascheln in der Kleidung und meist recht schnellen Ersterben des Anrufsignals zu erkennen. Dauert es länger, war der Angerufene vielleicht eingeschlafen***.

Der nervöse Handy-Lautlos-Stell-Vergesser hat zudem Entertainmentpotenzial: Wie leicht engtleitet ein Handy der Hand und gibt der Gravitation nach.

In Richtung Boden, mit Glück.

Direkt in die Schüssel, mit Pech.


So oder so ähnlich trägt es sich zu
(Bild gefunden bei f1online.de)

3. Der omni-erreichbare, unerschrockene Dauertelefonierer
Nicht oft anzutreffen, aber unverkennbar: Führt ein ernsthaftes, geschäftliches Telefonat in der Toilettenkabine, während um ihn herum die Verdauungs- und Spülschlacht tobt. Lässt sich dabei von absolut nichts beirren und klemmt beim Abwischen das Telefon zwischen Kinn und Schulter, falls er kein Headset hat. Bringt die Nachbarn in einen inneren Konflikt: Absichtlich lauter verdauen/spülen (erzieherische, spaßige Variante) oder Zurückhaltung üben (Spießervariante)?****

Man stelle sich den Gesprächspartner vor. Muss genau so eine harte Nuss sein, wenn er nicht anbietet, später zurückzurufen.

"Sind Sie gerade auf der Toilette?"
"Ja."
"Hossa. Waren Sie das eben oder war das nebenan?"
"Das war ich."
"Sie kacken, während wir telefonieren?"
"Sicher."


Meine Empfehlung ist daher:

Gehst du an den stillen Ort, stecke bloß dein Handy fort!

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*Das setzt freilich die Existenz des Verstandes vor Einschalten des Mobiltelefons voraus. Meine Feldstudien belegen allerdings, dass Verstand für den Einschaltvorgang keine Grundvoraussetzung ist.

**Blackberrys schließt das ein, und zwar im Besonderen.

***Schwangerenliegen gibt es leider nur auf einem Stockwerk. Da frage ich: Was bleibt einem müden Raketenwissenschaftler dann noch übrig?

****Es war genau so und hat mich derart beschäftigt, dass ich hier darüber schreiben muss.

2007-02-11

Pappnasen aufziehen

Gestern war es einmal wieder so weit: Ich holte mir meine alljährliche Dosis Fasching. Oder Karneval. Oder Fastnacht. In Hessen wird da nicht so leidenschaftlich unterschieden.

Jedenfalls das, wo es verkleidete Menschen gibt und vermeintlich zwanghafte Fröhlichkeit. Frohsinn ist zwar Pflicht, weil man sonst auch zu Hause schmollen kann, aber die Schwarze Sieben hat es mir alles andere als schwer gemacht. Mit einem wundervollen, lokal eingefärbten und mit Leidenschaft dargebrachten Programm aus Tanz und Büttenreden haben die Beteiligten die beste Leistung seit Jahren hingelegt.

Ich als alter Karnevalsmuffel habe mich tatsächlich köstlich amüsiert. Und alle anderen auch. Und zwar so sehr, dass am Ende der Sitzung noch Stunden auf Stühlen, Bänken und Tischen getanzt und gefeiert wurde. Ich habe ja Frau K. in Verdacht, einige Leute angestachelt zu haben, mich auf den tollen Musikschnitt des Showballetts anzusprechen, aber sei's drum. Gefreut hat es mich trotzdem.


Shake it, ladies and gents.

Insofern an dieser Stelle ein dreifach donnerndes "Fribbisch helau", und das Versprechen, dass ich mich auch dieses Jahr wieder selbstopfernd als Musikschnitte anbieten werde.

2007-02-07

Ganz trolle Wurst

Aus gegebenem Anlass* möchte ich feststellen, dass ich bei Kommentaren ein gewisses Maß an Anstand erwarte, das schließt die Wortwahl ein und Beleidigungen aus.

Wer denkt, er kann anonym hier Kinderkacke kommentieren, dem sei versichert, dass BlogCounter bestens funktioniert - inklusive IP-Logging.

Also, Spaß haben und immer schön anständig bleiben.




Dieses ist gleichzeitig das Maximum an Aufmerksamkeit, dass alle Trolle bekommen werden, die sich jemals hierher verirren sollten.

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*Und ich hoffe noch immer, dass das ein Versehen oder ein Missverständnis war. Höre ich da ein "naiv"?

2007-02-05

Eiskalt erwischt

Gestern war Winter angesagt. Auch - oder vor allem - in Offenbach am Main. Dort war es nämlich nicht nur schweinekalt*, sondern es traten in der Stadthalle Snow Patrol auf.


Wegen hoher Nachfrage vom "Capitol" in die Stadthalle verlegt: Das kann schon mal für Verwirrung sorgen

Natürlich mit Special Guest, wie sich das gehört. Und die Jungs hatten einen Singer/Songwriter erster Sahne im Gepäck, Scott Matthews. Mit einer genialen Stimme und einfühlsamen Songs wusste er zwar nicht die rockversessenen Damen zu begeistern, die Markus und ich im Gepäck hatten, Markus und mich dafür umso mehr. Hört rein, es lohnt sich**.

Gegen 21:45 durften sich dann alle freuen, die da waren. Snow Patrol räumten sehr schnell mit der Fehleinschätzung auf, sie würden nur Schmusemusik machen. Solider Rock und Powerballaden aus den letzten beiden Alben wurden mit Leidenschaft dargeboten, und das trotz des ein oder anderen Hindernisses.


Snow Patrol auf der Bühne

Drummer Jonny Quinn hatte sich im Skiurlaub den Arm gebrochen und musste spontan ersetzt werden, was glücklicherweise funktioniert hat. Der Song, mit dem sie bekannt wurden, "Chasing Cars", hatte dank Technikpannen gleich drei Anläufe gebraucht. Sänger Gary Lightbody wollte aber keine halben Sachen und ließ die Techniker so lange schwitzen, bis es klappte. Zur Wiedergutmachung schenkte er dem geduldigen Publikum sein Hemd. Offenbar sein letztes, denn den Rest des Konzerts musste das T-Shirt darunter reichen.

Für mehr als eine Zugabe reichte das Songmaterial leider noch nicht, aber das spielte keine Rolle. Am Ende waren Band und Zuschauer glücklich, und so soll's ja auch sein.


Dank Schnee glücklich und geflashed

Und außerdem haben wir auf dem Konzert zusammen mit Wettermann Raudi von rheinmaintv gerockt. Wenn das mal nicht cool ist, was dann?


Wettermann und Raketenwissenschaftler

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*Auf dem Weg vom und zum Parkplatz deutlich bemerkbar. Brrr.

**Bei Gelegenheit. Nein, besser jetzt sofort. Los!

2007-02-02

Weichenstellung

So, habe auf das neue Blogger umgedingst. Muss wohl noch ein wenig basteln, um alles perfekt zu machen.

Wolle Hohlbrot: Der Maaahgier

Es seien mehrere Dinge gesagt, bevor das hier losgeht. Zum einen finde ich Wolfgang Hohlbein wirklich gut, kann aber dank Terry Pratchett und Robert Rankin beim Verfassen eigener Geschichten nicht ernsthaft bleiben. 'Wolle Hohlbrot' klingt selten dämlich, und wahrscheinlich werde ich mein Pseudonym für diese Geschichten ändern (wenn denn noch welche folgen). Vielleicht auch nicht. 'Wolle Hohlbrot' ist aber auf keinen Fall ein Angriff auf Person oder Werk Wolfgang Hohlbeins.

Noch etwas: Bringt Zeit mit, es ist kein "Casual Reader"-Kurzpost. Es ist eine kleine Geschichte, die ich an dieser Stelle meinen DSA-Mitspielern widmen möchte.

********************

Es war ein dunkler Winterabend, als mich meine kältetauben Füße mit letzter Kraft in die Schänke des Dorfes trugen. Ich war auf Reisen, und Dörfer, die man abends erreicht, sehen alle gleich aus: Ein paar trübe Lichter scheinen durch schmutzverkrustete Fenster, ein dicker bärtiger Mann klaut den Pferden vor der Schänke die Rüben, und der Stadtbüttel übt sich auf seine angerostete Hellebarde gestützt in Nichtwahrnehmung seiner Umwelt*.

Ich schwor mir zitternd, nie wieder im Winter lange Fußmärsche auf mich zu nehmen und betrat die Schänke. Der Teil der Dorfbewohner, die es noch nicht nach Hause geschafft hatten, hing an der Theke und verteilte sich an zwei der drei dunklen, mittelschwer mit einer Mischung aus saurem Bier und Kartoffelsuppe verschmierten Holztische. Die Luft war zwar warm, von der Zusammensetzung jedoch ähnlich, mit einer leichten Prise Schweiß und einer gehörigen Portion Tabakrauch dazu.

Am dritten Tisch saß ein einzelner älterer Mann, mit einem bunten, runenverzierten Umhang und einem spitzen Hut. An der Wand hinter ihm lehnte ein mannshoher, verbogen wirkender Stab. Kein anderer Platz war frei, und da dieser Kerl hier genau so deplaziert wirkte wie ich, setzte ich mich ihm gegenüber. Ein zerrissen wirkender grauer Bart umrandete sein faltiges Gesicht, und sein leicht wirrer Blick musterte mich.

"Jungchen, was machst du denn hier? Egal. Schön, dass du mir Gesellschaft leistest. Ein seltenes Gut dieser Tage." Der Alte hob sein Weinglas in Richtung des desinteressiert dreinblickenden Wirtes. "Hey, Schwachkopf! Noch eines für mich... Und eines für meinen jungen Freund hier."

"Danke, das ist sehr freundlich", sagte ich und versuchte Ordnung in die wirren Muster auf dem spitzen Hut des alten Mannes zu bringen. Als Kopfschmerzen drohten, hörte ich auf.

"Nun, eigentlich war das nicht sehr freundlich", entgegnete der Alte. "Aber der Wirt ist einer von denen, denen in ihrem Leben noch viel Schlimmeres an der Kopf geworfen wurde. Bierkrüge zum Beispiel." Ich nickte zustimmend, und freute mich über das zaghaft in meine Füße zurückkehrende Gefühl. Der Wein wurde gebracht, und die ersten Schlucke beschleunigten den Tauprozess weiter.

"So, Junge, jetzt aber raus mit der Sprache. Was in Dreiteufelsnamen machst du hier?" Der Alte nahm seinen Blick nicht von mir, als er eine Pfeife aus seinem Mantel zauberte, die einen ähnlich schiefen Eindruck mache wie der Stab hinter ihm.

"Ich bin... Schriftsteller. Ich reise, um Inspirationen zu sammeln", antwortete ich wahrheitsgemäß. "Und was treibt Sie in diese Gegend, wenn ich fragen darf?" Der Alte lächelte, um dann mit leichtem Hüsteln die Pfeife anzuzünden.

"Ah, du bist also einer von diesen 'Feder und Schwert'-Typen, hm? Ich bin ebenfalls auf Reisen. Sie nennen mich einen Maaahgier. Und bevor du fragst: Ja, ich kann zaubern." Er versuchte einen einschüchternden Blick, was lediglich durch den nach vorne rutschenden Spitzhut verhindert wurde.

Magier. Ich hatte von ihnen gehört. Bisher hatte ich sie für Legenden gehalten, wie Drachen, Hexen oder Käsekuchen ohne Rosinen. Nun saß einer von ihnen vor mir. Angeblich.

"Heißt es nicht 'Magier', alter Mann?" fragte ich und bereute im nächsten Moment meine Worte. Hatte er die Wahrheit gesagt, so hatte mich meine große Klappe in echte Gefahr gebracht. Die Miene des Alten verfinsterte sich kurz.

"Jungchen, wenn ich 'Maaahgier' sage, dann meine ich das auch so. Kein Grund zum Klugscheißen. Und noch lange keiner, sich über meinen Sprachfehler lustig zu machen." Der Alte nahm einen kräftigen Schluck Wein.

"Es... Es tut mir leid!" entgegnete ich. Verschiedene Teile meines Selbst stimmten gerade hektisch über einen Panikanfall ab.

"Zumal es ein Sprachfehler ist, der sich nur auf dieses eine verdammte Wort beschränkt. Eigentlich ein Segen, aber nicht, wenn man Maaahgier ist, so wie ich. Also keine Scherze, sonst brenne ich dir ein Loch in dein feines Hemd." Der Alte deutete mit dem Zeigefinger auf mich, seufzte kurz und zog dann an seiner Pfeife. Mein Panikanfall wurde verschoben und wich leicht misstrauischer Entspannung.

"Mit einen Flammenstrahl aus Ihrem Finger?" fragte ich wieder etwas mutiger.

"Nein, Jungchen, mit der verdammten Kerze auf dem Tisch." Der Alte täuschte mit der Hand eine Bewegung zur Kerze vor, die mich zusammenzucken ließ. Als er das sah, brach er in heiserer Gelächter aus. Ich zog eine Augenbraue hoch, lehnte mich zurück und trank den Rest meines Weines.

"Aber weißt du, ich kann mit meiner Pfeife ein Segelschiff herbeizaubern. Schau her..." Der Magier nahm einen Zug und nestelte an seiner Pfeife herum. Ich wartete gebannt auf die Darbietung, als mit einem mechanischen Klicken eine kleine angekokelte Stoffflagge aus dem Pfeifenkopf emporschoss, auf der ein Segelschiff aufgemalt war. Glühender Tabak verteilte sich auf dem Tisch, und der Magier klopfte sich fluchend Bart und Umhang ab.

"Das vergesse ich doch immer wieder. So ein Mist. Du siehst, auch Maaahgier werden älter, Junge!"

Ich trommelte mit den Fingern auf dem Tisch. Magier hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt.

"Noch einen Wein für meinen Freund und mich, Schwachkopf!" rief der Alte in Richtung Theke. Der Wirt nickte und brachte kurze Zeit später zwei weitere Gläser an unseren Tisch.

"Der beste, den ich Euch bieten kann, Herr", murmelte er und verschwand wieder in den Rauchschwaden. Ich war mir sicher, dass er hier gelegentlich lüften würde, wenn man die Fenster noch finden könnte.

"Ein Maaahgier weiß, wann er seine Kräfte besser schont, Jungchen. Ich weiß, was du von mir denkst. Vielleicht hast du sogar Recht." Der Alte leerte sein Glas in einem Zug. "Wie heißt du eigentlich?"

"Ich nenne mich Scripio, werter Herr Magier. Wie nennt man euch?" entgegnete ich. Der Alte schien kurz zu überlegen, bevor er mir antwortete.

"'Was zum...?' und 'Oh nein!' höre ich ziemlich oft. Du aber kannst dir diesen Namen merken: Alfons von Stahl." Der Blick des Magiers strahlte einen gewissen Triumph aus, den ich erst kurz später verstehen sollte.

"Das ist ja unglaublich, Jungchen! Sieh dir das an!" sagte er und zeigte hinter mich. Ich drehte mich um. Als ich nichts sah außer der in ihre angetrunkenen Gespräche vertieften Dorfbewohner, dämmerte es mir. Ich drehte mich wieder zurück, und der Alte war verschwunden.

"So, Zeit zum Kassieren", hörte ich den Wirt neben mir sagen. "Macht zwei Dukaten und äh... zwölfzig."

Großartig. Ich hatte mich von einem alten Mann an der Nase herumführen lassen und war mit einem Schlag meine Reisekasse losgeworden. Von draußen hörte ich ein heiseres Kichern, gefolgt von einem "Ach, verdammt!" Mein Blick fiel auf den Stab, der noch immer an der Wand lehnte. Der Wirt strich hastig meine Münzen zusammen, während ich aufstand und den Stab an mich nahm.

Dies würde nicht meine letzte Begegnung mit Alfons von Stahl gewesen sein.

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*Was angesichts der Umwelt ein mehr als verständliches Verhalten ist.

Beam me up, Scotty!

Ich weise eigentlich ungern auf bekannte Dinge hin, seien es Musik, Bücher, Filme, Webseiten, Comics, Blogs...

Aber heute muss ich eine Ausnahme machen. Diese Ausnahme gilt Scott Adams, geistiger Vater und Zeichner der kongenialen Dilbert-Comics. Zugegeben, wer nicht als Raketenwissenschaftler oder in einem anderen Bürojob arbeitet, dem mag sich der Humor nicht ganz erschließen.



Allen anderen mögen die sehr arbeitslebensnahen Cartoons ein Retter für den Tag sein. Der Herr Adams zeichnet jedoch nicht nur Comics, sondern schreibt auch an seinem eigenen Blog. Für diejenigen, die der englischen Sprache mächtig sind, kann ich ein Probelesen nur empfehlen, denn was er schreibt ist witzig, intelligent und nicht selten filosofisch*.

Seine Begründung, warum er überhaupt bloggt, trifft in meinen Augen sehr genau einen der Kernpunkte des Bloggerdaseins.

"The part I like the most is the comments. I like the smart comments because they make me think. I like the dumb ones because they fascinate me and make me feel smart at the same time. I like the funny comments because they make me laugh. And the whole process makes me feel connected to something larger than myself."

Auch wenn Scott Adams auf Grund seines hohen Bekanntheitsgrades ein paar mehr Kommentare zu seinen Posts bekommt als der Durchschnittsblogger**, so finde ich mich in dieser Aussage durchaus wieder. Keine Ahnung, wie ihr anderen das seht, aber vielleicht wollt ihr es ja diskutieren.

Bei Scott. Oder hier.


Schönes Wochenende!
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*Einmal mehr ein "Hoch!" auf die Rechtschreibvergewaltigungreform.

**Der Durchschnittsblogger hat noch wesentlich mehr Leser als ich mit meinen drei vier. Für diese vier bin ich allerdings sehr dankbar und deswegen nicht weniger glücklich.