scheibster.de - Bekenntnisse eines Raketenwissenschaftlers
signalfeuer.

2007-01-30

Tabubruch

Ja, es ist wahr: Manchmal genieße ich es, die Wochendendiscozwangsherumspringerzeit hinter mir gelassen zu haben. Die "3" vor dem Komma gibt einfach eine prima Entschuldigung dafür her, und viele meiner Freunde und Bekannten scheinen eine ähnliche Erleichterung* zu spüren.

So kam es unter der Fahne von "Knut in der Minibar: Alles muss raus" vor kurzem zu einem sehr netten Spieleabend bei Leif und Anja in Braun Hochweisel**. Die Bar wurde zwar nicht leer, aber für Highlights beim Gesellschaftsspiel "Tabu" reichte es trotzdem. So wurde aus der "Coach" als Couch und der "Tornado" als Torpedo erklärt. Doch nicht genug, der Abend sah auch die Geburtsstunde der "Chlormelone".

Zudem musste Captain Stützbier eine Umgestaltung seiner Haarfrisur durch seine Freundin Nina über sich ergehen lassen, und das auch noch nachdem die Hobby-Stylistin vorher ausgiebig mit Bonzo geknuddelt hatte. Bonzo heißt eigentlich Luna und ist Anjas Hündin. Luna ist ein sehr ruhiger, recht großer Hund mit leichtem Sabberproblem. Wahrscheinlich hat die neue Frisur deswegen so gut gehalten.


Captain Stützbier neu frisiert beim lasziven Räkeln auf Kissen und Boden

Alles in allem kann ich euch nur empfehlen: Schnappt euch ein schönes Spiel und ein paar Menschen, die ihr magt, und habt eine Runde Spaß. Tut nämlich gut.

____________________
*Zugegeben, bei einigen wird diese Erleichterung vom Nachwuchs auch gleich wieder aufgefressen.

**Hochweisel weist angeblich eine erhöhte Konzentration politisch rechtsgesinnter Mitbürger auf. Leif und Anja sind aber so unpolitisch, dass ich ausschließen kann, dass sie deswegen und nicht wegen der schönen, günstigen Wohnung dort hingezogen sind. Zudem dementiert der Ortsverband des BDM vehement, dass es in dem kleinen Dorf rechstradikale Tendenzen gäbe.

2007-01-29

Ist hier nicht gegeben

"Tut mir leid", sagte der Beamte mit der Helmut Kohl-Gedenkbrille und dem Kranz aus Resthaar zu dem seinem Gegenüber und gab ihm ein Blatt Papier zurück. "Eine Gemeinnützigkeit ist hier nicht gegeben."

Das ohnehin blasse Gesicht seines dünnen, rund fünfzig Jahre alten Gegenübers wurde aschfahl. Hans-Anton Kleinfeld spitzte die Lippen und drückte die Worte nervös zwischen den nikotingelben Schneidezähnen heraus.

"Das können Sie mir nicht antun! Ich habe einflussreiche Freunde im Gartenbauverein. Und Ihre Frau Waltraud singt doch immer mit den 'Pfeifenden Bachstelzen' auf dem Sommerfest."

Der Beamte, durch sein Türschild eindeutig als Enno Mullmann-Liedlich zu erkennen und für das örtliche Vereinswesen zuständig, lehnte sich zurück. Sein Hemd spannte dabei etwas und musste schnell die Abwesenheit von Deo erkennen, als Herr Mullmann-Liedlich seine Brille zurecht schob und die Arme hinter dem Kopf verschränkte.

"Und was, Herr Kleinfeld, soll an ihrem Verein 'Feinde des Dsungarischen Zwerghamsters' gemeinnützig sein?"

Das aschfahle Gesicht des Antragstellers wechselte schlagartig die Farbe, und zwar auf ampelrot und erinnerte dabei ein wenig an drei Tage alte Pommes rot-weiß.

"Das habe ich in meinem Schreiben ausreichend dargelegt. Die Biester essen meine Zwiebeln, das Sofa meines Schwagers und Herrn Bitterwegs Gartenlaube. Jemand muss sie aufhalten!"

"Sicher, sonst übernehmen sie die Weltherrschaft. Gut, dass sich jemand wie Sie darum kümmert, Herr Kleinfeld." Der kranzhaarige Beamte befeuchtete mit Sorgfalt einen historisch anmutenden Stempel und nahm Kleinfeld das Papier wieder aus der Hand. Dann ließ mit dem Donnern all seiner Amtsgewalt den Stempel darauf herniederfahren. Kleinfeld nahm mit großen Augen und zittrigen Fingern den Antrag entgegen.

"Abgelehnt? Herr Mullmann-Liedlich, Sie haben... abgelehnt?" Ungläubig starrte Kleinfeld auf das vernichtende Urteil auf seinem mit so viel Leidenschaft verfassten Schreiben.

"Hm", brummelte Mullmann-Liedlich, zuckte mit den Schultern und starrte sehnsüchtig auf seine Brotdose und dann auf die Uhr. "Ist schon zwölf, Herr Kleinfeld. Wir machen jetzt Mittag."
"Geben Sie mir noch eine Chance", zischte Kleinfeld, zauberte aus seinem karierten Jackett ein weiteres Schreiben hervor und legte es dem Beamten auf den Schreibtisch. Widerwillig nahm Mullmann-Liedlich das Formular entgegen und überflog es.

"Kleinfeld, das ist der gleiche Text wie bei dem ersten Antrag. Was soll das?" Der Beamte blickte den Möchtegern-Vorsitzenden der 'Feinde des Dsungarischen Zwerghamsters e.V.' durch die verschmierte Brille mit einer Mischung aus amtlicher Arroganz und Langeweile an.

"Schauen Sie, es ist nicht alles gleich!" Zittrige, gelbe Finger deuteten auf einige Stellen im Schreiben. "Es heißt nun: 'Verein für medizinisch notwendige und äußerst nützliche Experimente an Dsungarischen Zwerghamstern e.V.' Das ist der Unterschied."

"Ich mache jetzt Mittagspause, Kleinfeld", sagte der Beamte und nahm einen zweiten Stempel zur Hand. "Unter diesen Umständen: Genehmigt." Ein weiteres Donnern besiegelte den Akt. "Macht dann fünfzig Euro neunzig."

"Grüßen Sie Ihre Frau recht herzlich von mir, Enno." Alle drei Schritte einen kleinen Sprung machend, das gestempelte Formular in der Hand und fünfzig Euro neunzig ärmer verließ Kleinfeld die Amtsstube, um sich seiner neu gefundenen Lebensaufgabe zu widmen.

Pastanatomie

Passend zur immer noch aktuellen Sozialneiddebatte beschwerte sich soeben eine Dame im Aufzug, Steffi Graf brauche nur ihren Mund für Nudeln aufzumachen und sei schon um einhunderttausend Euro reicher. Wenn das mal genug wäre.


Frau Graf schafft für Nudeln.*

Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass das Geschäftsmodell nicht einfach übertragbar ist. In Hamburg z.B. gibt es viele Frauen, die für Nudeln den Mund aufmachen und bedeutend weniger Geld dafür bekommen. (Auch hier nachzulesen.)

Vielleicht liegt es daran, dass es sich dabei zumeist nicht um Nudeln von Barilla handelt, oder aber die falsche Pastasauce. Oder es scheitert an der Steuerehrlichkeit.
______________________
*Gefunden bei Spiesser Alfons auf horizont.net. Danke.

Pfundgrube

"Warum ist der Schweif so ferne, denn so nahe liegt er gut."

So sagte einst schon Goethe*, und es ist immer noch etwas Wahres dran. Als erstes Hilfsmittel gegen die Schreibblockade verwende ich die Suchbegriffe, mit denen man diesen mittlerweile beinahe verwaisten Sermon erreicht hat.


Top of the Suchbegriffpops


  • Dass "scheibster" auf Platz 1 liegt, ist nicht verwunderlich. Es zeigt aber, dass sich einige Leute die URL nicht merken können oder keine Bookmarks anlegen dürfen.
  • "killerspielspieler" auf Platz 2 liegt sicher an BND und Verfassungsschutz, die mich richtigerweise seit geraumer Zeit überwachen. Schlagt schon zu, ihr Mädchen!
  • "raketenstart sound" ist etwas, dass ich zwar täglich hören muss, aber noch nie aufgenommen habe. Ich sollte das mal tun und online stellen, damit die arme Sau, die das sucht, auch endlich hier mal fündig wird.
  • "ins wasser pullern" und "pullern strand mädchen" gehen dann schon in eine Richtung, die eine Vielzahl von Schlüssen über den Suchenden zulässt. Eine Anleitung wird wohl kaum gebraucht. Ich meine, wie einfach ist das denn: Ins Wasser rein und Wasser Marsch. Eher sind wohl Gleichgesinnte gefragt. Wofür gibt es in der degenerierten hochentwickelten westlichen Gesellschaft eigentlich keinen Fetisch?
  • "männerballett" bleibt da fast beim Thema. Aber ich schneide nur die Musik dafür... Captain Stützbier hingegen ist die Personifizierung des Begriffes. Doch dazu später mehr.
  • Herr Grob wäre sicher stolz, ich bin eher verwirrt: "feinde des dsungarischen zwerghamsters" hat auf mich verwiesen. Dabei habe ich gar nichts gegen die putzigen kleinen Nager. Vielleicht mag da jemand einen Verein gründen. "Feinde des Dsungarischen Zwerghamsters e.V." Oder so.

Sucht nur weiter, liebe Sucher, und außerdem ein Hoch auf Blogcounter! Ich widme mich jetzt wieder meiner Schreibblockade.
_____________________
*Ja, genau so. Alles andere sind Überlieferungsfehler und tun Johann Wolfgang von Frankfurt Unrecht.

Im Osten nichts Neues

Schreibbloggade.

So, jetzt ist es offiziell. Es ist Montag, alles grau, und selbst der Blick auf den auch als "Killermandscharo" bekannten Berg Altkönig ist durch Wolken und Beton versperrt. Wie in aller Welt soll ich da etwas schreiben können?

2007-01-09

Die gotische Kathedrale auf meiner Stirn (3)

Wer auch immer tiefenpsychologisch deuten kann, was mit mir los ist, wenn ständig

"Es rauschet die Mühle am bachenden Klapp..."*

zusammen mit der volkstümlichen Melodei dazu in meinem Kopfe herumschwirrt, kann sich damit meinen ewigen Dank verdienen.

___________________
*Und damit bin ich nur einen Schritt enfernt von "Es müllert die Klappe am bachenden Rausch." Hilfe.

2007-01-07

Aus dem Leben eines Raketenwissenschaftlers, Teil VIII

Neulich war ich in der Firma meiner Freundin*. Auch dort wird, wie in meinem Raketenlabor, sehr professionell gearbeitet.

Wenn dort jemand mehrere Wochen in Urlaub ist, werden selbstverständlich auch Anrufe entgegengenommen. Das macht auch Frau E., ihres Zeichens Praktikantin in der Firma meiner Freundin.

So schrieb Frau E. erst kürzlich folgende Notiz, die auf unten stehendem Foto leider nicht so toll zu entziffern ist:



"Hallo, Du hattest einen Anruf.
Nr. 067....
glaub ich

E."


Ich hatte auch das Vergnügen, Frau E. kennenzulernen. Offen zugegeben, das** hätte ich eigentlich nicht erwartet. Aber sie hat ja noch ihr ganzes Berufsleben vor sich, und es gibt wichtigere Dinge als Abwesenheitsnotizen. Außerdem ist ihr Kollege selbst schuld, wenn er so lange in Urlaub geht.

Und ich glaube, sie hat das absichtlich gemacht. Um dem Kollegen klar zu zeigen, dass es eine Frechheit ist, für mehr als eine Woche in Urlaub zu gehen. Recht hat sie.

___________________
*Die Firma gehört ihr nicht, sie arbeitet nur dort. Das reicht ja auch.

**Das da oben.

2007-01-05

Kreatives Hören

Gestern beim Abendessen zubereiten: Werbung für Alpecin läuft im Fernsehen und Hintergrund.

"Alpecin. Gegen Schuppen und Hirnausfall", höre ich.

Gäbe es dieses Wundermittel, würde ich es sofort kaufen und bestimmt auch ein paar Anwendungen verschenken. Leider fürchte ich, dass doch der Haarausfall gemeint war.

Ich kann es ja mal ausprobieren.

2007-01-02

aakmuzs

- 'aakmuzs'? Was soll das denn sein?

- Ich bin ein Wortbestätigungswort.

- Und was kannst du so?

- Ich kann Spammer fernhalten, aber keine Idioten. Ich kann nur von Menschenaugen gelesen werden und bin sehr unwahrscheinlich.

- Wie unwahrscheinlich?

- Ich bin Wortbestätigungswort, kein Mathematiklehrer. Und ich bin rot.

- Und irgendwie poetisch. 'aakmuzs'. Fast so schön wie 'cellar door'.

- Das ist nett von dir. Wenn du jetzt auf Return drückst, bin ich für immer verschwunden. Meine Existenz wird beendet sein, mein Zweck erfüllt. Ich würde weinen, aber ich habe leider keine Tränendrüsen.

- Dann schreibe ich etwas über dich, und es wird Menschen geben, die von dir lesen.

- Echt?

- Kein Scherz.