scheibster.de - Bekenntnisse eines Raketenwissenschaftlers
signalfeuer.

2006-09-30

Nicht vergessen

Letzte Nacht ist mein Großvater gestorben. Es ist schwer, in wenige Worte zu fassen, welche Bedeutung er für mich in den letzten dreißig Jahren hatte.

Ich bin sehr froh, dass es ihn in meinem Leben gegeben hat. Er hat einen Teil meines Weges bestimmt.

Noch vor wenigen Tagen hat er ein Gedicht zitiert, dass er bis ins hohe Alter nicht vergessen hatte. Ich möchte es hier zeigen, auf dass es nicht verloren geht.

Es handelt sich um "Des Sängers Fluch", eine Ballade, die Ludwig Uhland im 19. Jahrhundert verfasste.

Es stand in alten Zeiten ein Schloß, so hoch und hehr,
Weit glänzt es über die Lande bis an das blaue Meer,
Und rings von duft'gen Gärten ein blütenreicher Kranz,
Drin sprangen frische Brunnen in Regenbogenglanz.

Dort saß ein stolzer König, an Land und Siegen reich,
Er saß auf seinem Throne so finster und so bleich;
Denn was er sinnt, ist Schrecken, und was er blickt, ist Wut,
Und was er spricht, ist Geißel, und was er schreibt, ist Blut.

Einst zog nach diesem Schlosse ein edles Sängerpaar,
Der ein' in goldnen Locken, der andre grau von Haar;
Der Alte mit der Harfe, der saß auf schmuckem Roß,
Es schritt ihm frisch zur Seite der blühende Genoß.

Der Alte sprach zum Jungen: "Nun sei bereit, mein Sohn!
Denk unsrer tiefsten Lieder, stimm an den vollsten Ton!
Nimm alle Kraft zusammen, die Lust und auch den Schmerz!
Es gilt uns heut, zu rühren des Königs steinern Herz."

Schon stehn die beiden Sänger im hohen Säulensaal,
Und auf dem Throne sitzen der König und sein Gemahl,
Der König furchtbar prächtig wie blut'ger Nordlichtschein,
Die Königin süß und milde, als blickte Vollmond drein.

Da schlug der Greis die Saiten, er schlug sie wundervoll,
Daß reicher, immer reicher der Klang zum Ohre schwoll;
Dann strömte himmlisch helle des Jünglings Stimme vor,
Des Alten Sang dazwischen wie dumpfer Geisterchor.

Sie singen von Lenz und Liebe, von sel'ger goldner Zeit
Von Freiheit, Männerwürde, von Treu' und Heiligkeit,
Sie singen von allem Süßen, was Menschenbrust durchbebt,
Sie singen von allem Hohen, was Menschenherz erhebt.

Die Höflingsschar im Kreise verlernet jeden Spott,
Des Königs trotz'ge Krieger, sie beugen sich vor Gott;
Die Königin, zerflossen in Wehmut und in Lust,
Sie wirft den Sängern nieder die Rose von ihrer Brust.

"Ihr habt mein Volk verführet; verlockt ihr nun mein Weib?"
Der König schreit es wütend, er bebt am ganzen Leib;
Er wirft sein Schwert, das blitzend des Jünglings Brust durchdringt.
Draus statt der goldnen Lieder ein Blutstrahl hoch aufspringt.

Und wie vom Sturm zerstoben ist all der Hörer Schwarm.
Der Jüngling hat verröchelt in seines Meisters Arm;
Der schlägt um ihn den Mantel und setzt ihn auf das Roß,
Er bind't ihn aufrecht feste, verläßt mit ihm das Schloß.

Doch vor dem hohen Thore, da hält der Sängergreis,
Da faßt er seine Harfe, sie, aller Harfen Preis,
An einer Marmorsäule, da hat er sie zerschellt;
Dann ruft er, daß es schaurig durch Schloß und Gärten gellt:

"Weh euch, ihr stolzen Hallen! Nie töne süßer Klang
Durch eure Räume wieder, nie Saite noch Gesang,
Nein, Seufzer nur und Stöhnen und scheuer Sklavenschritt,
Bis euch zu Schutt und Moder der Rachegeist zertritt!

Weh euch, ihr duft'gen Gärten im holden Maienlicht!
Euch zeig' ich dieses Toten entstelltes Angesicht,
Daß ihr darob verdorret, daß jeder Quell versiegt,
Daß ihr in künft'gen Tagen versteint, verödet liegt.

Weh dir, verruchter Mörder! du Fluch des Sängertums!
Umsonst sei all dein Ringen nach Kränzen blut'gen Ruhms!
Dein Name sei vergessen, in ew'ge Nacht getaucht,
Sei wie ein letztes Röcheln in leere Luft verhaucht!"

Der Alte hat's gerufen, der Himmel hat's gehört,
Die Mauern liegen nieder, die Hallen sind zerstört;
Noch eine hohe Säule zeugt von verschwundner Pracht;
Auch diese, schon geborsten, kann stürzen über Nacht.

Und rings statt duft'ger Gärten ein ödes Heideland,
Kein Baum verstreuet Schatten, kein Quell durchdringt den Sand,
Des Königs Namen meldet kein Lied, kein Heldenbuch;
Versunken und vergessen! das ist des Sängers Fluch!

2006-09-28

Kidnapping Eugen (Totti Special)

Aristoteles saß auf der Steinbank und sinnierte, als Rakel von Elfis Imbissbude zurückkehrte.

"Mensch, Totti", sagte Rakel zum größten Philosophen aller Zeiten.* "Worüber denkst du jetzt schon wieder nach?"

Rakel setzte sich, reichte Aristoteles eine Flasche Bier und machte sich schmatzend über die soeben besorgte Currywurst her.

"Über Eidos, mein lieber Rakel." Aristoteles nahm einen Schluck Bier und beobachtete, wie sich die Sonnenstrahlen im Glas brachen.

"Ah, das, ja", sagte Rakel und gönnte sich ebenfalls einen Schluck. "Ich habe Damokles bei Elfi getroffen. War da, um Bier zu holen. Mann, der hat ganz schön nach Ouzo gestunken. Aber ein schönes neues Schwert hat er."

"Und es schwebt immer noch über seinem Nacken?" fragte Aristoteles und blinzelte.

"Ja", erwiderte Rakel. "Erinnerst du dich? Ich hatte vorhergesagt, dass Elfi heute mittag Lamm und Schildkröte aus dem Eisentopf als Tagesempfehlung haben würde."

"Ja", sagte Aristoteles, ohne seinen Blick von der Bierflasche abzuwenden.

"Totti, rate, was sie angeboten hat." Rakel rutschte unruhig auf der Steinbank hin und her.

"Currywurst, wie immer?" riet Aristoteles, und Totti sprang von der Bank auf.

"Ja! Richtig! Aber ich habe ihr die Sache mit dem Lamm und der Schildkröte vorgeschlagen, und sie sagte, sie würde darüber nachdenken!" Rakel stützte triumphierend seine Hände auf die Hüften. "Eine selbsterfüllende Prophezeihung, Totti! Ich werde noch ganz groß herauskommen!"

"Selbsterfüllt, mein lieber Rakel", sagte Aristoteles leicht geistesabewesend. "Und auch ich bin mir sicher, dass dein Name einst in aller Munde sein wird: Das Rakel von Elfi."

"Der. Der Rakel." Rakel setzte sich und verschränkte die Arme vor der Brust. "Und morgen laden wir uns bei Krösus zum Mittagessen ein!"

"Ach, Rakel", seufzte Aristoteles.

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*Hätte er das mal zu jener Zeit bereits gewusst.

2006-09-20

Ein Bett im Dornfeld (2)

Die Musikschneiderei nimmt schier kein Ende, ganz im Gegensatz zu den Rotweinbeständen zuhause. Wie gut, dass ich derzeit trocken bin, noch trockener als der servierte Dornfelder, sozusagen.

Wenigstens nimmt das Ganze lustige Farben und Wortgestalt an.


Rotweinblaue Zunge einer unbekannten jungen Dame

Die schönsten Zitate:

K: Weiter rein!
Ich: Weiter rein?
T: Noch weiter rein?
K: Er soll's doch nur probieren!

...und kurze Zeit später...

T: Zu weit drin. Definitiv!
K: Ich find's toll, wenn die Leute das schon von hinten hören.


Und nicht vergessen: Es wurde Musik geschnitten. Ein Schelm, der Böses dabei denkt!

Der Krieg der Magier (4)

Bereits heut morgen erreichte mich aus der Friedrichsdorfer Raketenleitzentrale eine Nachricht, die das wieder aufgeflammte Duell weiter anheizen sollte.

Der Leif schreibt:

"Meister der Gravitation

Durch tägliches Training und eine optimale Durchblutung des Oberkörpers ist es möglich, die Gravitation für einen kurzen Moment aufzuheben. Die Zauberkünstler aus Friedrichsdorf zeigen auf eindrucksvolle Weise zu welchen Leistungen der menschliche Körper in Extremsituationen in der Lage ist.

Durch pfeilschnelles Abwinkeln des Oberkörpers kann eine auf der Stirn balancierte Flasche der Erdanziehung trotzen..."


Magneto der Zukunft: Der Leif kann Wasser magnetisieren.

Was wird uns als nächstes erwarten? Mit Gedankenkraft zersägte Jungfrauen? Telekinetisch bewegte Raketen? Ich bin sehr gespannt.

Der Krieg der Magier (3)

Lange habt ihr warten müssen, doch der Krieg der Magier geht weiter.

Mein magisch begabter Raketenwissenschaftlerkollege, der Herr Schmidt, schafft es mittlerweile, kraft seiner Gedanken Wasser zum Kochen zu bringen!

Ich habe ohne sein Wissen einen seiner Versuche dokumentieren können. Das war noch anfangs, als der Kontakt des Wassers zu seiner Stirn noch nötig war.


Herr Schmidt erhitzt durch schiere Konzentration Wasser bis zum Siedepunkt

Das nächste Mal hat Herr Schmidt keine Plastikflaschen mehr genommen, sondern einen Kochtopf. Wegen der hässlichen Flecken auf dem Laborteppich.

Und wer jetzt behauptet, Herr Schmidt hätte die Wasserflasche nur zirkusreif auf seiner Stirn balanciert, der ist ein alter Spielverderber.

2006-09-17

Aus dem Urlaub eines Raketenwissenschaftlers, Teil I

Ja, ich war im Urlaub. Zusammen mit meiner Freundin. Nach Cala D'Or auf Mallorca hat es uns verschlagen, wo eine Minderheit nicht-britischer (d.h. vornehmlich deutscher) Urlauber gegen die Insel-Besatzung von der (anderen) Insel kämpft.

Aber am besten fange ich von vorne an.


Rucksack, Taschen, FüßeTakeoff
Der Hinweg hatte ein paar kleine Stolpersteine zu bieten. Zunächst verabschiedete sich das Beauty Case meiner Freundin, genauer gesagt sein Henkel. Wer schön sein will, muss leiden. Tragen ließ es sich noch, war aber nicht wirklich gemütlich.

Kurz vorm Boarding fiel der Fluggesellschaft auf, dass zwar das Flugzeug bereit war, aber leider keine Mannschaft da war. Die war noch woanders unterwegs. Angebote unsererseits, als Pilot und Stewardess zu fungieren, wurden freundlich, aber bestimmt abgelehnt.

Nicht einmal mein Hinweis, dass ich beruflich in Raketen unterwegs bin, konnte die nette Dame am Schalter umstimmen.

Vielleicht hätte ich das mit der unflexiblen, blöden Kuh weglassen sollen.

Der Flug selbst verlief unspektakulär. Der übliche Touri-Bomber-Style: Ihr belegtes Brötchen, ihr Getränk, danke, dass sie mit uns geflogen sind und danke, dass sie sich vom Cockpit ferngehalten haben.

Der Bus zum Hotel war zunächst unauffindbar. Hatte sich hinter einem größeren versteckt. Wir mussten auch erst eine Tour über die Insel über uns ergehen lassen, weil auch noch andere Menschen in Hotels in anderen Orten wollten.

Ich bin mir allerdings sicher, dass ein Teil der schier unendlich anmutenden Reisezeit auf den chaotischen Busfahrer zurückzuführen war, der es einmal sogar schaffte, vor einem Friedhof zu halten. Falsche Ausfahrt am Kreisel. Da wäre es bestimmt ruhiger gewesen als vor und in unserem Hotel, doch dazu mehr in Teil II.

Um 02:00 hatten wir es letztlich auf unser Zimmer geschafft, dank oder trotz des Leverkusener Portiers (der auch mal Koch war und in seinem Leben dem ein oder anderen schon damit gedroht hatte, ihm auf die Fresse zu hauen, und ich bin mir sicher, dass auch Hotelgäste darunter waren).

Brunchstifter

Heute war Brunch in meiner alten Schule. Ist immer wieder spaßig, die alten Räumlichkeiten zu betreten, die mir einst so viel Respekt einflößten und den ehemaligen Lehrern, bei denen das mit dem Respekt teilweise ähnlich war, ein Wasser und ein Steak abzukaufen.

Und wenn man geht, ist man eigentlich ganz froh, dass man freiwillig da war, und nun wieder ein Jahr Pause hat.


Captain Stützbier und andere Größen im Treppenhaus zur Dachterrasse

2006-09-16

Scheibster Returns

Ich bin wieder zurück und werde sogleich für alles Mögliche eingespannt. Zum Beispiel zum Musik Schneiden für das Showballett des Karnevalvereins, für den ich das hin und wieder mache.

Unglaublich, aber wahr: Es ist echt harte Arbeit. Die Karnevalistinnen, mit denen ich dabei zusammenarbeite, haben jahrelange Karnevalserfahrung und wissen daher, wie man sich Arbeit versüßen kann.

Frau K. und Frau D. bei harter Arbeit

Ich taste mich nun langsam wieder in die Blogwelt hinein. Es gibt viel aufzuholen, und ab Montag muss ich zurück ins Raketenlabor.

Grumpf.

Oh, und bevor ich es vergesse: Lieben Dank für die ganzen "Schönen Urlaub"-Wünsche!

2006-09-02

And now for something completely different

Mitte September bin ich wieder da. Bis dahin werde ich mich mit meiner Freundin bei Sonne und Strand ein wenig von der ganzen Raketenforscherei erholen.

Bleibt sauber!