scheibster.de - Bekenntnisse eines Raketenwissenschaftlers
signalfeuer.

2006-07-31

Wie sie fallen

Man muss die Feste feiern, wie sie fallen, heißt es. Darum feierten Jan und ich am Wochenende unseren 60. Sozusagen. Jan kenne ich mittlerweile seit zwanzig Jahren, und es war einfach an der Zeit, dass wir überhaupt und sechzig Jahre geballte Lebenserfahrung zusammen feiern.

Das Ergebnis unserer Planungsmühen war eine sehr schöne Party mit vielen alten und neuen Freunden. Allen, die dabei waren, gebührt mein Dank für die mitgebrachte gute Laune. Die hat immerhin dazu geführt, dass ich erst um 5:30 Uhr am gestrigen Morgen ins Bett fallen konnte und mir deshalb heute Urlaub wünsche. Mehr als sonst.

Keinen Dank gebührt dem doofen Taxi-Fahrer, der unsere (leicht zu findende) Gaststätte nicht fand, seiner Zentrale gegenüber das aber nicht zugeben konnte. Besonderer Dank gebührt der Gaststätten-Angestellten, die meine Freundin und mich dann nach Hause gebracht hat.

Als Schmankerl gibt es einen Schnappschuss eines feiernden Raketenwissenschaftlers...

...enter night..."Exit light..."

Blackbox Jukebox (2)

Manchmal, wenn der Klapsenschaffner und ich aufeinandertreffen, gibt es so etwas wie eine kreative Kernfusion unserer Gedanken. Sehr oft fusioniert dabei ausgemachter Blödsinn. Ein literarischer Kreis wird vermutlich nie aus uns werden, aber zum "Katastrofal* Komödiantischen Kaffeekränzchen (mit Rotwein)" wird es allemal reichen.

Der Herr Grob hat mit seinem Urlaubskurzbericht mir ein Geschöpf wieder vor Augen geführt, dass die Stunde seiner Geburt schon vor einigen Jahren hatte. Wenigstens zwischen dem Klapsenschaffner und mir ist er zum Klassiker avanciert und hat deswegen einen Beitrag an dieser Stelle verdient.

Es handelt sich dabei um ein Gegenkonzept zu der Fernsehserie "Flipper". Unsere Serie sollte sich um Ripper, den bösartigen Bruder von Flipper drehen.

"Mama, warum trägt der Delfin dort eine Augenklappe?"

"Mama, Mama, warum grinst der Delfin so böse?"

Ripper, der fiese Delfin
"Mama, Mama, Mama, der Delfin hat mir einen Arm abgebissen!"


All das wären die Schlagworte für seine blutigen, hinterhältigen Auftritte gewesen. Und man hätte singen können.

"Ripper, Ripper, Feind aller Kinder! Jeder kennt ihn, den fiesen Delfin!"

Oder, wie der Herr Grob schrieb: "They call him Ripper, Ripper, faster than lightning! No one you see, is fieser than he!"

Und wer jetzt behauptet, Ripper sei doof und langweilig, dem sei gesagt, dass ich für diesen Post sogar Haue von meiner Freundin riskiere. Die mag Delfine nämlich und kann ganz schön feste zutreten.

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*Oder was sagen die Rechtschreib-Reformanten dazu?

2006-07-28

Der Wahrheit ins Gesicht

Ich bin in letzter Zeit ziemlich unpolitisch geworden. Das ist auch o.k., schließlich ist dies hier ein erklärtermaßen unpolitischer Blog.

Es gibt viele vergessene Kriege auf dieser Welt. Weil es keine Einschaltquoten bringt, immer wieder über das Gleiche zu berichten, geraten sie in Vergessenheit - und bleiben es zumeist. Traurig, aber wahr: Die Medien sind ein großer Teil unseres Bewusstseins, Wissens und Gewissens geworden. Oder wenigstens besitzen sie immensen Einfluss darauf. (Stelle dir vor, es ist Krieg und der Fernseher geht kaputt.)

Derzeit ist ein Konflikt wieder in den Vordergrund gerückt, der schon lange existiert und Menschenleben fordert. Um das aktuelle Geschehen halbwegs zu verstehen, muss man die Geschichte kennen. Die momentane Eskalation jedoch lässt mich einmal mehr am menschlichen Verstand zweifeln.


(c) DPA

Wie in aller Welt können Menschen glauben, dass sie sich Sicherheit verschaffen können, indem sie in einen souveränen Staat einmarschieren, dessen Infrastruktur zerstören und Zivilbevölkerung töten? Wer glaubt ernsthaft, mit einer Armee eine verdeckt operierende terroristische Organisation zerschlagen zu können? Werde ich denjenigen, der den Terroristen in meinem Nachbarhaus erschießt, lieben oder hassen, wenn er gleichzeitig auch meine Kinder ermordet?

Der Krieg Israels gegen den Libanon und die Palästinenser im Süden wird im Moment zur Genüge diskutiert, ich muss das nicht auch noch tun. Deswegen stelle ich nur diese von der Komplexität des weltpolitischen Geschehens entrückten Fragen.

Nicht, dass ich ernsthaft Antworten erwarte. Nicht von denen, die es ändern könnten.

"Töte einen, und du bist ein Mörder. Töte hundert, und du bist ein Psychopath. Töte tausend, und du bist ein Held!"

2006-07-25

Kidnapping Eugen (3)

Eugen schaute verwirrt. Gerade eben hatte dieser fiese Hüne, der sich Captain Grimm nannte, Manni aus der Zukunft eine verpasst.

„Du bist wirklich der größte Depp, der mir je über den Weg gelaufen ist“, hatte der martialisch wirkende Grimm gesagt, als ein zweiter Manni aus einer Luke* in der Wand erschienen war. Mit einem geröteten Kinn.

Noch mehr Trockeneis war dampfend zu Boden gefallen.

"Sind Sie Captain Grimm?"

"Zur Hölle, ja!" hatte der nicht wenig erstaunte Captain gesagt.

"Ein Anruf von Ihrer Mutter. Sie haben wohl vor der Zeitreise vergessen, Ihren Herd auszuschalten. Ihre Mutter sagt, sie sollen sich das Chaos jetzt anschauen, damit Sie wissen, warum Sie am besten gleich zurückkommen und das in Ordnung bringen. Aber zack, zack. Sie ungezogener Bengel, Sie."

Ein Knurren war gefolgt, begleitet vom Klicken einer dann entsicherten Beretta.

"So sagte es Ihre Mutter! Entspannen Sie sich, Herr Grimm! Und stecken Sie bloß die Kanone weg", hatte ein sichtlich nervöser Manni entgegnet. Der, der zuvor aus der Luke gekommen war, natürlich. Der andere hatte noch immer bewusstlos am Boden gelegen.

Einige Flüche brummend hatte sich Captain Grimm daraufhin verabschiedet.

"Wie in aller Welt hast Du das gemacht, Manni?" Eugen war verwundert und hatte Hunger. Mehr noch als Hunger hatte er Durst.

"Die Jungs haben immer ihre Schwachstellen. Und Zeitreisen kannst Du für echt tolle Tricks verwenden. Komm' jetzt, wir müssen eine Zeitreise unternehmen, damit wir nicht in einem Paradoxon gefangen werden. Geht ganz fix." Manni öffnete die Luke und stieg hinein, Eugen hinter sich her ziehend.

"Ist Paradoxon ein Gefängnis in Griechenland?" fragte Eugen. "Nach Griechenland wollte ich ja immer schon. Können wir nicht wenigstens griechisch Essen gehen?"

"Eugen, kannst Du für einen Moment die Klappe halten? Ich vertippe mich sonst", sagte Manni aus der Zukunft und hantierte mit einigen flinken Bewegungen an einer Konsole mit vielen bunt leuchtenden Knöpfen.

"Ach, verdammt!" entfuhr es Manni, als die Lukentür wieder aufschlug und beiden die Sonne ins Gesicht schien.

"Hey Manni, ich frage die beiden Alten da drüben mal, ob sie was zum Futtern für uns haben." Eugen stapfte aus der Luke zu zwei älteren Herren, die auf einer Steinbank saßen und die beiden Besucher neugierig anstarrten.

"Mahlzeit, Jungs! Könnt ihr mir sagen, wo ich hier auf die Schnelle zu 'nem kühlen Bier und 'ner Currywurst für meinen Freund und mich komme?"

"Du bist Eugen, nicht wahr?" sagte einer der Alten. "Setz' Dich, mein Freund. Ich bin Aristoteles. Die meisten nennen mich Totti. Das neben mir ist Rakel."

"Ich bin das Rakel von Elfi!" sagte der andere Alte.

"Na, du hast ja echt 'nen Schuss", sagte Eugen zu dem Rakel, seine Verwirrung langsam als Dauerzustand akzeptierend. "Was ist denn ein Rakel?"

"Ich weissage. Ich kenne die Zukunft!" sagte Rakel und klopfte sich stolz auf die Brust, während Totti die Augen verdrehte.

"Das Rakel von Elfi?" fragte Eugen und suchte in der sengenden Hitze nach einer Imbissbude.

"Jawohl. Ich bin sozusagen noch in Ausbildung. Wenn ich es schaffe, etwas wirklich Dramatisches vorherzusagen, wenn die Leute voller Ehrfurcht 'Oh!' ausrufen, dann habe ich es geschafft."

"Dann bist du ein Oh-Rakel?" Eugen gab die Hoffnung auf einen schnellen Happen auf. Außer Steinsäulen, viel Sonne und den beiden Verrückten schien es hier nichts zu geben.

"Genau!" rief das Rakel freudestrahlend. "Darf ich dir etwas über deine Zukunft erzählen, Eugen? Warte - ich sehe... Ich sehe..." Das Rakel schien ein wenig in sich gekehrt und nahm seine Zeigefinger erst an seine Schläfen, steckte dann den rechten in seine Nase und den linken in sein rechtes Ohr. Schließlich warf er sich mit einem Ruck auf den Boden, schrie mehrmals "Agaaah, agaaah!" und blieb regungslos liegen. Totti trommelte mit seinen Fingern auf der Steinbank, während das Rakel sich langsam wieder aufrichtete und bedeutungsschwanger sein Wort an Eugen richtete.

"Du wirst Besuch bekommen von einem großen Krieger, aber nur kurz. Ein Freund wird seines Freundes Hammer verlieren und ein Omogone** sein Raumschiff."

"Aha", sagte Eugen. Das Rakel blickte verzweifelt erst Eugen, dann Totti an.

"Mist! Mist, Mist, Mist, Mist, Mist! Ich habe mir solche Mühe gegeben. Und was passiert? 'Aha.' Hast du eine Ahnung, wieviel Aha-Rakel es in Athen gibt, hm? Man kann die verdammten Straßen mit Ihnen pflastern!" Das Rakel setzte sich auf die Bank und drehte Eugen den Rücken zu. Manni trat neben Eugen.

"Ah, Manni aus der Zukunft! Sei gegrüßt!" sagte Totti mit einem spitzbübischen Grinsen. "Wieder mal vertippt?"

"Frag' nicht. Bitte." Manni scharrte verlegen mit den Füßen. "Das Gremium wird es richten müssen, das ist das, was mich wirklich ärgert. Nun, das und die Sache mit meinem Kinn."

"Was ist mit deinem Kinn?" fragte Totti.

"Das erkläre ich dir ein anderes Mal. Komm Eugen, es ist Zeit zu gehen." Manni zog Eugen an der Schulter Richtung Luke***.

"Und was machst du den ganzen Tag hier?" fragte Eugen mit Blick in Tottis Richtung.

"Ich denke", sagte Totti.

"Das ist alles? Denken?" schrie Eugen, als die Klappe zufiel.

"Ja, das ist alles", dachte Totti.

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Manni kam langsam zu sich und rieb sich sein Kinn. Dieser Grimm hatte ihm einfach Eugen entführt. Und ihn übel ins Gesicht gehauen.

Manni blieb nichts anderes übrig, als in die Zeitreisentrickkiste zu greifen.

"Ach, Eugen", seufzte Manni aus der Zukunft.

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"Was ich dir noch sagen wollte: Oh!" sagte Totti.

"Zu spät", murmelte das Rakel und schritt von dannen. "Ich gehe jetzt zu Elfi und hole uns Currywurst und 'n Bier."

"Ach, Rakel", seufzte Totti.


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*Sparen Sie sich die Star Wars-Witze. Bitte. Wenigstens der Grammatik zuliebe.

** Lesen Sie es nach. Es lohnt sich.

*** Und es ist noch immer nicht der junge Skywalker.

Nicht heißen

Hach, was wäre das toll. Mal wieder einen nicht heißen Tag erleben. Nicht, dass es in meinem Raketenlabor heiß wäre, das ist ja bekannt. Aber sehr wohl in den Zügen, die mich dort hinbringen. Mich und die vielen anderen Menschen.

Menschen, von denen immer einer zuviel sein Deo vergisst. Ich muss eindeutig Chef-Raktenwissenschaftler werden, damit ich eine eigene Rakete mit Chauffeur bekomme. Dem schenke ich dann einen Deostift zum Geburtstag und alles wird gut. Mit den Menschen in den Zügen kann man so etwas leider nicht machen. Die reagieren immer so unentspannt.

Und nur so nebenbei: Ein Mensch, der eines unserer Raketenforschungs-IT-Systeme supportet, hatte entweder Eltern mit einem sehr schrägen Humor oder einfach Pech. Er hat einen Namen, der seinen besonderen Charme entfaltet, wenn man ihn englisch ausspricht. Was bei uns Raketenwissenschaftlern öfter vorkommt.

Der Mensch heißt Anil Butti.

So möchte ich nicht heißen. Ehrlich nicht.

2006-07-17

Aus dem Leben eines Raketenwissenschaftlers, Teil IV

Als Laie mag man meinen, die größte Gefahr für einen Raketenwissenschaftler gehe von den Raketen selbst aus. Das ganze Feuer beim Start, Raketen, die einem auf den Kopf fallen, weil sie nicht richtig geflogen sind - doch das ist nur ein kleiner Teil der gesamten Bandbreite an Unwegsamkeiten, denen sich ein Raketenwissenschaftler stellen muss.

Die ultimativen Top Five der Gefahren sind nämlich einige, die keiner auf den ersten Blick erwartet:

Platz 5: Startende Raketen und schlecht gestartete Raketen
Ja. Die haben Sie alle erwartet. Nicht ganz zu Unrecht. So eine Rakete auf den Schädel kann ganz schön fies weh tun.

Platz 4: Schlechtes Kantinenessen
Es sterben jährlich mehr Raketenwissenschaftler an Nahrungsmittelvergiftungen als an dem Antriebsstrahl einer startenden Rakete. Ja, die meisten von uns zittern mehr, wenn es auf Mittag zugeht, als wenn die Bilder der Challenger über den Bildschirm flackern.

Platz 3: Herunterfallende Tassen von misslungenen magischen Experimenten.
Im Gegensatz zu Raketen ist noch kein Zauberer vom Himmel gefallen. Ich kann schon gar nicht mehr zählen, wie oft mir der Herr Schmidt mit der Kaffeetasse vom Herrn Jamaleddine einen Fußzeh gebrochen hat, bis er so weit war, wie er es heute ist.

Platz 2: Schneidendes Kopier- und Druckerpapier
Jawohl, die ganzen Blaupausen, die wir anfertigen, müssen auch vervielfältigt werden. Haben Sie sich schon einmal an Papier geschnitten? Dachte ich mir. Aua.


Womit ich bei der wirklich, wirklich unerwarteten Nummer Eins, der Gefahren der Gefahren wäre...


Platz 1: Der Spalt zwischen Raute(#)- und Return-Taste
Damit rechnen tatsächlich die wenigsten. Aber wer zu hastig seine Raketenpläne und Flugbahnberechnungen eintippt, der riskiert unnötig seine Gesundheit.

Böses Erwachen nach üblem Tastatur-UnfallUnachtsamer Umgang mit PC-Tastaturen sind unter Raketenwissenschaftlern die Ursache der Ursachen für Fingeramputationen - oder Schlimmeres.

Für uns gilt deshalb ein besonderers Vorsichtsgebot. Um dem Problem Herr zu werden, wurden einst Fäustlinge als Pflichtbekleidung bei der Arbeit eingeführt. Das wurde 1986 eilig wieder verworfen, doch die Mahnung bleibt: "Bist du wieder hektisch drauf, pass' auf deinen Finger auf!"

In allen Gängen erinnern uns Plakate wie dieses daran, mit welchem Einsatz wir tagtäglich der Menschheit dienen:

Hier lauert übelste Gefahr!
Mich erfüllt jeder neuer Tag, an dem ich mein Labor mit gesunden Fingern verlasse, mit Stolz!

Werbung

Warum gibt es Werbung mitten im Film?

Ist doch klar: Damit man den Quark wieder in den Kühlschrank stellen kann.

Und nur ganz nebenbei: Ernest Hemingway wollte "Der alte Mann und das Meer" zunächst "Der alte Mann und das Fahrrad" nennen. Kurz darauf kam er dann zu "Der alte Mann und die kaputte Schwimmbrille", und daraus ergab sich schließlich der eigentliche Titel. Weil der alte Mann seine kaputte Schwimmbrille nämlich im Meer verloren hat. Auf der Suche nach seinem Fahrrad.

2006-07-14

Gestern

Das (T)Raumschiff war gestern. Es gibt etwas, was dem Lichtjahre voraus ist. Ehrlich.

Es steht beim Herrn Grob. Schaut es euch an, wenn ihr es noch nicht getan habt.

Und nein, entgegen vieler Behauptungen hat der Herr Grob für diese Werbung nichts bezahlt.

2006-07-13

Und will endlich

Die Hitze ist immer noch da. Derzeit kann man sie besonders gut spüren, weil es auch noch so hübsch schwül ist.

Kein Wunder, dass mir immer noch nix Ordentliches einfällt. Darum bleibt es bei kleinen Dingen, den Alltag derzeit zu beschreiben.


Herr Schulz träumt und sieht
Sich an Frau Meier labend
Dort ist ein Pferd
Durch einen Weiher trabend
Am Bordstein steht ne Frau
Keinen Freier habend
Daneben sitzt ein Hund
An seinen Eiern nagend
Die Klimaanlage brüllt
Auf Stufe drei versagend
Die Sonne sengt
Gar einen Geier plagend
Käfer sitzen auf Blumen
Einen flotten Dreier wagend
Die Kinder stehen dabei
Ganz laut "Oweia!" sagend
Du bist tapfer
Meine Blödelei ertragend
Ich sitze hier und warte
Und will endlich Feierabend


2006-07-06

Hitzefrei

Das Sommerwetter und meine Karnevalmusikschneidesessions hinterlassen offenbar ihre Spuren.

In der Hoffnung auf Geistvolleres, wenn's kühler wird...


Und während ich hier sitze
Seh' ich die Sonne und ich schwitze.
Meine Herren, ist das heiß!
Am Körper fühl' ich nur noch Schweiß.


Doch muss ich ehrlich euch gestehen:
Eigentlich kann ich's nur sehen.
Schwitzen tu ich gar nicht sehr,
Nur hitzefrei bleibt mein Begehr.

Von Hitze frei ist's hier ganz prima,
Dank aufwändig gekühltem Klima.
Trotz alledem muss ich hier sitzen.
Viel lieber tät' ich draußen schwitzen!

2006-07-03

Alltag eines unbekannten Superhelden

Die Menschheit braucht Helden. Eigentlich zu jeder Zeit, und jede Zeit scheint ihre Helden zu haben. Deutschland hat gerade wieder welche bekommen, und die müssen sogar kaum mehr tun, als ein Stück Leder erfolgreich über eine Grünfläche zu treten. Und für die Damenwelt gut ausschauen und besser die Klappe halten.

(c) Walter Moers & Eichborn Verlag
Da Helden oft nicht mehr reichen, haben sich Comics dem Thema Superhelden seit dem letzten Jahrhundert gewidmet. Walter Moers hat sich auf seine Weise um diese Comics gekümmert. Danke, Walter.

Papier alleine aber ist grau und staubig. Und wo kann man Helden, Antihelden und Superhelden (und Super-Antihelden und Anti-Superhelden) besser Leben einhauchen als in der Traumfabrik Hollywoods?

Hat sich eigentlich schon einmal einer gefragt, warum die Rettung der Welt (der holden Jungfer, des Universums, der netten alten Dame, des dsungarischen Zwerghamsters etc.) immer erst in letzter Sekunde geschieht? Kurz bevor alles, aber wirklich alles zu spät ist?

Ja, weil's spannend ist, werden einige denken. Ist auch richtig. Aber wie schaffen es die ganzen verschiedenen Helden und Superhelden immer genau den letztmöglichen Moment abzupassen? Ein Drehbuchschreiber für alle Filme?

Nein. Die Realität sieht ganz anders aus. Die Realität ist der Alltag von...

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Captain Umständlich und seinem jungen Helfer, Zotto Zögerlich*

Ein Raum voller Metall, in der Mitte ein Podest. Darauf eine furchtbar komplizierte Apparatur mit vielen bunten Drähten und so. Und einer riesigen digitalen Zeitanzeige, die natürlich rückwärts zählt. Weil der Erbauer kurzsichtig war und so alle anderen die verbleibenden Sekunden bis zur Explosion des gesamten bekannten Univerums gut mitverfolgen können.

Knapp neben dem Podest erscheint eine kreisrunde Schweißnaht im Boden. Der entstandene Deckel verschwindet langsam im Boden. Dumpfes Ächzen ist zu hören. Dann zwei Stimmen, die blechern durch den Raum hallen.

"Captain, wäre es nicht einfacher gewesen, das Bodenstück nach oben zu heben und hintereinander hinaufzuklettern statt nebeneinander?"
"Das wirst du erst später verstehen, mein lieber Zotto. Viel später."

Weiteres Ächzen, als sich zwei in dunkle Capes gehüllte Gestalten aus dem Loch winden und sich nervös umsehen.

"Captain, ich hatte die fiesen Lichtschranken am Eingang dann doch noch ausgeschaltet."
"Die, wegen der wir durch den Speisenlift und den Kabeltunnel hier herein gekrochen sind?"
"Ja, Captain."
"Die, wegen der ich mir eine Laufmasche in meiner neue Captain Umständlich-Leggins zugezogen habe?"
"Ja, Captain."
"Sehr gut, Zotto. Sehr gut. Ich habe doch gesagt, dass du das schaffst."


Während eine der Gestalten noch am Boden in der Hocke bleibt, beginnt die andere damit, den Podest näher zu inspizieren.

"Das muss die Bombe sein, Zotto. Uns bleibt nur wenig Zeit, um die Welt zu retten. Also, du bleibst hier und bewachst die Bombe, und ich gehe und warne die Menschheit. Es müssen alle so schnell wie möglich in Sicherheit gebracht werden. Am besten mit Space-Shuttles."
"Bist du sicher, Captain?"
"Ja, Zotto. Wir dürfen keine Zeit verlieren!"

Die Gestalt, die man mittlerweile dank des großen "U" auf der Brust als Captain Umständlich erkennen kann, beginnt damit, sich zurück in das Loch am Boden zu zwängen.

"Captain?"
"Ja, Zotto?"
"Die Lichtschranken sind aus. Du kannst die Tür benutzen."
"Das würden sie erwarten, Zotto. Außerdem bin ich schon halb drin."

Der Blick des jungen Zotto zögerlich wandert über die komplexe, als die Bombe identifizierte Apparatur, während der Kopf des Captain im Loch verschwindet.

"Es sind noch etwa 45 Sekunden, Captain. Meinst du, ich sollte versuchen, die Bombe zu entschärfen, während du die Menschheit vor der Gefahr ihrer Auslöschung warnst?"
"Nein, Zotto, denn den Kabelschneider trage
ich bei mir. Ich bringe ihn Dir, sobald ich die Menschheit gewarnt habe und die Evakuierung eingeleitet ist."
"Ich habe das Kabel erkannt, Captain. Ich könnte es durchschneiden und es nachher so aussehen lassen, als hätte es der Cruise gemacht."

Die Stimme des Captains entfernt sich immer mehr, und sein junger Helfer Zotto beugt sich über das Loch im Boden.

"Es sind noch 20 Sekunden, Captain. Und ich habe unseren Ersatz-Kabelschneider dabei."

Mit einem lauten Scheppern fliegt die Tür auf, und ein verschwitzter Captain Umständlich betritt den Raum.

"Nur mit meinen Kabelschneider, junger Zotto. So steht es im Vertrag."

Der junge Zotto blickt vom Loch auf und nimmt das Werkzeug entgegen. Dann beugt er sich über die Apparatur.

"Soll ich wirklich, Captain?"
"Nur zu, junger Zotto. Ich habe die Menschheit gewarnt. Die Evakuierung ist eingeleitet."

Der junge Zotto zögert kurz und lässt den Kabelschneider sinken.

"Wow, Captain, da warst du echt schnell! Wie hast du das denn geschafft?"
"Zotto, schneide bitte jetzt das Kabel durch."
"Soll ich wirklich, Captain?"
"Ja, Zotto."

Einige Sekunden atemloser Stille verstreichen.

Knips.

"Aber erst, wenn der Zähler auf "00:00:01" steht, Zotto. So, wie es im Vertrag steht."

Weitere Sekunden atemloser Stille verstreichen.

"Kannst du das Kabel irgendwie flicken, mein junger Helfer?"
"Reichst du mir bitte den Ersatz-Zähler, Captain?"
"Ah, ja. Natürlich, Zotto. Mach' dir keine Gedanken, mir ist das am Anfang auch öfter passiert."

Captain Umständlich klopft Zotto Zögerlich einige Male auf die Schulter bevor er sich dem Loch im Boden zuwendet.

"Ich gehe dann mal die Menschheit entwarnen, Zotto. Und sieh zu, dass du weg bist, wenn Tom hier eintrifft."

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*Richtig gelesen. Die kennt kein Schwein? Eben, das ist wahres Heldentum. Sie springen überall ein, wo es knapp werden soll und überlassen die Lorbeeren den anderen.

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Ein besonderer Dank gilt hier dem Klapsenschaffner, der geistiger Mitpapi der beiden Akteure ist.

Always The Piano Man To Me

Billy Joel - Bild von piano-man.de Und da war er: Zwölf Jahre nach seinem letzten Konzert in Deutschland. Die Haare, die noch da waren, ergraut. Mit recht ordentlich Speck auf den Hüften. Wie das so kurz vor dem Rentenalter sein kann.

Aber der Mann hat Glanz auf dem Hammer wie eh und je.

Billy Joel hat den Klapsenschaffner und mich gerockt, zweieinhalb Stunden lang. Den Klapsenschaffner, mich und den Rest der ausverkauften, hochsommerlich erhitzten Frankfurter Festhalle. Und das mit einer Leichtigkeit, als wäre er nie weg gewesen. Die Songs waren eine sehr gelungene Mischung aus "Greatest Hits" und Albumtracks - jeder einzelne Song mit Leidenschaft arrangiert und dargebracht. Humor hat er auch bewiesen, der Herr Joel, und seinem Roadie Chainsaw das Mikro überlassen, selbst zur Gitarre gegriffen und mit "Highway To Hell" für eine echte Überraschung gesorgt.

Und Billy Joel hat sich wirklich Zeit gelassen. Aber wer so lange nicht auf Tour nach Deutschland kommt, der kann als Zugabe auch ruhig das über sieben Minuten lange "Scenes From An Italian Restaurant" zum Besten geben.

Kurzum: Wer nicht da war, hat etwas versäumt. Und ich hoffe, Billy Joel war nicht zum letzen Mal hier.