scheibster.de - Bekenntnisse eines Raketenwissenschaftlers
signalfeuer.

2006-05-22

Die gotische Kathedrale auf meiner Stirn

Der Großglockner von Nôtre-Dame war ein Berg von einem Manne.

Ehrlich.

2006-05-14

Kunst im Restaurant: Ode an den Schnurbler

Schnurbler 1: "Hey, was machst Du denn hier?"

Schnurbler 2: "Ich schnurble. Was soll ich sonst schon tun?"

Schnurbler 1: "Gegessen werden?"

Schnurbler 2: "Erinnere mich bitte nicht daran."


Dieser Post ist dem Klapsenschaffner gewidmet. Weil man mit dem auch im Restaurant richtig Spaß haben kann. Das führt unter anderem dazu, dass so etwas wie die Augsburger Schnurblerkiste gegründet wird. "Was ist ein Schnurbler?", wird sich der geneigte Leser fragen, und das mit Recht.

Das ist ein Schnurbler:


Nur der Kopf einer gewöhnlichen Garnele? Vielleicht. Aber mit Beinen und Fühlern. Ja, und Augen! Und von hinten kann man prima reinfassen und eine Fingerpuppe daraus machen.

Und schnurbeln, was das Zeug hält.

Wenn dann die Bedienung schief schaut, weist man sie einfach darauf hin, dass sie es war, die den Schnurbler angschleppt hat.


"Oh Schnurbler auf meinem Teller,
sehe ich Dich, schlägt mein Herz schneller.
Den Finger im Kopf verleih' ich Dir Leben -
nie wird es etwas Schön'res geben!"

2006-05-03

Go ahead, punk. Make my day.

Der Leif hatte es bereits angesprochen. Ich hatte es bei den unten stehenden Fragenkatalogen angeschnitten. Mein alter Vermieter macht Ärger. Nicht den üblichen. Nein, in seinem altersgetrübten Verstand scheint sich der Mann als höheres Wesen zu betrachten. Nun, immerhin besteht er auch darauf, dass in seinem Telefonbucheintrag ein "Abt.Präs. a.D." erscheint. Wow, meine Knie zittern in Ehrfurcht.



Und so katapultiert er sich mit seinem schier unglaublichen Verhalten auf Platz 1 der Liste der Leute, die ich nicht ausstehen kann. Eigentlich bräuchte er eine ganz eigene Liste. Die "Liste der uneinsichtigsten, abscheulichsten Menschen, denen ich von ganzem Herzen alles Schlechte dieser Welt wünsche". Oder so.

Einen abgenutzten und leicht bis mittelschwer versifften Teppich zu vermieten ist eine Sache. Ihn zu mieten war meine Sache. Dann aber trotz Übergabeprotokoll zu behaupten, Flecken A und B seien neu und von mir verursacht, und ich müsse für den Schaden aufkommen, ist eine andere Sache. Zum Glück ist der Rechtsanwalt, den ich daraufhin konsultierte, anderer Meinung.

Nachdem ich meinen alten Vermieter auf das Alter des Teppichs (mindestens 12 Jahre, Lebensdauer lt. aktuellem Gerichtsurteil 10 Jahre) hingewiesen hatte, bestand er beim letzten versehentlichen Zusammentreffen immer noch darauf, dass ich den Teppich fachgerecht reinigen zu lassen hätte. Ist ja auch klar. Ich verleihe auch Sachen und verlange sie gereinigt zurück, wenn ich sie danach wegwerfen möchte.

Ich als Banker - Verzeihung, als Raketenwissenschaftler - hätte es ja gar nicht nötig, mich so zu verhalten, und darauf zu bestehen, dass die Flecken nicht von mir seien. Überhaupt sei er ja eigentlich großzügig, aber wenn ich ihm so käme (in Anlehnung an das in einer bösen Vorahnung ausführlich angefertigte Übergabeprotokoll), dann wäre er auch genau. Als ob er das nicht auch so gewesen wäre.

Im Waschbecken des Bades sei eine neue Absprengung mit Riss, die es austauschbedürftig mache. Die Hälfte wolle er mir in Rechnung stellen. Im Übergabeprotokoll sind nur zwei der drei Absprengungen vermerkt. Schön, dass er sich eine aussuchen darf. Und der Haarriss (!) wird dem Waschbecken vor seinem natürlichen Ende sicher nicht den Garaus machen, abgesehen davon, dass mir nie etwas ins Waschbecken gedonnert ist, dass diesen "Schaden" hätte verursachen können.

Und der Boden im Keller, da reiche es nicht, wenn man ihn aussfege. Nein, der müsse nass ausgewischt werden! "Eine Schweinerei, das sag' ich Ihnen." Ja, das bisschen Staub gepaart mit den toten Spinnen und Kellerasseln, die sich in einem Kellerraum ansammeln, der selten bis nie betreten wird, können schon sehr böse aussehen.

Seinen Tiraden setzte er gegen Ende des letzten Zusammentreffens noch die Krone auf: Wenn ich mich weiter querstellte, würde er Beschwerde bei meinem Arbeitgeber einreichen und dafür sorgen, dass meine Karriere einen empfindlichen Knick erleidet.

Ich habe mich zu all dem dann schriftlich geäußert, da Zuhören für diesen Mann etwas ist, das anderen passiert. Genau wie Einsicht. Was soll's, wenn die nicht kommt, schreibt mein Anwalt den nächsten Brief.

Trotzdem, all den Ärger braucht kein Mensch. Und die Zeit meines Lebens, die dieser Mann mich gekostet hat, kann ich leider nicht von ihm einklagen.


Nachtrag: Meinen Makler hat der gute Mann heute am Telefon auch angeblökt und ihm vorgeworfen, mit mir unter einer Decke zu stecken. Mein Makler fragte mich daraufhin zu Recht, ob der Mensch noch ganz bei Verstand sei...

Sommer, Palmen, Sonnenschein

Gestern abend habe ich zum ersten Mal in diesem Jahr mit meiner Freundin auf der Terrasse zu Abend gegessen.

Mit ihr. Nein, ich habe nicht meine Freundin gestern abend auf der Terrasse gegessen.

Die Amseln sangen (vor allem eine), es war fast noch warm, und das alles nach 20.00 und Richtung Norden. Supa!

Vielleicht kommt er ja doch noch, der Sommer.

2006-05-02

Bückfisch

Ja, die vergangenen Tage seit Ostern waren sehr kuchenreich. Da kam mir der ein oder andere Gedanke dazu, wie unsere Speisen wohl hießen, wenn die Türken im 17. Jahrhundert bei Wien nicht aufgehalten worden wären.

Kuchen wäre Dönerwelle.

Und es gäbe Bückfisch.

Und Hupen-Heidi hieße Hüpen-Leyla.

Oder so.


Und: Gäbe es Wellensittiche an der Donau, dann wäre es... Ja. Genau. Fliegender Kuchen.

Die Frau Clarkson und ich

Der Klapsenschaffner ist Mariah Carey. Und ich? Ich habe mal kurz mit Kelly telefoniert, da ich sie schon lange nicht mehr beim Einkaufen getroffen habe. Und wir waren uns schnell einig.

Über die Musik natürlich. Der Leif sagt, er sei auch Kelly Clarkson. Ich glaube, ich muss mal ein ernstes Wörtchen mit ihr reden.



Kelly Clarkson Shares Your Taste in Music





See her whole playlist here (iTunes required)




Bienzle und das kaputte Stellwerk

In Berlin wird am 1. Mai traditionell ein wenig autonomes Feuer gemacht, wenn man genug autunomes Bier zu sich genommen hat.

In Frankfurt wurde diese Tradition gestern leicht abgewandelt. Die Zutaten bestanden aus einem Stellwerk, einem Stellwerkscomputer, einem Einbrecher, einer Axt und offensichtlicher Wut auf den zuvor erwähnten Computer. Das Ergebnis hat mir heute morgen eine zusätzliche Stunde auf dem Gelände des RMV eingebracht.

Neulich erst hatte der Blitz in das in langer Bauzeit erstellte vollautomatisch-elektronische Stellwerk am Frankfurter Hauptbahnof eingeschlagen. Daraufhin ging erst einmal wenig bis gar nichts mehr. Warum das so war, wird umso deutlicher, wenn man weiß, dass das Stellwerk zum Hochfahren ganze drei (!) Stunden braucht, und so lange der Zugverkehr von Hand geregelt werden muss. Und als ob das noch nicht reicht: Da, wo vorher achtzehn Leute koordinierten, arbeiten seit Inbetriebnahme des vollautomatisch-elektronischen Stellwerks noch vier (!) einsame Hansels. Nicht, dass deren Arbeit mit einem ausgefallenen Stellwerk leichter wäre als zuvor.

Es stellt sich mir die Frage, was wohl aus den restlichen vierzehn geworden ist, die wahrscheinlich auch noch mehr waren, wenn sie nicht in 24-Stunden-Schichten 365 Tage im Jahr gearbeitet haben. Hätte ich wegen eines Stellwerkscomputers meinen Job verloren, hätte ich wahrscheinlich auch Wut. Und weil ich nicht wüsste, wer die Idee mit der Kiste eigentlich hatte, und weil es doch mehr Überwindung kostet, eine Axt in einen Schädel zu hauen, knöpfe ich mir den Computer vor. Aber so richtig.

Aber das ist nur das, was ich tun würde.

[edit] Jetzt waren's angeblich zerschnittene Kabelstränge. Na gut. Hat's die alte Blechkiste doch heil überstanden. [/edit]