scheibster.de - Bekenntnisse eines Raketenwissenschaftlers
signalfeuer.

2006-12-31

Aus dem Urlaub eines Raketenwissenschaftlers, Teil III

Urlaub an und sich ist etwas Tolles. Da ich gerade ein paar freie Tage genießen durfte, erinnerte ich mich eines hier abgegebenen Versprechens bezüglich meines Urlaubsberichts. Es ist lange her, für mich subjektiv noch viel länger als für alle anderen, aber das ist egal.

Es mag anhand der ersten beiden Teile der Eindruck entstanden sein, dass der Aufenthalt auf Mallorca nicht so entspannend war, wie Urlaub es sein soll. Dieser Eindruck ist glücklicherweise im Großen und Ganzen falsch.

Zwar ließ das Essen im Hotel* gelegentlich zu Wünschen übrig, vor allem dann, wenn als Lasagne getarntes Hundefutter serviert wurde, aber es gab einige Restaurants, die wirklich gutes Essen servierten. Eines der besten fanden wir am Jachthafen von Cala D'Or. Leckerster Fisch mit klasse Vor- und Nachspeise, dazu einen Hauswein, der sich seiner selbst nicht schämen brauchte.

Über das (deutsche) Pärchen, das beim anschließenden Minigolf statt der üblichen sieben Schläge pro Spieler stets zehn bis zwanzig machte, trösteten wir uns mit Trockeneis verzierten und massig fruchtbestückten Cocktails von der Bar gegenüber. Nachdem man das Obst vernichtet hatte, sahen diese dank der vielen abstehenden Zahnstocher stets aus wie ein stiller Protest gegen die Abholzung des Regenwaldes. Politischer Protest durch Cocktailtrinken: Wie cool ist das denn?**

Apropos Jachthafen: Es muss trotz aller Armut und Steuern und Arbeitslosigkeit immer noch eine Menge Leute geben, die kaum Wissen, wie man Armut schreibt, geschweige denn wohin mit ihrem Geld.


Armut ist etwas, das anderen passiert...

Zwischen den bestimmt dreihundert Motorjachten, die in dem damit ausgefüllten kleinen Hafen lagen und von denen sicher keine billiger als eine halbe Million Euronen gewesen war, entdeckten meine Freundin und ich einen Platz für unsere Jacht. Wir fanden auch sehr schnell ein Boot, dass uns gefiel.


Schnittig. Sehr schnittig. Die Schlüssel steckten, aber der englische Besitzer wollte es uns partout nicht ausleihen. Pah!

Letztendlich entschieden wir uns aber für ein etwas kompakteres Modell, leicht günstiger in der Anschaffung, aber eigenes Aquarium inklusive. Das stach wenigstens aus dem superteuren Einheitsbrei heraus und war viel einfacher unterzubringen!


Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern...

Trotz der unzähligen Luxusboote (oder gerade deswegen) scharten sich in Cala D'Or schwarze Migranten. Ihren bootsgeflüchteten Brüdern von den Kanaren waren sie allerdings schon einige Schritte voraus: Die Frauen knüpften den Touri-Mädchen Rastas, und die Männer verkauften Sonnenbrillen, CDs und Armbanduhren, und zwar zu jeder Tageszeit und an jedem Ort. Dagegen sind die hiesigen "Bluma, gut Bluma"-Verkäufer echt unauffällig.

Noch einmal zurück zum Hotel***: Dass man auf Mallorca Pinsel statt Klobürsten hat, mag noch als einheimische Tradition gelten, aber dass die Wände im Hotel so dünn sind, dass man die Gäste des Nachbarzimmers nachts Atmen hört, erscheint mir eine seltsame Eigenart. Noch weitaus seltsamer erschien uns jedoch der Brauch der Einheimischen von gegenüber, morgens das nicht schallgedämpfte Moped zwischen 07:00 und 07:30 eine gefühlte halbe Stunde mit ca. 200 dB Geräuschkulisse warmlaufen zu lassen. Das machte offenbar auch den Kollegen des Einheimischen gegenüber wach, denn kurze Zeit später holte ihn der mit dem Auto zur Arbeit ab. Um sicherzustellen, dass man ihn auch hörte, drückte er einfach so oft auf die Hupe, bis der faule Sack seinen Hintern aus dem Haus bewegt hatte. Wenigstens arbeiteten die Einheimischen an den zwei Sonntagen, die wir da waren, nicht so früh.


Der Pool hinter dem Hotel. Die Ruhe ist trügerisch...

Der aus den genannten Umständen resultierende Schlafmangel musste irgendwo nachgeholt werden. Dafür bot sich der Pool hinter dem Hotel an. Doch trotz der Abwesenheit anderer deutscher Urlauber wurden die Liegen regelmäßig per Handtuch besetzt. Da soll noch einer sagen, unsere Freunde von der Insel seien nicht lernfähig.

Eine junge Person von eben jener Insel sorgte hingegen durch ihre Offenheit und Wissbegier für einen gewissen Enstpannungsgrad. Lucy hieß die Kleine, und fragte nach allem, was sie nicht kannte mit einem leicht gelispeltem "What'f dad?" Mobiltelefone, die auch noch Musik machen konnten, waren ebenso auf der Hitliste wie unsere bunten "Phase 10"-Würfel.**** Der einfache dazugehörige Bleistift und der Spielblock animierten Lucy zu vielfachen "Daddy"-, "Mommy"- und "Lucy"-Zeichnungen, von denen sie auch die von Papa herbeigeholten eigenen Malutensilien nicht abhalten konnten.


Faszination Schmuck älterer Damen: Sonnenschein Lucy.

Im Speisesaal konnte Lucy jedoch offen und lautstark zeigen, wenn sie etwas nicht wollte oder gerade keinen Hunger hatte. Wenigstens die Nerven der Eltern waren daran gewöhnt. Unsere auch irgendwann.

Da wir nicht jeden Tag mit Handtuchkrieg am Pool und Odysseen zu versteckten Stränden mit singenden Obstverkäufern und "Papa, und dann gehen wir ins Wasser pullern!" exklamierenden Kindern verbringen wollten, machten wir zwei Ausflüge des Reiseveranstalters mit. Der erste ging zum auf 750m Höhe gelegenen Kloster Sant Salvador und dem Wochenmarkt in Felanitx, wo es viel Material für meine hungrige Kamera gab.


Das Kloster San Salvador in luftiger Höhe...


...mit gigantischem Ausblick über die gesamte Insel.

Der Wochenmarkt in Felanitx war sicher nichts für Tierschützer. Hier werden auch Meerschweinchen verkauft. Wer als erster den Fehler im Bild unten findet, darf sich etwas wünschen.


"Was meinst Du mit 'Miau'?!"

Felanitx hat jedoch mit seiner Kirche Sant Miquel und seinen verwinkelten Sträßchen auch moralisch unbedenkliche Sehenswürdigkeiten zu bieten.


Sant Miquel in der Mittagssonne...


...und malerische Gässchen

Der zweite Ausflug in die Drachenhöhlen (Cuevas del Drach) begann zunächst mit einem kaffeefahrtähnlichen Halt in einer Kunstperlenfabrik. Wir protestierten auf unsere Weise und kauften lediglich eine kleine Flasche stilles Wasser, das wir zudem über eine Beschwerde über den ausschließlich geldfressenden Getränkeautomaten erkämpfen mussten.

Die Drachenhöhlen selbst, auch wenn man mit ein wenig Nachdruck hindurchgeschleust wurde, waren den Ausflug wert. Eine Tropfsteinhöhle, kunstvoll ausgeleuchtet, mit abschließendem klassischen Konzert - und Fotoverbot.


Die illuminierten Cuevas del Drach

Auf der Rückfahrt wies uns unser Reiseleiter darauf hin, dass Miguel, unser Busfahrer, heute sehr gut gefahren sei. Meiner Freundin und mir stellte sich spontan die Frage, ob er die schwungvoll durchfahrenen Serpentinen sonst einfach ignoriert und querfeldein über Abhänge und Anhöhen brettert. Ich fragte lieber nicht, zudem hätte Miguel uns mangels Deutschkenntnis nicht verstanden.

Abschließend sei der letzte kulinarische Höhepunkt des Urlaubs genannt, der sich beim Besuch bei Pizza Hut am Flughafen kurz vor unserem Heimflug ergab. Ich weiß nun, warum ich diesen Laden höchstens einmal im Jahr betrete. Das Gefühl davor ist Appetit und Hunger, das Gefühl danach wird am besten von dem beschrieben, was übrig bleibt.


Fettig? Ach was... Hauptsache Coke light!

So endete der Urlaub eines Raketenwissenschaftlers... Und so endet auch dieses Jahr. Euch allen einen guten Übergang nach 2007!

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*Die Ausweichmöglichkeiten waren mangels Kühlschrank leider begrenzt. Scheibenkäse hält sich bei 30°C übrigens nicht länger als ein Tag, bevor er sich selbst zum Blauschimmelträger adelt. Ebenfalls wissenswert: Die Supermarktkette Caprabo lässt in ihren Märkten deutsch vertonte Werbung laufen. Ich war ein wenig überrascht.

**Der ebenfalls in der Cocktailbar anwesende "Kegelclub Einsame Landfrauen e.V." machte allerdings jegliches politisch-elitäre Gefühl umgehend und mit alkoholgeschwängertem Gackern wieder zunichte.

***
Hotel Ses Puntetes in Cala D'Or, falls es jemand unbedingt ausprobieren oder meiden möchte.

****Auch am Strand zogen wir uns mit diesen Würfel mehrfach den Neid von Kindern zu.

2006-12-24

Frohe Weihnachten

Ganz banal, aber von Herzen:

Allen treuen und untreuen Lesern ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Neue Jahr!

Und bald gibt's auch mal wieder was Neues zu lesen. ;o)

2006-12-08

Viel Rauch um nichts

Die Europäische Union schreibt's vor. In meinen Augen eine gute Entscheidung, die sich positiv abhebt von der restlichen administrativen Gängelung, die gelegentlich aus Brüssel kommt.

Nichtraucherschutz in der Öffentlichkeit.

In vielen europäischen Ländern ist es bereits Gesetz, und die Bundesregierung hatte sich nach Ermahnung durch die EU dazu entschlossen, ein wenig Tätigkeit vorzutäuschen. In allen öffentlichen Gebäuden sollte nicht mehr geraucht werden dürfen, ebenso in Speisegaststätten und Restaurants. Erster Kompromiss: Bars und Kneipen sollte ein Verbot freigestellt werden. Trotzdem dachte ich zunächst: Halleluja, ein erster Schritt ist getan. Endlich Essen gehen können, ohne dabei gezwungen zu werden, den Qualm anderer ertragen. Und welch ein Segen für die armen Schweine, die in dem Dunst auch noch täglich arbeiten müssen und nunmehr ohne "Raucherzonen" leben dürften, eine Einschränkung, die genau so sinnbefreit ist wie eine pinkelfreie Zone in einem Schwimmbecken.

Und dann das.

Ein Rückzug. Geschickt den Ländern den Schwarzen Peter zugeschoben, vor den netten Herren der Tabaklobby den Schwanz eingezogen, die Einnahmen aus der Tabaksteuer zunächst gerettet, aber hoch offiziell wenigstens etwas unternommen.

Das finde ich gelinde gesagt zum Kotzen.

Ironischerweise sind gegen die ultragefährlichen Killerspiele in Windeseile Gesetzesvorschläge auf dem Tisch. Sand in die Augen des Volkes, Opium in seine Köpfe. Den Killerspielern fehlt die Lobby. Auch wenn ich mich wiederhole: Hunderte von Studien beweisen den langfristig schädlichen Effekt von Zigarettenrauch. Keine einzige Langzeitstudie beweist auch nur eine mittelfristig negative Wirkung von Videospielen.


Was man nicht so alles einatmen muss: Als Raucher stets freiwillig, als Nichtraucher nicht immer.

Was bleibt Otto-Normal-Nichtraucher in solchen Fällen? Nichts, außer für eine verbesserte Wahrnehmung der Gesundheits- und Lebensqualitätsschädigung zu kämpfen, die durch öffentlichen Tabakkonsum entsteht. Wichtig ist, dabei keine Gräben zu schaffen, schließlich sind Raucher keine schlechteren Menschen als Nichtraucher.

Über allem steht stets die Frage nach der Toleranz und dem Grund, warum sich die Nichtraucher nicht schon viel früher so massiv gewehrt haben, wie das heute der Fall ist. Ein liberaler Grundsatz besagt, dass die eigene Freiheit dort enden muss, wo sie die Freiheit anderer einschränkt. Ein weiterer logischer Gedanke ist, dass Rücksicht von demjenigen ausgehen sollte, der für Schädigung oder Belästigung in irgendeiner Form sorgt.

Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass mir mit steigendem Alter Tabakrauch immer mehr auf die Nerven geht. Er nimmt mir die Luft zum Atmen, beißt in den Augen, bleibt an Körper und Kleidung hängen. Der Geruch ist mir zuwider und löst bei mir immer häufiger Aggression aus, obwohl ich ein gleichmütiger Mensch bin, oder das wenigstens glaube.*

Dass die Raucher selbst sich schädigen, in noch größerem Maße mit dem Geruch kontaminiert sind und dafür eine Menge Kohle ausgeben, zunächst ihre eigene, später auch die der Krankenkassen, ist mir einigermaßen gleich und geht mich nichts an. Ob es an zu wenigen Aschenbechern liegt, dass an vielen öffentlichen Orten, gerade Bahnhöfen, so viele Kippenstummel herumliegen, oder an der schlechten Erziehung einiger Raucher, sei dahingestellt.

Einige Menschen rauchen aus Genuss, andere aus Sucht. Gerade letztere hätten vom deutschen Staat ein wenig mehr Schutz als den aktuellen verdient. Traurig, aber wahr: Der Bund verdient Geld mit der Sucht des Volkes, um es den Krankenkassen zur Behandlung der Folgen wieder zuzschießen. Wenn etwas krank ist, dann das. Was spricht dagegen, daran etwas zu ändern? Alte, verkrustete Strukturen, gerne zu Kultur und Tradition verklärt? Das Geld der Lobbyisten, das unseren Politikern den harten Politikeralltag versüßt und Parteien den Wahlkampf finanziert? Einfache Fragen ohne Antworten.



Zudem gibt es Opfer, die sich gegen Rauch überhaupt nicht wehren können: Kinder. Ein Gesetz, das es Eltern verbietet, in Gegenwart ihrer Kinder zu rauchen, war bereits im Gespräch. Tolle Idee. Und wer bezahlt den Polizisten, der bei der Familie wohnt und das überwacht? Kreative Aufklärung ist hier gefragt, keine blinde Gesetzeswut ohne Realitätsbezug. Ich selbst kenne eine Sechsjährige, die von ihren Eltern tagtäglich zugequalmt wird. Sie ist nicht nur kleiner als die Kinder in ihrem Alter, sie hustet auch seit Jahren regelmäßig mit einer Inbrunst, die auf eine offene Lungen-TB schließen ließe. Einsicht bei den Eltern? Fehlanzeige.

Also, liebe Raucher und Nichtraucher, redet miteinander, sorgt für gegenseitiges Verständnis. Und bedenkt, liebe Raucher: Ihr fügt den anderen tatsächlichen Schaden zu, während die Nichtraucher euch nur vorübergehend nerven. Und gönnt euren Kindern eine rauchfreie Atmosphäre, bis sie alt genug sind, selbst zu wählen. Ihr schreit ihnen ja auch nicht ständig ins Ohr.

Hoffentlich.

Amen.

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*Einfaches Beispiel zu gesellschaftlicher Akzeptanz und Toleranz: Es macht mir Spaß, laut zu schreien, egal wann und wo. Ich gehe in eine Bar, schreie laut, schreie jedem ins Ohr, und finde es toll. Mein Aufenthalt in der Bar wird von kurzer Dauer sein, weil ich ziemlich vielen Leuten auf die Eier gehen werde, und das zu Recht. Keiner wird mir einen Tee bringen, wenn ich heiser bin.

Gehe ich aber in die Bar, ziehe mir ein halbes Päckchen Zigaretten rein, dessen Gift alle Anwesenden einfach ungefragt mitatmen und den Gestank ertragen müssen, wird mich keiner rauswerfen. Im Gegenteil, man wird meinen Aschenbecher leeren, wenn er voll ist, und mich fragen, ob ich noch einen Wunsch habe.

Und so leid es mir tut, das Argument, ich könne woanders hingehen, wenn ich den Rauch nicht ertrage, zieht nicht. Kann ich beim Mexikaner essen, ohne zu rauchen? Ja. Kann ich rauchen, ohne beim Mexikaner zu essen? Ja. Kann ich beim Mexikaner essen, ohne mitzurauchen, wenn geraucht wird? Nein.

2006-12-05

"I wait till 02:00, then I turn out the light"

Scheibsters Abenteuer in der Welt der Musik, vierter Akt. Der Markus hat sich das gewünscht, also beschimpft ihn. Ihr wisst inzwischen, worum es geht. Viel Spaß auf der Reise!

Phase Vier: Softe Mucke für harte Männer und die Unerreichbarkeit von Dexter Hollands Stimmlage

Vorab, bevor ich es wieder verdränge (und dafür habe ich eigentlich Jahre gebraucht):

Whigfield.



Erinnert sich einer? "Saturday night, dee-dee-dee-yah-dee-dee-yee-dee-daaaah..." Furchtbar. Und doch auf eine sehr eigene Weise ein Ohrwurm. Einer, dem man sich nicht entziehen konnte, wenn man im geliehenen Golf II GTI 16V mit den Kumpels zur Dorfdisco fuhr. Das passte dann einfach ins Bild. Darum stellte ich damals für eben jene Fahrten eine Dancefloor-Kassette zusammen, die auch ungefähr drei Wochen lang unregelmäßig im geliehenen Golf lief. Whigfield war drauf, und auch so tolle Sachen wie "Eins, zwei, Polizei" von Modo. Ich bin heute noch dankbar, dass mich aus dem Olymp der Rock-Götter dafür nie verdientermaßen ein Blitz getroffen hat. Oder zwei.

Zum Glück nahte bald die Erlösung in Form von Offsprings "Smash". Ein Album, dessen überaus erfolgreiche Singleauskopplung "Self Esteem" der Band den Durchbruch bringt, nach Seattle klingt und der zu Recht Hit jeder Abi-Party wird.*



Neben der richtigen Getränkeauswahl waren wie bei eigentlich jeder Party die Musik ein entscheidender Faktor bei Abi-Parties. Es musste etwas sein, zu dem man gemeinsam Singen, Gröhlen, rumspringen und überhaupt sie Sau rauslassen konnte. Das kongeniale "Killing In The Name" von Rage Against The Machine stand dabei ähnlich hoch im Kurs wie das leidenschaftlich rockige "Like The Way I Do" von Melissa Etheridge oder "Body Count" von Body Count. Letztere drei hatte ich bereits bei diversen donnerstäglichen "Fun Usingen"-Ausflügen** kennengelernt, drum konnte ich auch prima mitsingen mitgröhlen.

Zum Abi-Endpsurt kam 1995 noch eine weitere Mitgröhlhymne dazu, und zwar von einer Band, die 1993 ihre Wiedervereinigung gefeiert hatte. "Schrei nach Liebe" aus jenem Jahr (und dem Album "Die Bestie in Menschengestalt") war ebenso beliebte Partymunition wie der "Schunder-Song" aus der neuen "Planet Punk". Die Ärzte (und wohl vor allem Farin U.) hatten damit ein Lied geschroben, das einfach jeden ansprach, der sich im Leben einmal als Underdog hatte fühlen müssen. Herrlich. Ganz davon abgesehen, dass das gute alte "Westerland" damals wie heute irgendwann auf jeder guten Party läuft.

Warum eigentlich immer nur Die Ärzte? Ja, es gibt noch andere deutsche Bands. Die Toten Hosen zum Beispiel. Es heißt, Fans beider Bands zu sein, würde sich gegenseitig ausschließen. Nun, "Hier kommt Alex" und "Mehr" zählen definitiv zu meinen Lieblingsstücken. Trotzdem waren die Ärzte auf einem anderen Niveau frech und politisch als die Hosen. Die Dimple Minds waren sicher ein lustiger Ausflug in Richtung linksorientierter Proll-Musik, aber es blieb bei eben diesem Ausflug. Und "Böhse Onkelz" habe ich auch einen Weile gehört, bis sie mir schließlich zu häufig mit der mir bis heute unsympatischen rechten Szene in Verbindung gebracht wurden. Und die Musik selbst war nicht fesselnd genug, um mich bei der Stange zu halten.

Nachdem die letzte eigene Abi-Party gefeiert war, hieß es: Auf zum Dienst am Vaterland!*** Und wer glaubt, dass nur harte Männer Soldaten werden, dem sei verraten, dass die restlichen drei Kameraden auf meine Stube sehr begeistert von meinen Soft Rock-Kassetten waren. Nicht selten liefen sie auf meinem mitgebrachten Kassettenrekorder zum Einschlafen und boten so eine willkommene Abwechslung zum rauheren Umgangston des Tages. Richard Marx "Angelia"**** oder R.E.M. "Everybody Hurts" singen zu hören war schöner als das allmorgendliche "Drrritter Zuuuug! Auuuufsteeeehn!"

Schöner war es auch noch zu Abi-Zeiten als einer ausgesuchten Fans den Proben der Garagenband "Anaesthetic" beiwohnen zu dürfen. Im Keller des Gitarristen Christopher gab es schöne laute Musik und außerdem noch Bier. Das war super. Oder war ich doch wegen der hübschen Groupies Ines, Heike und Andrea da? Oder weil ich gelegentlich AC/DC singen durfte, weil ich die Stimmlage von Brian Johnson hinbekam? Die Rocker sind mittlerweile allesamt zu braven Familienmenschen mutiert, aber das signierte DIN A4-Kopier-Plakat, auf dem kaum mehr war als der Bandname, habe ich immer noch irgendwo.

Noch während meines Wehrdienstes passierte etwas, von dem ich jahrelang geträumt hatte. Im Radio***** wurde mit der Singleauskopplung "Heaven For Everyone" das letzte "echte" Queen-Album "Made In Heaven" angekündigt - vier Jahre nach Freddies Tod. Eine gelungene Mischung aus neu abgemischten Solotiteln des Sängers, B-Seiten der Band und den letzten Vermächtnissen wartete auf mich, und "A Winter's Tale" war einfach eine wundervolle Begleitung für den romantisch sonnenaufgangserhellten, verschneiten Weg zur Dienststelle.

Dass es mehr geben musste als das, was in Radio und Discos lief, war mir irgendwann klar. Der Weg zu alternativen Hörgenüssen ebneten nach Faith No Mores "Angel Dust" vor allem zwei Filmsoundtracks: "The Crow" und "Natural Born Killers" hatten abgedreht geniale Begleitstücke und waren erfrischend anders als alles, was ich bis dato kannte. Etwa zu dieser Zeit gab es eine Kompilationsserie, die leider keine Fortsetzung außerhalb der Neunziger gefunden hat. "Crossing All Over" waren exzellente Zusammenstellungen, die alles zusammenfassten, was in der Punkrock-Metal-Rap-Crossover-Szene Rang und Namen hatte oder vielversprechend klang. Wer sie irgendwo günstig auf dem Wühltisch entdecken sollte, kann gedankenlos zuschlagen.

Kommerziell erfolgreich, aber fern vom Mainstream bewegten sich auch weezer, deren Album "Pinkerton" mir Mitazubi Björn 1996 zukommen ließ. Die Stücke waren eine gekonnte Mischung aus schräger Musik und eingängigen Harmonien, die Texte waren witzig, poetisch und frech. "Pinkerton" lief auch beim Fahrsicherheitstraining in Mamas Ford Fiesta und spornte mich so zu Bestleistungen an. "Pinkerton" verkaufte sich nicht so gut wie sein Vorgänger und produzierte auch keinen charttauglichen Hit, bleibt aber in meinen Augen das beste Album der Band - und ist auch das letzte in Originalbesetzung.

Auch konzerttechnisch war 1996 ein voller Erfolg: Im Mai waren AC/DC im Rahmen ihrer "Ballbreaker"-Tour mit Abrissbirne in der Frankfurter Festhalle. Ich bin am Anfang im Innenraum aufgrund der wellenartigen Bewegungen des Publikums fast totgetreten worden******, aber die Jungs haben alles gegeben. Auch wenn die Alben mittlerweile nichts Neues mehr bringen, live bleiben die Australier ein Erlebnis für sich.



Den gelungenen Abschluss des Musikjahres garantierte ein Geheimkonzert der Ärzte in der Frankfurter Batschkapp. Als "Diese Band aus Berlin (aus Berlin)" und für sage und schreibe 17,30 DM traten die Jungs auf und rockten den knallvollen Saal. Danke noch einmal an Mitazubi Björn, ohne den ich an diese Info nie gekommen wäre. Und Gratulation an jeden, der bis hierher noch mitgelesen hat.
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* Hat jemand schon mal ernsthaft versucht, "Self Esteem" in original Stimmlage und Lautstärke mitzusingen? Ich schon. Aber es blieb beim Versuch. Dexter Holland, Sänger von Offspring, vollbringt dabei Unmenschliches. Respekt.

**In diese Zeit fällt auch meine Grundausbildung in Sachen Classic Rock. "Since You Been Gone" von Rainbow und "My Sharona" von The Knack sind zwei Kandidaten, die mich heute noch unwillkürlich zum sofortigen Auf- und Herumspringen mit dazugehörigem Luftgitarrenspiel nötigen.

***Die Erlebnisse dieser Zeit haben definitiv ihren eigenen Beitrag verdient.

****So hieß übrigens eine Stewardess auf einem seiner Flüge. Er fand den Namen so faszinierend, dass er das Stück schrieb.

*****hr3 war dank Berglage auch in meiner Kaserne in Badisch-Sibirien zu empfangen.

******Wer sich nicht an seinen Nachbarn festhalten konnte, wäre gnadenlos überrannt worden. Vom Ende meiner Kräfte war ich nur etwa fünf Sekunden entfernt, als das Publikum sich endlich beruhigte. Schwein gehabt. Trotzdem: Tribüne ist für Weicheier.

2006-12-01

Warme Gedanken für kalte Zeiten

Nun, vielleicht sind es auch warme Gedanken für zukünftig warme Zeiten. Einige von euch werden es schon gesehen haben, aber ich fand es so witzig, dass ich es hier online stellen muss, mit einem ausdrücklichen Dank an den Autor.

Und mit einem völlig politisch unkorrekten: "Wie geil ist das denn?"



Schönes Wochenende!

2006-11-29

Oweihnachtsgedicht

Hier sitze ich und schnapp' nach Luft,
denn es wartet vorweihnachtlicher Duft
aus vielen Achseln ausgelaufen
auf mich beim Weihnachtsstresseinkaufen.

Und zu allem Überdruss
naht der Jahresendabschluss.
Da muss ich alles über die Raketen wissen,
und glaubt mir, das ist echt bescheiden.

Drum seht ihr hier nicht viel von mir,
das tut mir leid, um kurz vor vier.
Ist Neujahr erst mal angebrochen,
wird alles besser - fest versprochen!

2006-11-21

Killerspielspieler

Eigentlich habe ich dafür keine Zeit, aber die derzeit aufbrandende Diskussion um sog. "Killerspiele" wegen des tragischen Amoklaufes in Emsdetten regt mich so sehr auf, dass ich mich dazu kurz äußern muss.

Millionen Menschen rund um den Globus sind Gamer. Viele davon spielen auch Ego-Shooter. Angenommen, die populistisch propagierte Annahme, dass Computerspiele (insbesondere die sogenannten "Killerspiele") den Spieler zum Töten animiere, sei richtig: Müssten dann nicht schon längst ein Großteil der Menschheit ausgerottet sein, und der Großteil davon in den USA, wo Waffen freizügigst verfügbar sind? Seltsamerweise ist das nicht der Fall.

Zudem gibt es keinen fundierten wissenschaftlichen Nachweis, dass Computerspiele einen negativen Einfluss auf die Gewaltbereitschaft von Menschen haben.* Bei Wikipedia gibt es zu diesem Thema einen differenzierten Artikel, den ich allen ans Herz legen möchte. Ich für meinen Teil bin seit vielen Jahren Gamer, weil es Entspannung, Ablenkung, Ventil, Flucht aus dem Alltag und einfach Spaß ist.

Meine heimlichen Amokläufe sind bisher glücklicherweise unentdeckt geblieben, Tom Clancy sei Dank.


"Damn, I'm looking good." (Duke Nukem, 1996)

Soziale Missstände lassen sich nicht mit dem Verbot von Computerspielen heilen.** Wer damit auf politischen Stimmenfang gehen will, soll das tun. Ein Zeichen von Kompetenz und wahrem Willen zu gesellschaftlicher Veränderung ist es nicht.

Zigaretten und Alkohol bekommen die Kids ab 16 im freien Handel. Beide töten bewiesenermaßen. Beides aber ist gesellschaftlich akzeptiert und bringt Steuern in die Staatskasse. Ein Verbot des Alkoholverkaufs kommt paradoxerweise keinem ernsthaft in den Sinn, wenn betrunkene Fahrer andere durch ihr leichtsinniges Verhalten in den Tod reißen.

Das muss ich alles nicht verstehen. Wahrscheinlich beschäftige ich mich zuviel mit Computerspielen.

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*Das zweifellos vorhandene Suchtpotenzial möchte ich an dieser Stelle außer Acht lassen. Die Frage, wie der Amokläufer von Emsdetten an seine Tatwaffen kam, möchte ich auch nicht hier und jetzt diskutieren.

**Die gewaltintensiveren Titel bekommen ohnehin sehr schnell den roten FSK-Stempel aufgedrückt oder werden indiziert. Die Verbreitung illegaler Kopien kann das selbstverständlich kaum verhindern.

2006-11-14

Halluzinogähn

Langsam glaube ich, dass ich tatsächlich urlaubsreif bin.* Neulich, im nachmittäglichen Raketenwissenschaftlertreffen war die Rede von "relevant stakeholder".** Mein Hirn bastelte daraus ganz schnell eine neue Figur für neue Geschichten:


Reverend Steakholder.




Mahlzeit, Reverend.

Ja, der Reverend wird ein Vorkämpfer sein für alle Trotz-Hühnergrippe-Schweinepest-Rinderwahn-und-Gammelfleischskandal-Fleischesser, ein missionarischer Gourmet mit dem Auftrag, die Welt von Roh- und Urkostfanatikern zu befreien.

Bewaffnet alleine mit einem saftigen Stück gegrilltem Fleisch.

"Reverend, halten Sie schon mal das Steak!"
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*Ja, schon wieder.

** Ein Hoch auf das gute Neudeutsch!

2006-11-10

Sein Name ist Urlaub

Ja, sein Name ist Farin U. und im Rahmen seiner "Heiss! Heiss! Heiss!"-Tour hat er gestern abend die Frankfurter Jahrhunderthalle gerockt, inklusive meiner Freundin, Markus, Sebastian und mir.* Ganz alleine hat er das nicht geschafft: Als Verstärkung hatte er das Racing Team dabei, und das alles zusammen war dann das Farin Urlaub Racing Team (kurz: F.U.R.T.).


Nicht Thunderthai, der besonders scharfe Asia-Imbiss

Wer glaubt, der Gitarrist der Ärzte stehe im Schatten seiner Stammkombo, der irrt. Er ist einer der besten Gitarristen, die Deutschland zu bieten hat, und doch bleibt er stets die Personifizierung des Understatements ohne große Eitelkeiten. Er verbreitet Spaß, selbst wenn er wie gestern heiser und mit Tee (!) auf die Bühne kommt. Das Publikum liebt ihn, und setzt sich bei "Zehn" schließlich sogar auf den Boden, um beim Refrain mit aller Energie durch die Halle zu springen. Von der gleichen Geste lässt sich Herr Urlaub noch zu einer ungeplanten Zugabe hinreißen, die ein rundum gelungenes Konzert nach über zwei Stunden Länge zu einem (vor allem für das vollkommen erschöpfte Publikum) wohlverdienten Ende bringen.


F.U.R.T. auf der Bühne

Übrigens: Wer noch keinen Eindruck von Farin Urlaubs Solowerken hat, kann hier legal und kostenlos die B-Seiten seiner Singles aus dem ersten Album "Endlich Urlaub" downloaden.

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*Ich alleine musste sicher fünfzig Liter Schweiß von mir geben und bin heute ordentlich heiser.

2006-11-09

"When the light's out, it's less dangerous..."

Dieses ist der dritte Teil über Musik und mich. Und es wird nicht der letzte sein. Es soll keiner sagen können, ich hätte niemanden gewarnt.

Phase Drei: The Show Must Go On, aber doch bitte ohne Whigfield

Das Jahr 1991 hatte in vielerlei Hinsicht größere Bedeutung für die Welt der Musik - und für meine. Mein erster Kuss auf meiner echten ersten Party (mit echtem ersten Wodka-O) wurde begleitet von der damaligen Best Of-Compilation von The Police und der grandiosen "Violator" von Depeche Mode, in beiden Fällen Musik, die vollkommen zu Recht kommerziellen Erfolg hatte. Was habe ich doch für ein Schwein gehabt, dass es nicht etwa Barry Manilows "Mandy" war, das damals lief.

Beim bald auf den ersten Kuss folgenden ersten heftigen Liebeskummer half es wenig, dass im November mit Freddie Mercury eines, wenn nicht das größte meiner Musik-Idole starb. Es war das erste Mal, dass der Tod einer Person, die mir nicht tatsächlich persönlich nahe stand, mich zu Tränen rührte. Die meisten meiner Freunde und Bekannten nahm das weniger mit als mich, denn man war eher "Böhse Onkelz"-Fan oder mochte "New Kids On The Block". Entsprechend gering war das Verständnis meiner Trauer. Ja, ich war erst 15, aber das spielte einfach keine Rolle. Ähnlich dürften sich andere beim Tod von Jimi Hendrix, Elvis, Bon Scott, John Lennon oder Kurt Cobain gefühlt haben.


Größer als das Leben: Freddie Mercury

Nicht die Trauer über Freddies verfrühten Abgang von der Bühne des Lebens, sondern der erwähnte Liebeskummer führte zu der Idee, ich könnte die Damenwelt mehr beeindrucken, wenn ich eine Stereoanlage hätte und keinen Commodore Amiga.* Ich legte mir also nach Vorbild meines Freundes Jan ein paar Bausteine zu, namentlich einen Pioneer Receiver, einen Philips CD-Player, ein SONY Tapedeck und ein Paar Boxen von Onkyo zu.** Dazu kaufte ich auch sogleich meine ersten drei CDs: "Queen I" von Queen (weil das die günstigste Scheibe von Queen war, und irgendwo musste ich ja anfangen), "Hysteria" von Def Leppard (wegen "Rocket") und "Solid Ball Of Rock" von Saxon (wegen "Requiem"). Die laufen auch heute noch in unregelmäßigen Abständen, Milli Vanilli & Co. hatte ich ja glücklicherweise schon zuvor hinter mir gelassen.

Während ich Ende 1991 zu "Mull Of Kintyre" von den Wings lernte, langsamen Walzer zu tanzen, kamen gleich zwei Naturgewalten walzerfrei, jedoch walzengleich auf mich zu, die Rockgeschichte schreiben sollten: Das Nirvana-Album "Nevermind" mit der Mosh-Pogue-Grunge-Hymne "Smells Like Teen Spirit", die heftigsten frischen Wind in die vor sich hindümpelnde Musikszene brachte und den Grunge-Hype quasi gebar. Zudem erschien das schwarze Album von Metallica, das mit der ersten Auskopplung "Enter Sandman" auf Anhieb mein Herz eroberte*** und meinen musikalischen Vorlieben richtungsweisend war und mein Luftgitarrenspiel erheblich verbesserte.****



So konnte ich im Herbst 1992 Metallica (nach Monsters of Rock endlich bewusst) in der Frankfurter Festhalle genießen. Gleichzeitig wusste ich, dass es besser war, zu solchen Konzerten künftig Ohrenstöpsel mitzubringen. Mein rechtes Ohr war drei Tage nach dem Konzert nahezu taub, aber es hatte sich definitiv gelohnt. Lohnenswert war auch Bon Jovis "Keep The Faith", meines Erachtens ihr bestes Werk, aber leider auch ihr letztes hörenswertes. "Dry County", ein neunminütiges Epos, kann mich immer noch in eine nachdenklich-veträumte Stimmung versetzen, wenn ich es höre.

Dass nicht jede Band zur Live-Band geboren ist, musste ich im Sommer 1993 feststellen, als ich im Frankfurter Waldstadion Guns N'Roses sah.***** Das Konzert war nett, hielt aber bei weitem nicht, was zuletzt das Doppelalbum "Use Your Illusion I & II" versprochen hatte. Schade, denn billig war der Eintritt nicht. Dafür hatten wir damals in der S-Bahn auf dem hinweg mit einer Palette Billig-Pils vom Tengelmann echten Teenagerspaß.

Zu jener Zeit entdeckte ich dank meiner führerschein- und autobestückten Freunde Heiko B. und Steffen V. die Diskotheken der Gegend für mich. Während mein Verhältnis zu Techno stets wohlwollend neutral blieb, begeisterte mich das Donnerstagsprogramm des "Fun" in Usingen****** auf regelmäßiger Basis. Da wurden NDW, 80s, Classic Rock und sonst alles gespielt, was Laune machte, ganz abgesehen vom Weizenbier für drei Mark. Die Tatsache, dass ich nicht ständig dort sein konnte und der Bedarf von guter Musik führten dazu, dass ich begann, Musik auf Kassetten zusammenzustellen. Dies entwickelte sich zu einer Leidenschaft, die ich heute fast zur Kunst entwickelt habe. Jedenfalls bilde ich mir das ein.*******

Bei all der Versessenheit auf Musik mit Gitarren drin blieben die leisen Töne nicht auf der Strecke. Ich gebe es offen zu: Ich mag den Großteil der Musik der "Kuschelrock"-CDs, jedenfalls trifft das auf die älteren Ausgaben zu. Kuschelrocker Billy Joel enterte mit "River of Dreams" meine Sammlung, und bis vor kurzem habe ich es sehr bereut, ihn 1994 in der Frankfurter Festhalle verpasst zu haben. Spätestens als mich eines Abends "Honesty" in den hr 3 Lovestories unvorbereitet traf, war er aus meinem musikalischen Leben nicht mehr wegzudenken.

Sanftere Töne schlagen auch die Eagles an: Als diese sich 1994 mit dem als "Hell Freezes Over" festgehaltenen Liveauftritt wiedervereinten, entdeckte ich meine Begeisterung für Meilensteine wie "Hotel California" und "Desperado". Auch die Eagles auf Tour verpasste ich 1994, doch das konnte ich glücklicherweise 2001 wiedergutmachen. Eines sei gesagt: Die Jungs bringen eine Hammer-Performance auf die Bühne, was weniger an Showelementen als in Gesang und Instrumentalisierung dargebotenen Multitalenten liegt. Hört euch bei der nächsten ruhigen Gelegenheit das (stets nur live gespielte) "Seven Bridges Road" an, und ihr wisst, wie schnell die Westcoast-Harmonien ins Blut gehen können.

Auf meinem gediegen steinigen Weg zum Führerschein begleitete mich ein Künstler, dessen Musik ich in der legendären hr3 Hitparade aufgeschnappt hatte. Das Album, mit dem er 1993/1994 sein grandioses Comeback aus Depression und Drogen feierte, hatte ich zunächst von meiner Tante kopiert (und später natürlich selbst gekauft). Die Rede ist von Meat Loaf und "Bat Out Of Hell II". Wer auch das Debüt aus 1977 kennt, weiß, welche Wucht die Kombination des Songwriters Jim Steinman und der Stimmgewalt des Marvin Lee Aday erzeugen können, und mich hat sie nicht verfehlt. "I Would Do Anything For Love (But I Won't Do That)" hat das charttauglich bewiesen, und "For Crying Out Loud" aus "Bat Out Of Hell" wurde prompt zu meiner Herzschmerz-Auslebe-Hymne für die nächsten drei Jahre.


Wie es sonst in den nächsten drei Jahren aussah, schreibe ich aber besser beim nächsten Mal.

[edit] Und wieso Whigfield in der Kapitelübersicht auftaucht, erfahrt ihr dann auch.[/edit]

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*Die Annahme war auch grob richtig, und die Entscheidung für eine Stereoanlage einfach gut. Der Verkauf meines Amigas verfolgte mich aber noch ein halbes Jahrzehnt in meinen Träumen, bis ich mir schließlich 1996 meinen ersten PC zulegte und meiner Gamerseele endlich wieder Frieden verschaffen konnte.

**Natürlich ein Single-Tape. Die Doppeldecks waren zwar schön zum MCs überspielen, aber die Qualität der Single-Tapedecks war einfach überlegen. Heute leidet es leider an Altersschwäche, genau wie der CD-Player. Der Receiver funzt noch prima als Schlafzimmerbeschallung, und die Boxen verrichten meines Wissens bis heute ihren Dienst bei Jan, dem ich ich sie ein paar Jahre später verkaufte.

***Meine Herren, was habe ich wegen "Enter Sandman" schon Muskelkater im Nacken gehabt. Und die Frisur von Damals-Metallica-Bassist Jason Newsted wollte ich auch haben, aber der Weg dorthin wurde mir vom Bewerbungsfoto verbaut.

****Die Maxi-CD "Das Boot" von U96 ist und bleibt eine kuriose Randnotiz in meiner Sammlung.

*****Brian May, seines Zeichens bodenständiger Gitarrist von Queen und Astronom, war damals solo und als Vorgruppe dabei. Ich war allerdings viel zu weit weg von der Bühne, um das genießen zu können, zudem wollte der Großteil des Publikums eben GN'R sehen und war entsprechend begeisterungsfähig. Finde ich bis heute schade.

******Das "Ur-Fun", das nix mit der Kette zu tun hat. Kaya Yanaar hat dort auch die ein oder andere Jugendsünde begangen.

*******Eine gute Musikkompilation ist eine Wissenschaft für sich und bekommt besser einen eigenen Beitrag.

2006-11-03

Die gotische Kathedrale auf meiner Stirn (2)


Wer länger schläft, wird später wach.


Euch allen ein duftes Wochenende!

2006-11-01

Traurumtata

Das habe ich jetzt von meiner Gutmütigkeit.

Am 11.11. geht die fünfte Jahreszeit wieder los, und sehr richtig, das ist erst in zehn Tagen. Dank meiner Faschingsmusikschneidesessions hat sich schon jetzt eine kleine närrische Kapelle in meinem Kopf eingenistet, die mir aus Langeweile oder auf Stichwort immer wieder ein Liedchen spielt. Und immer wieder das gleiche.

So wie gestern.

Herr Schmidt (am Telefon): "Guten Tag, ich möchte gerne eine Trommeleinheit für unser Faxgerät neuestes Raketenprojekt bestellen."

Die Kappelle in meinem Kopf: "Jungs, Jungs, da hat jemand Trommel gesagt! Auf zwei! Eins, zwei...

Denn wenn et Trömmelsche jeht, dann stann mer all parat..."

Das Schlimme ist, das sich öfter auch noch meine Lippen meinem Willen widersetzen und sich mitbewegen, manchmal sogar mit Stimmbandunterstützung.

Ohrwurm? Nein, eher Ohrtrauma, vor allem für jemanden wie mich, der mit Faschingsmusik so viel anfangen kann wie ein Einäugiger mit Stereofotografie. Also versuche ich mich zu therapieren, indem ich hier offen darüber schreibe. Mal schauen, ob es hilft.

2006-10-30

In die Röhre schauen

Eben war der Herr Wissem bei mir. Der Herr Wissem ist auch Raketenwissenschaftler und hatte gerade eine Forschungspause eingelegt. Das geht unauffälliger, wenn man fünf Stockwerke weiter unten pausiert.

Der Herr Wissem hat sich einen tollen Superduper-106cm-Plasma-Fernseher gekauft und findet den ganz superduper klasse.



Ich finde das auch superduper prima für den Herrn Wissem. Aber jetzt will ich auch einen, und zwar superduper dolle.

Ich fürchte nur, dass ich superduper in die Röhre schauen werde. Im doppelten Sinne.

Grumpf.

"Es fing an, als sie mich anrief..."

Dieses ist Teil 2 der Abhandlung über Musik und mich. Er wird nicht weniger lang und nicht aufregender sein als Teil 1. Vermutlich. Es sei zudem vermerkt, dass ich das nur für den Herrn Grob schreibe. Gut, nicht nur, aber im Besonderen.

Die nächste Phase: Teenagerliebe trifft auf Wechselstrom/Gleichstrom

Zwei "Ärzte"-Kassetten waren das Geschenk von Andreas zu meinem Geburtstag 1988. Nachdem ich zunächst ein wenig befremdet war von dem rotzfrechen Berliner Fun-Punk ("...eine tote Qualle hat in etwa dein Niveau..."), der da völlig ohne Vorbereitung auf mein noch so formbares Wesen traf, fand ich ziemlich schnell Gefallen daran. Etwa zur gleichen Zeit begannen meine Eltern damit, verstärkt hr4 zu hören. Wer das nicht kennt, dem sei gesagt: Es ist etwas mit viel "Rummtata!" für die Generation 50+. Und für Leute, die hektische Musik (am Ende noch mit Gitarren drin) ohnehin nie von ganzem Herzen mochten. Ich kann hr4 bis heute nicht leiden.

Grund genug für mich, demonstrativ eine andere Richtung zu wählen. Beim Mitschneiden der hr3-Hitparade im Jahre 1989 kündigte schließlich der damalige Moderator Thomas Koschwitz mit großem Tamtam und Trara die neue Single einer Band an, von der ich vorher nicht viel gehört hatte, jedenfalls nicht bewusst. Queen? Das sind doch die mit "We Will Rock You" und "We Are The Champions". Und was soll das sein? "I Want It All"? - Verdammte Hacke. Was war das für eine Rockkelle! Das zugehörige Album "The Miracle" sollte bald Grundstein meiner Queen-Sammlung werden, und Queen Dreh- und Angelpunkt meines Musikgeschmacks.*

Im darauffolgenden Jahr war es einmal mehr Andreas, der mir richtungsweisend zur Konfirmation zwei LPs schenkte: "Appetite For Destruction" von Guns N'Roses (meine Eltern waren wenig begeistert über die netten Zeichnungen) und "Dr. Feelgood" von Mötley Crüe. Heissa, wenn das mal nicht ordentlich in die Ohren und zur Sache ging. Ich durfte es im Auto meiner Eltern nur über den Walkman hören, aber das war schon ok. Ordentlich aufgedreht überschallte "Paradise City" spielend den aus dem Autoradio tönenden hr4. Das wurde im übrigen von allen Insassen so wahrgenommen.


"Das ist ja eklig." [Mama S., 1990]

Erste Kontakte mit Bon Jovis "New Jersey" und Foreigners Best Of-Kompilation "Records" festigten meinen eingeschlagenen Weg zum Jünger der Götter des Rock**. Und dann, im Jahre 1990 des Herrn brachten die Australier um Angus Young (AC/DC) ihr letztes gutes Album, "Razor's Edge", heraus. Während ich meine Klassenkameraden noch schräg angeschaut hatte, als sie zwei Jahre zuvor "Heatseeker" gesungen hatten (zum Glück nur während der Schulpausen), infizierte mich die erste Single "Thunderstruck" sofort. Blöde nur, dass meine Haare (die auf dem Kopf, denn Brusthaarbanging wird seine Hochkonjunktur erst in der Zukunft erleben) nicht so schnell wuchsen, wie ich es zu diesem Zeitpunkt hätte gebrauchen können.

Schon wieder war es Andreas, der mir ein paar der älteren Alben von AC/DC auf Kassette überspielte und so schließlich dafür sorgte, dass ich im Sommer des folgenden Jahres zusammen mit Thomas G. und Lars P. L.*** in Mainz-Finthen mein erstes Konzert besuchte: Monsters of Rock mit AC/DC, Metallica, Mötley Crüe, Queensryche und den Black Crowes.



Das waren damals acht Stunden Konzert für sage und schreibe 60,00 DM (!!!) und ein echtes Erlebnis. Mötley Crüe zertrümmerten zum Schluss standesgemäß ihre Instrumente auf der Bühne, und AC/DC hatten für "Hell's Bells" eine Riesenglocke eingeschifft und zu "Moneytalks" ganz viele Angus Young-Dollars in die Menge verteilt.

Mit Metallica konnte ich zu diesem Zeitpunkt leider noch nicht viel anfangen, doch noch vor Ende des Jahres sollte sich das ändern. Wie das ablief, erfahrt ihr im dritten Teil dieser Reihe.

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*Die Vielfältigkeit dieser Band ist einfach unbeschreiblich. Wer nur die "Greatest Hits"-Kompilationen kennt, hat viel versäumt. Schade nur, dass ich Queen nie in Originalbesetzung live erleben durfte, denn auf der Bühne waren sie mindestens so stark wie im Studio.

**...'n'Roll. Oder Hard Rock. Oder Classic Rock. Jedenfalls nicht das Kleidungsstück, selbst wenn das etwa zur gleichen Zeit interessant wurde. Und nicht von mir getragen, natürlich.

***Thomas baut heute Staudämme in Israel. Lars verlegt Horrorhörbücher und wird bald Papa. Aus den wilden Jugendlichen von damals ist doch noch etwas Ordentliches geworden. Obwohl das, wenigstens bei Lars, auch anders hätte ausgehen können.

2006-10-26

"Is this the real life..."

Wem beim Lesen des Titels dieses Beitrages sofort "...is this just fantasy..." und Queens "Bohemian Rhapsody" mindestens für die 5:56 Minuten Gesamtlänge durch den Kopf schwirrt, der darf gefahrlos weiterlesen. Dies wird ein endloser ziemlich langwieriger umfangreicher Text zu mir und Musik.

Musik ist ein nicht wegzudenkender Bestandteil meines Lebens. Aktiv beschränke ich mich auf schräg Singen zu allen unpassenden Gelegenheiten und dem spaßigen SingStar.* Musik hören ist da schon sehr viel mehr mein Ding. Diese Leidenschaft, gekoppelt meinem missionarischen Sendungsbewusstsein, hätten aus mir bestimmt einen guten Radiomoderator oder Musikredakteur** gemacht. Statt dessen bin ich nun Raketenwissenschaftler. Kein schlechter oder unehrenhafter Beruf, ganz klar, und sicher besser bezahlt. So ist das mit den Entscheidungen, die man im Leben trifft. Kein Licht ohne Schatten - und umgekehrt.

Musik ist auch für andere wichtig, doch habe ich das Gefühl, mehr als andere Menschen leiden zu müssen, wenn es plötzlich keine Musik mehr gäbe. Soundtrack des Lebens, Ausdruck für das Unausdrückbare, Zuflucht, Expedition, Lebensgefühl: All das und noch mehr ist Musik für mich. John Miles beschrieb das 1976 (zufälligerweise das Jahr meiner Geburt) mit "Music" besser, als ich es hier aufschreiben könnte.

Wie kam es eigentlich so weit? Wenn ich an meine Wurzeln denke, die ersten Interessen, so muss ich mehr als schmunzeln und mich wundern, wie es so weit kommen konnte.


Die ersten Anfänge: Udo Jürgens meets Klaus Eberhartinger

Jeder Mensch braucht Orientierungsphasen. Meistens beginnen die mit den Schallplatten der Eltern. Da waren so tolle Sachen wie Küchenlieder dabei, die ich sehr ernst nahm und die mich deswegen tatsächlich zum Weinen*** brachten. Nachdem ich das ohne Trauma überstanden hatte, waren Michael Holm, Udo Jürgens und Adam und die Mickys an der Reihe. Mit englischer Musik konnte ich mangels Sprachkenntnis zu jener Zeit nicht viel anfangen****, also war als nächstes die Erste Allgemeine Verunsicherung dran (als erste ganz eigene Musik-LP). "Banküberfall" und "Märchenprinz", später auch "Küss die Hand, schöne Frau" konnte ich auswendig darbieten.***** Das hat mich immerhin bis zum stellvertretenden Klassensprecher gebracht.



Und mit dem ersten Englisch-Unterricht wuchs das Interesse an englischsprachiger Musik. Die ließ sich prima aus dem Radio aufnehmen (und was habe ich mich geärgert, wenn ich beim fiebrigen Warten während der alldonnerstäglichen hr3-Hitparade den Aufnahmeknopf zum falschen Zeitpunkt drückte), aber man konnte auch sein Taschengeld investieren und sie kaufen. Das mache ich bis heute noch, denn gute Musik verdient es, gekauft zu werden.

Allerdings hat sich meine Definition von "guter Musik" weiterentwickelt. Damals hielt ich Mandy Winter, Milli Vanilli und Michael Jackson für eine echt prima Entscheidung. Bei Michael Jackson bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich ihn immer noch irgendwie gut finden soll. Vor Monaten hörte ich quasi überraschend im Radio "Man In The Mirror", und war schwer beeindruckt über diesen Überfall aus den Tiefen der frühpubertären musikalischen Erinnerungen.******

Und dann, zu meinem zwölften Geburtstag, schenkte mir mein ältester Freund Andreas zwei Kassetten mit Liedern der Ärzte. Welchen Eindruck das bei mir und der mich erziehenden Umwelt hinterließ, werdet ihr in Teil 2 erfahren - wenn ihr wollt.

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*Zugegeben, als ich noch bedeutend jünger war, habe ich Heimorgel gespielt und bei Herrn Ciba, meinem damaligen Musiklehrer, im Chor gesungen. Außerdem habe ich mir 2005 eine E-Gitarre gekauft und mindestens schon drei Akkorde gelernt. Letzteres ist aber schon fast mehr als ein Jahr her. Schade eigentlich.

**"Du hast echt ein Gesicht fürs Radio!" hat zum Glück noch niemand zu mir gesagt. Aber falls doch, gehe ich auf jeden Fall zu hr3 und werde Werner Reinkes Copilot.

***Auch Jungs dürfen das, jedenfalls wenn es dunkel ist und keiner sieht. Nun, Mama hat es gesehen, und ich tat ihr sehr leid.

****Wenn man von der Begeisterung für "It's A Sin" von den Pet Shop Boys absieht, das mir im richtigen Moment auch noch heute einen Schauer über den Rücken jagen kann. Und Modern Talking fand ich zu jeder Zeit doof.

*****Memo an mich selbst: Unbedingt mal die CDs besorgen. Die Schallplatten und MCs taugen nix mehr.

******Ich war damals sogar in "Moonwalk" im Kino. Für alle Jüngeren: Das war ein Kinofilm von und mit M.J. Muss man aber nicht gesehen haben. Nun, damals schon.

2006-10-24

Neulich, fünf Minuten vor dem Untergang des Abendlandes

Sodem und Gomera muss man denken, wenn man justament aus dem Fenster schaut. In einer solch endzeitlichen Stimmung müssen zwangsweise Gedanken über den Sinn des Lebens, die Größe des Universums und die Beschaffenheit von zylianischen Laser-Phaser-Fönen durch meinen Kopf schießen.*

Die Frage über den Sinn des Lebens habe ich noch geknackt. Doch was die Größe des Universums angeht, habe ich meine eigene Raketenwissenschaftlertheorie entwickelt.


Das Universum ist zu klein. (Jawoll.)


Der geneigte Leser wird sich jetzt fragen, wie in aller Welt (und zur Hölle) ich auf diese absurde Idee komme. Das ist ganz einfach.

Mein Raketenlabor steht im (allen jetzt heimatgefühlsgekränkten Einwohnern ein "mit Verlaub") wunderhässlichen Eschborn. Wenn Außerirdische - weil denen das mittlerweile bis auf die fast letzte Ecke erforschte und besiedelte Universum zu klein ist - eine Invasion der Erde starten wollten, so würde das sicher dort geschehen, wo die schwer berechenbare und in Ansätzen wehrhafte Menschheit es niemals (nicht in ihren kühnsten Träumen!) erwarten würde.

In Eschborn.

Wer Eschborn kennt, wird mir nur zustimmen können. Wahrscheinlich bringe ich mich mit der Veröffentlichung dieser Verschwörungstheorie in große Gefahr. Die Außerirdischen haben nämlich schon lange ihre Kundschafter geschickt. Die sehe ich jeden Tag in der Kantine im Keller meines Raketenforschungslabors, sowohl vor als auch hinter der Essensausgabe.** Vielleicht lesen sie sogar diesen Blog.

Es ist zwar nicht sehr wahrscheinlich, dass sich unter meinen zwei drei vier Lesern einer dieser Aliens befindet, aber falls es so ist: Sei gewarnt, Teufel vom Mars! Meine Freundin hat sich am Wochenende einen Fön mit zylianischer Laser-Phaser-Ionen-Kanone gekauft. Bei ihr nimmt er nur die statische Aufladung aus dem Haar und müffelt nach Büffel, aber dich, dich wird er grillen! Ha!***

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*Aufforderungen wie "Wo bleibt der neue Blog-Beitrag ... ich warte sehnsüchtig!!!" können dem ebenfalls nachhelfen. Danke, Frau K.

** Letzteres erklärt auch die immer wieder sensationell unweltliche Qualität der dort mit monopolistischer Selbstzufriedenheit feilgebotenen Speisen.

***Vielleicht hat er meinen Blog bereits entdeckt. Irgendwer hat nämlich demletzt nach "legen sie die kanone weg" im Web gesucht und mich gefunden.

2006-10-20

"You cannot pass... out!"

Ja, es ist wahr. Zwischen "Gandalf der Graue" und "Gandalf der Weiße" lag "Gandalf der Blaue".

Das musste aber zensiert werden, denn es reicht schon, dass der Alte sich magischen Tabak reinfährt, als gäbe es kein Morgen.
Kategorie: Scheibster schwafelt

2006-10-19

In jedem Falle guten Appetit

Der Herr Grob hat geschrieben, er esse alles auf, was er nicht verstehe oder ihn verwirre, was sowohl für die ein oder andere Bedienungsanleitung und wahrscheinlich auch für seine Füße gilt.
Die Idee, das einfach aufzuessen, was man nicht versteht, fand ich so genial, dass ich dazu eine eigene Geschichte schreiben musste schreiben wollte nur zu gerne verfasst hätte.

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Als ich den Krieg aufaß

Neulich war ich in einem Restaurant, das Essen aus aller Welt versprach.

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So hätte es beginnen sollen. Aber schon bald wurde mir klar, dass die Geschichte nicht funktionieren würde. Schließlich kann man nicht einfach in ein Restaurant gehen, schon gar nicht in eines, das ein "Globales Unverständnis - All You Can Eat" - Büfett anbietet. Dann dort hinzugehen, den Nahostkonflikt als Vorspeise, das neu begonnene Atomwettrüsten als Hauptgang mit dem militärisch-industriellen Komplex als Beilage und zum Schluss religiösen Fanatismus als Nachtisch zu verlangen, hätte vermutlich albern ausgesehen.

Außerdem hätte ich dann nicht gewusst, wie die anderen dazu passenden Gedanken* in diese Geschichte hätte einbinden sollen. Das führte letztlich dazu, dass ich eine Geschichte schrieb, die ich niemals schrieb.

Oder so.

Wer jetzt verwirrt ist, hat im übrigen das Recht, diese Nicht-Geschichte auszudrucken und aufzuessen. Alternativ darf sogleich der Monitor verspeist werden.

Ich wünsche in jedem Falle guten Appetit.

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*In Mitteleuropa haben wir uns über viele Jahrhunderte immer wieder die Köpfe eingehauen und so wundervoll martialische Begriffe wie "Erzfeind" erfunden, um denen von uns, die den jeweils anderen die Köpfe einhauen mussten, einzureden, dass sie ihrem Vaterland (ein ebenfalls sehr geschundener Begriff) damit etwas Gutes tun.

Der "Erzfeind" hingegen war meistens nur ein armer Schlucker, der ähnlich motiviert auf der gegenüberliegenden Seite des Schlachtfeldes stand. Die Erkenntnis, dass der Erzfeind oft gar kein vielköpfiges, jungfrauenverspeisendes Monster war und eine gewisse Ähnlichkeit mit einem selbst besaß, kam meistens zu spät. Denn die einzigen Unterschiede zwischen Hauendem und Gehauenem waren meistens nur Muttersprache und Geburtsort.

Solche Erkenntnisse sind schlecht für die Kampfmoral, deswegen wurden sie entweder unterdrückt oder hochgespielt, je nachdem, was gerade ins Konzept passte. Da sich das global bewährt hat, verhalten sich die Kriegstreiber auf der ganzen Welt noch heute so.

2006-10-17

Aus dem Leben eines Raketenwissenschaftlers, Teil VII

Manchmal kocht selbst mein zaubernder Kollege, der Herr Schmidt, nur mit Wasser. Doch auch dabei studiert stets neue Wege der Nutzung von magischer Energie und seinen arkanen Kräften.

So hat er erst gestern mit einem gewieften Trick versucht, die Illusion aufrechtzuerhalten, er habe mit dem schmutzigen Tuch in seiner Hand seine Brille gesäubert, und nicht etwa seine Tastatur.* Doch wer so viel Durchblick hat wie der Herr Schmidt, der kann auch seine jüngeren Kollegen nicht täuschen.


Von wegen Brille geputzt: Die rekordverdächtige Menge an Patina stammt von der Tastatur

Trotzdem muss man sein Talent loben. Erst heute morgen komponierte Herr Schmidt aus dem Stehgreif und während seines Frühstücks die amerikanische Nationalhymne. Dann hat er einen unserer Aufzüge umgebaut, ist damit in der Zeit zurückgereist und hat Francis Scott Key 1814 den Zettel mit der Komposition auf den Schreibtisch gelegt. Und es hat funktioniert, denn heute ist "The Star Spangled Banner" den meisten Amerikanern und noch einigen anderen Menschen (inklusive mir selbst) bekannt.

Das Zeitreisen hat der Herr Schmidt im übrigen nicht erfunden. Das war Doc Brown mit ein wenig Schützenhilfe von Jules Verne und Albert Einstein.

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*Das letztere nach ihrem bestimmt fünften Dienstjahr eine Erstreiningung verdient hatte, lässt sich hier gut nachvollziehen.

2006-10-15

Dinner For One

Der Klapsenschaffner hat gewisse traumatische Erlebnisse mit Leuten aus der Gegend, aus der meine Freundin stammt. Ihn würde es sicher nicht wundern, was ich dort am Wochenende gesehen habe.

Dass man dort auch Halloween feiert, ist sicher nicht ungewöhnlich. Dass man aber Plakate aushängt für eine Party, bei der niemand eingelassen wird, macht den Durchschnittsraketenwissenschaftler aus Hessen schon stutzig.


Der beste Schutz vor Randale

2006-10-12

Ignorance is bliss

Vor kurzem habe ich mich bei blogcounter.de angemeldet. Genial, genial, kann ich nur sagen. Ich sehe, von wo auf mich verlinkt wird, und mit welchen Anfragen Suchmaschinen auf meine Seite gelangen.

Allerdings erfährt man wie einst Frau Su auch Sachen, die man gar nicht wissen wollte. Zum Beispiel, dass Leute über die unten stehende Suche auf den eigenen Blog stoßen.

http://sucheaol.aol.de/suche/web/search.jsp?q=freundin+kacken+beobachten&langRestrict=1&famFilter=on&lr=

Iiiihwäbbelbäh, kann ich da nur sagen, auch wenn die Geschmäcker verschieden sind. Ihr Ferkel da draußen, die Zeiten des anonymen Surfens sind vorbei! Big Blogger is watching you!

Ich sollte definitiv weniger über Vögel auf Gartenmöbeln, die entsprechenden Folgen und meine Freundin schreiben.

2006-10-11

Fetch, Fido!

Der singende Ralph und der schreibende Wolf haben offenbar nix Besseres zu tun, als mit Stöckchen wildfremde Leute zu bewerfen. Sei's drum, ich ziehe mir das Dingens jetzt aus dem Auge und lege los. Schließlich habe ich schon mit viel längeren Stöckchen fertig werden müssen.

(Vorweg: Ich muss "Dinge" materiell interpretieren, sonst hätte es wohl "Charaktereigenschaften" gehießen)

Fünf Dinge, die ich nicht habe, aber gerne hätte:
- Mehr selbstbestimmte Zeit zur Erforschung eigener Raketen
- Ein Heim, das niemand anderem gehört
- Eine Rakete samt Chauffeur
- Einen Radiosender
- Meinen guten alten Competition Pro (und ja, ich weiß, das es die wieder zu kaufen gibt; übrigens hat er gewonnen gegen den Liebesbrief von Liv Tyler, mit dem ich ganz dolle angeben könnte - und meine Freundin erst, denn ich habe ja sie genommen und nicht Liv)

Fünf Dinge, die ich habe, aber lieber nicht hätte:
- Mein gelegentlich zu ausgeprägtes Sendungsbewusstsein (böse Leute nennen das Klugscheißen, und ha, jetzt bin ich doch bei Charaktereigenschaften angelangt)
- Eine funktionslose Klimaanlage in meinem Auto
- Myopie (im Volksmunde auch Kurzsichtigkeit genannt; das Leben ohne Brille ist ein Stück unkomplizierter)
- Frühestens zu Weihnachten wieder Urlaub
- Meinen sporadisch auftretenden Hang zur Arroganz

Fünf Dinge, die ich nicht habe und auch nicht haben möchte:
- Eine gotische Kathedrale auf der Stirn
- Sämtliche lästigen und tödlichen Krankheiten (inkl. Schreibblockaden)
- Alpträume über George W. Bush
- Keine tollen Freunde
- Briefe eines gegnerischen Scheidungsanwalts


Wenn ich mir diese Auflistung so betrachte, muss ich feststellen, dass es mir eigentlich kaum besser gehen könnte.

Ich gehe jetzt heim und genieße die Momente, in denen die Welt mein Freund ist und mir höchstens einen unpünktlichen RMV zwischen die Beine werfen kann.

...natürlich nicht, ohne das Stöckchen vorher noch weiterzuwerfen, und zwar an:
- Den Leif, damit er mal wieder Content postet und nicht nur Links
- Den Lemondash, um zu schauen, ob er noch lebt
- Die Frau Diva, damit sie andere Gedanken als Fräsen und Schweißen hat
- Den Ole, weil er es nicht besser verdient hat
- Die Frau Vivaldi, um ihr ein neues Frust-Ventil zu geben

Haut rein!

2006-10-10

Feige, die (auch Ohr-)

Der Herr Eon wetterte vor einiger Zeit wider die Feigheit vor Terrorismus und für die Freiheit. Ich will das kurz aufgreifen.

Wahrscheinlich liegt es an der Kultur, in der ich aufgewachsen bin. Zu glauben, dass man nach einem Märtyrertod im vermeintlichen Paradies zwanzig (vermeintliche) Jungfrauen abbekommt, ist eine Sache. Über Glauben wie über Geschmack kann man nicht streiten. Jedenfalls nicht sinnvoll.

Aber wer in aller Welt freut sich über zwanzig Jungfrauen, denen man noch alles beibringen muss?

"Hey, Kleiner, was willst du denn mit 'nem Bombengürtel?"

"Ich will Lehrer werden!"

2006-10-08

Haben und nicht haben

Vergangener Abend beim Vergleichen der Lottozahlen.

Ich: "Mist. Sechs mal zwei Richtige, sonst nix. Egal, ich hab' ja dich."
Sie: "Oh Mann, ich hab' nur Scheiße... Und dich!"

Was soll man in solch romantischen Momenten noch sagen? Richtig, am besten nix. :-)

*****************************

Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass der Jay, von seiner Freundin Grit auch liebvoll "chinesischer Kampfpummel" genannt, gerade eine 1.800 km lang Jeep-Tour durch die Mongolei hinter sich gebracht und das sehr schön bebildert zusammengefasst hat. Ein Blick lohnt sich auf jeden Fall!

2006-10-05

Aus dem Urlaub eines Raketenwissenschaftlers, Teil II

Es wird Zeit für Teil Zwei, bevor mich die ganze Raketenforscherei vergessen lässt, wie sich "Urlaub" überhaupt schreibt...

Sommer, Sonne, gestrandete Wale
Das hat man nun davon, wenn man dahin fährt, wo alle hinfahren. Touris, Touris, überall verdammte Touris. Am auffälligsten sind natürlich die, die ihr eigenes Schwerkraftfeld besitzen. Die nehmen nämlich eine Menge Strand in Anspruch. Was blöde ist, wenn es nicht einen kilometerlangen Strand gibt, sondern mehrere kleine Buchten.

Und nein, im Sommer geben die vermeintlichen gestrandeten Wale leider keinen Schatten, den man als durchschnittsbeleibter Strandgast nutzen könnte. Wo ist Greenpeace, wenn man den Verein am nötigsten braucht?

Aber wenigstens sind die Einheimischen, die ihr Geld an den ganzen Touris verdienen, so gut gelaunt, dass sie gar bei der Arbeit singen. Das gilt vor allem für die Obstverkäufer am Strand. Die sind Obstverkäufer und keine Opernsänger, weil das Repertoire nicht groß ist und fehlende Oktaven durch Lautstärke und Leidenschaft ausgeglichen werden. Das führt dann schließlich dazu, dass man dem Typ sein gesamtes Obst abkauft, damit er endlich abdampft und man wieder in Ruhe das Treiben der Wale beobachten kann. Absicht? Wahrscheinlich schon.

Zurück zu Greenpeace: Die waren immer noch nicht zur Stelle, als am Abend des ersten Tages in der Chiki Tiki Bar Hauspapagei Pepe, ein grüner Ara, den Tyrannen raushängen ließ und den ganzen Touri-Frust an dem armen Graupapagei Tiki ausließ. Bei dieser Gelegenheit mussten wir feststellen, dass so einiges in Cala D'Or geklont erschien. Die Bedienungen in der Chiki Tiki Bar, die Chiki Tiki Bar, die meisten Restaurants (Steakhäuser, Italiener, oder - am Yachthafen - Fischrestaurants), die Irish Pubs. Es gab einfach alles mehrmals, zumindest auf den ersten Blick.

Verdächtig war auch, dass die Bedienung im Chiki Tiki (die eine oder vielleicht auch die andere, so genau ließ sich das nicht sagen) unseren Tischnachbarn einen "Fmoking Fombie" servierte. Wahrscheinlich war sie einfach nur einheimisch und sprach ganz in mallorqinischer Tradition "s" und "z" wie ti-äitsch aus.

Am nächsten Morgen hatten wir Besuch in unserem Hotelzimmer. Wer Kakerlaken erwartet, den muss ich enttäuschen. Die gab es nur im Supermarkt nebenan auf dem Transit vom Gemüse zur Bäckerei-Theke. Nein, es war ein putziger kleiner Salamander. Der ließ sich mit etwas Geschick auch wieder nach draußen befördern. Das war auch gut so, denn auf Dauer hätte es im Hotelzimmer für uns drei etwas eng werden können.

Eigentlich hätte die Zimmerübergabe in der Nacht unserer Ankunft etwa so verlaufen müssen:

- Ah, das Zimmer hat eine Besenkammer!
- Nein, das ist das Zimmer.
- Nun gut, wenigstens ist der Kleiderschrank gefliest.
- Das ist das Bad.
- Oh. Warum stehen auf dem großen Fensterbrett keine Blumen?
- Weil keine Saison für Blumen ist. Außerdem ist das die Terrasse.
- Der Arzneimittelschrank in der Wand ist dann sicher für die Kleidung, nicht?
- Richtig.
- Hm, aber wenigstens Sie lässt man nur nachts auf die Gäste los?
- Nein, ich bin immer da.

Immerhin gab es eine Klimaanlage, auch wenn die planmäßig nur zu bestimmten (wenigen) Stunden am Tag mit Strom versorgt wurde. Da zwar die Stromversorgung funktionierte, aber die Klimaanlage für sich genommen nicht, haben wir uns auch keine Lungenentzündung zugezogen. Einen Fernseher hätte man wohl mieten können, dafür gab es ein Radio. Das Radio hätte auch bestimmt funktioniert, wenn noch die Knöpfe zur Bedienung vorhanden gewesen wären.

Halb so wild, ums Radio streiten wäre ohnehin schwer gefallen, da die beiden Einzelbetten dank Elektro- und Telefoninstallation einen halben Meter auseinanderstehen mussten.

Aber davon ließen wir uns ich mir meine Laune nicht verderben. Was mich direkt in den Speisesaal zum Frühstück (und Abendessen) führt. Alle Angestellten des Hotels, die dort herumeiltenliefenirrten, mussten die gleichen bescheuerten roten Blusen mit den weißen Buchstaben anziehen, die ihren modischen Zenit bereits Anfang der Neunziger überschritten hatten. Dies alleine kann allerdings keine Erklärung für das Schauspiel sein, das eine Bedienung immer wieder bot. Die Passion Christi war ein Kindergeburtstag gegen ihren Gesichtsausdruck. Aber noch etwas konnte diese junge Frau besonders gut: Ihren Stresslevel aktiv aufrechterhalten. Waren die Tassen gerade aus, kam sie mit höchstens vier neuen aus der Küche. Wurde nach neuer Milch für Müsli verlangt, kam nicht selten eine Menge von ungefähr 0,2 Liter am Büffet an.


Wie es weiterging, erfahrt ihr in Teil Drei. Noch vor Weihnachten diesen Jahres. Versprochen.
Kategorie: Scheibster schwafelt

2006-10-04

Die Wiedergeburt des Kurt C. aus S.

Manche Erkenntnis reift nur, wenn der Klapsenschaffner und der Baron* zu Besuch sind. Ein wenig Absinth zur Abrundung kann nicht schaden, wenn man zu einem Erkenntnis wie dem folgenden gelangen möchte:


Kurt Cobain wurde wiedergeboren, und zwar als Kurt "Candlebutt" Cobear.


Jawoll. Irgendwie muss er in seinem kurzem Leben eine Menge Mist gebaut haben, denn er kam zurück als Bärenkitschkerze. Auch noch als weibliche. Das ist sicher die Strafe dafür, dass er einst Courtney Love ehelichte.

Und das Schrotflintenproblem scheint leider auch noch nicht gelöst.


Aus dem Nirvana auf den Wohnzimmertisch: Kurt Cobear

Ich erwarte, dass sich unsere Wohnung in den nächsten Tagen zu einer Pilgerstätte für Nirvana-Fans entwickelt und meine Freundin, der Kurt Cobear gehört, zur neuen Prophetin des Grunge erklärt wird. Ich bin gespannt.

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*Baron de Escal, lecka spanischer Rotwein.

2006-10-01

Nur zu Besuch

Vor kurzem hatten meine Freundin und ich Besuch auf unserer Terrasse.

Taube zu Besuch
Leicht gerupft und irgendwie erschöpft.

Ach wie putzig, denken wir uns. Ruht sich doch eine Taube auf einem unserer Gartenstühle aus. Oder nistet sie gar? Vielleicht findet sie auch nur spannend, was in unserem Wohnzimmer passiert. Wobei Spanner anders ausschauen.

Die Wahrheit, wie man sich denken kann, war eine andere. Und wenn man die Taube auf dem Foto genau anschaut, wird man ihren leicht verkrampften Gesichtsausdruck erkennen.

Diese Taube war weder erschöpft, noch wollte sie nisten, nein! Diese Taube hatte Verstopfung und wollte nicht, dass ihr alle anderen Tauben auf den Dächern und in den Bäumen beim Kacken zuschauen.

Die Sau.


Schöne Bescherung.

2006-09-30

Nicht vergessen

Letzte Nacht ist mein Großvater gestorben. Es ist schwer, in wenige Worte zu fassen, welche Bedeutung er für mich in den letzten dreißig Jahren hatte.

Ich bin sehr froh, dass es ihn in meinem Leben gegeben hat. Er hat einen Teil meines Weges bestimmt.

Noch vor wenigen Tagen hat er ein Gedicht zitiert, dass er bis ins hohe Alter nicht vergessen hatte. Ich möchte es hier zeigen, auf dass es nicht verloren geht.

Es handelt sich um "Des Sängers Fluch", eine Ballade, die Ludwig Uhland im 19. Jahrhundert verfasste.

Es stand in alten Zeiten ein Schloß, so hoch und hehr,
Weit glänzt es über die Lande bis an das blaue Meer,
Und rings von duft'gen Gärten ein blütenreicher Kranz,
Drin sprangen frische Brunnen in Regenbogenglanz.

Dort saß ein stolzer König, an Land und Siegen reich,
Er saß auf seinem Throne so finster und so bleich;
Denn was er sinnt, ist Schrecken, und was er blickt, ist Wut,
Und was er spricht, ist Geißel, und was er schreibt, ist Blut.

Einst zog nach diesem Schlosse ein edles Sängerpaar,
Der ein' in goldnen Locken, der andre grau von Haar;
Der Alte mit der Harfe, der saß auf schmuckem Roß,
Es schritt ihm frisch zur Seite der blühende Genoß.

Der Alte sprach zum Jungen: "Nun sei bereit, mein Sohn!
Denk unsrer tiefsten Lieder, stimm an den vollsten Ton!
Nimm alle Kraft zusammen, die Lust und auch den Schmerz!
Es gilt uns heut, zu rühren des Königs steinern Herz."

Schon stehn die beiden Sänger im hohen Säulensaal,
Und auf dem Throne sitzen der König und sein Gemahl,
Der König furchtbar prächtig wie blut'ger Nordlichtschein,
Die Königin süß und milde, als blickte Vollmond drein.

Da schlug der Greis die Saiten, er schlug sie wundervoll,
Daß reicher, immer reicher der Klang zum Ohre schwoll;
Dann strömte himmlisch helle des Jünglings Stimme vor,
Des Alten Sang dazwischen wie dumpfer Geisterchor.

Sie singen von Lenz und Liebe, von sel'ger goldner Zeit
Von Freiheit, Männerwürde, von Treu' und Heiligkeit,
Sie singen von allem Süßen, was Menschenbrust durchbebt,
Sie singen von allem Hohen, was Menschenherz erhebt.

Die Höflingsschar im Kreise verlernet jeden Spott,
Des Königs trotz'ge Krieger, sie beugen sich vor Gott;
Die Königin, zerflossen in Wehmut und in Lust,
Sie wirft den Sängern nieder die Rose von ihrer Brust.

"Ihr habt mein Volk verführet; verlockt ihr nun mein Weib?"
Der König schreit es wütend, er bebt am ganzen Leib;
Er wirft sein Schwert, das blitzend des Jünglings Brust durchdringt.
Draus statt der goldnen Lieder ein Blutstrahl hoch aufspringt.

Und wie vom Sturm zerstoben ist all der Hörer Schwarm.
Der Jüngling hat verröchelt in seines Meisters Arm;
Der schlägt um ihn den Mantel und setzt ihn auf das Roß,
Er bind't ihn aufrecht feste, verläßt mit ihm das Schloß.

Doch vor dem hohen Thore, da hält der Sängergreis,
Da faßt er seine Harfe, sie, aller Harfen Preis,
An einer Marmorsäule, da hat er sie zerschellt;
Dann ruft er, daß es schaurig durch Schloß und Gärten gellt:

"Weh euch, ihr stolzen Hallen! Nie töne süßer Klang
Durch eure Räume wieder, nie Saite noch Gesang,
Nein, Seufzer nur und Stöhnen und scheuer Sklavenschritt,
Bis euch zu Schutt und Moder der Rachegeist zertritt!

Weh euch, ihr duft'gen Gärten im holden Maienlicht!
Euch zeig' ich dieses Toten entstelltes Angesicht,
Daß ihr darob verdorret, daß jeder Quell versiegt,
Daß ihr in künft'gen Tagen versteint, verödet liegt.

Weh dir, verruchter Mörder! du Fluch des Sängertums!
Umsonst sei all dein Ringen nach Kränzen blut'gen Ruhms!
Dein Name sei vergessen, in ew'ge Nacht getaucht,
Sei wie ein letztes Röcheln in leere Luft verhaucht!"

Der Alte hat's gerufen, der Himmel hat's gehört,
Die Mauern liegen nieder, die Hallen sind zerstört;
Noch eine hohe Säule zeugt von verschwundner Pracht;
Auch diese, schon geborsten, kann stürzen über Nacht.

Und rings statt duft'ger Gärten ein ödes Heideland,
Kein Baum verstreuet Schatten, kein Quell durchdringt den Sand,
Des Königs Namen meldet kein Lied, kein Heldenbuch;
Versunken und vergessen! das ist des Sängers Fluch!

2006-09-28

Kidnapping Eugen (Totti Special)

Aristoteles saß auf der Steinbank und sinnierte, als Rakel von Elfis Imbissbude zurückkehrte.

"Mensch, Totti", sagte Rakel zum größten Philosophen aller Zeiten.* "Worüber denkst du jetzt schon wieder nach?"

Rakel setzte sich, reichte Aristoteles eine Flasche Bier und machte sich schmatzend über die soeben besorgte Currywurst her.

"Über Eidos, mein lieber Rakel." Aristoteles nahm einen Schluck Bier und beobachtete, wie sich die Sonnenstrahlen im Glas brachen.

"Ah, das, ja", sagte Rakel und gönnte sich ebenfalls einen Schluck. "Ich habe Damokles bei Elfi getroffen. War da, um Bier zu holen. Mann, der hat ganz schön nach Ouzo gestunken. Aber ein schönes neues Schwert hat er."

"Und es schwebt immer noch über seinem Nacken?" fragte Aristoteles und blinzelte.

"Ja", erwiderte Rakel. "Erinnerst du dich? Ich hatte vorhergesagt, dass Elfi heute mittag Lamm und Schildkröte aus dem Eisentopf als Tagesempfehlung haben würde."

"Ja", sagte Aristoteles, ohne seinen Blick von der Bierflasche abzuwenden.

"Totti, rate, was sie angeboten hat." Rakel rutschte unruhig auf der Steinbank hin und her.

"Currywurst, wie immer?" riet Aristoteles, und Totti sprang von der Bank auf.

"Ja! Richtig! Aber ich habe ihr die Sache mit dem Lamm und der Schildkröte vorgeschlagen, und sie sagte, sie würde darüber nachdenken!" Rakel stützte triumphierend seine Hände auf die Hüften. "Eine selbsterfüllende Prophezeihung, Totti! Ich werde noch ganz groß herauskommen!"

"Selbsterfüllt, mein lieber Rakel", sagte Aristoteles leicht geistesabewesend. "Und auch ich bin mir sicher, dass dein Name einst in aller Munde sein wird: Das Rakel von Elfi."

"Der. Der Rakel." Rakel setzte sich und verschränkte die Arme vor der Brust. "Und morgen laden wir uns bei Krösus zum Mittagessen ein!"

"Ach, Rakel", seufzte Aristoteles.

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*Hätte er das mal zu jener Zeit bereits gewusst.

2006-09-20

Ein Bett im Dornfeld (2)

Die Musikschneiderei nimmt schier kein Ende, ganz im Gegensatz zu den Rotweinbeständen zuhause. Wie gut, dass ich derzeit trocken bin, noch trockener als der servierte Dornfelder, sozusagen.

Wenigstens nimmt das Ganze lustige Farben und Wortgestalt an.


Rotweinblaue Zunge einer unbekannten jungen Dame

Die schönsten Zitate:

K: Weiter rein!
Ich: Weiter rein?
T: Noch weiter rein?
K: Er soll's doch nur probieren!

...und kurze Zeit später...

T: Zu weit drin. Definitiv!
K: Ich find's toll, wenn die Leute das schon von hinten hören.


Und nicht vergessen: Es wurde Musik geschnitten. Ein Schelm, der Böses dabei denkt!

Der Krieg der Magier (4)

Bereits heut morgen erreichte mich aus der Friedrichsdorfer Raketenleitzentrale eine Nachricht, die das wieder aufgeflammte Duell weiter anheizen sollte.

Der Leif schreibt:

"Meister der Gravitation

Durch tägliches Training und eine optimale Durchblutung des Oberkörpers ist es möglich, die Gravitation für einen kurzen Moment aufzuheben. Die Zauberkünstler aus Friedrichsdorf zeigen auf eindrucksvolle Weise zu welchen Leistungen der menschliche Körper in Extremsituationen in der Lage ist.

Durch pfeilschnelles Abwinkeln des Oberkörpers kann eine auf der Stirn balancierte Flasche der Erdanziehung trotzen..."


Magneto der Zukunft: Der Leif kann Wasser magnetisieren.

Was wird uns als nächstes erwarten? Mit Gedankenkraft zersägte Jungfrauen? Telekinetisch bewegte Raketen? Ich bin sehr gespannt.

Der Krieg der Magier (3)

Lange habt ihr warten müssen, doch der Krieg der Magier geht weiter.

Mein magisch begabter Raketenwissenschaftlerkollege, der Herr Schmidt, schafft es mittlerweile, kraft seiner Gedanken Wasser zum Kochen zu bringen!

Ich habe ohne sein Wissen einen seiner Versuche dokumentieren können. Das war noch anfangs, als der Kontakt des Wassers zu seiner Stirn noch nötig war.


Herr Schmidt erhitzt durch schiere Konzentration Wasser bis zum Siedepunkt

Das nächste Mal hat Herr Schmidt keine Plastikflaschen mehr genommen, sondern einen Kochtopf. Wegen der hässlichen Flecken auf dem Laborteppich.

Und wer jetzt behauptet, Herr Schmidt hätte die Wasserflasche nur zirkusreif auf seiner Stirn balanciert, der ist ein alter Spielverderber.

2006-09-17

Aus dem Urlaub eines Raketenwissenschaftlers, Teil I

Ja, ich war im Urlaub. Zusammen mit meiner Freundin. Nach Cala D'Or auf Mallorca hat es uns verschlagen, wo eine Minderheit nicht-britischer (d.h. vornehmlich deutscher) Urlauber gegen die Insel-Besatzung von der (anderen) Insel kämpft.

Aber am besten fange ich von vorne an.


Rucksack, Taschen, FüßeTakeoff
Der Hinweg hatte ein paar kleine Stolpersteine zu bieten. Zunächst verabschiedete sich das Beauty Case meiner Freundin, genauer gesagt sein Henkel. Wer schön sein will, muss leiden. Tragen ließ es sich noch, war aber nicht wirklich gemütlich.

Kurz vorm Boarding fiel der Fluggesellschaft auf, dass zwar das Flugzeug bereit war, aber leider keine Mannschaft da war. Die war noch woanders unterwegs. Angebote unsererseits, als Pilot und Stewardess zu fungieren, wurden freundlich, aber bestimmt abgelehnt.

Nicht einmal mein Hinweis, dass ich beruflich in Raketen unterwegs bin, konnte die nette Dame am Schalter umstimmen.

Vielleicht hätte ich das mit der unflexiblen, blöden Kuh weglassen sollen.

Der Flug selbst verlief unspektakulär. Der übliche Touri-Bomber-Style: Ihr belegtes Brötchen, ihr Getränk, danke, dass sie mit uns geflogen sind und danke, dass sie sich vom Cockpit ferngehalten haben.

Der Bus zum Hotel war zunächst unauffindbar. Hatte sich hinter einem größeren versteckt. Wir mussten auch erst eine Tour über die Insel über uns ergehen lassen, weil auch noch andere Menschen in Hotels in anderen Orten wollten.

Ich bin mir allerdings sicher, dass ein Teil der schier unendlich anmutenden Reisezeit auf den chaotischen Busfahrer zurückzuführen war, der es einmal sogar schaffte, vor einem Friedhof zu halten. Falsche Ausfahrt am Kreisel. Da wäre es bestimmt ruhiger gewesen als vor und in unserem Hotel, doch dazu mehr in Teil II.

Um 02:00 hatten wir es letztlich auf unser Zimmer geschafft, dank oder trotz des Leverkusener Portiers (der auch mal Koch war und in seinem Leben dem ein oder anderen schon damit gedroht hatte, ihm auf die Fresse zu hauen, und ich bin mir sicher, dass auch Hotelgäste darunter waren).

Brunchstifter

Heute war Brunch in meiner alten Schule. Ist immer wieder spaßig, die alten Räumlichkeiten zu betreten, die mir einst so viel Respekt einflößten und den ehemaligen Lehrern, bei denen das mit dem Respekt teilweise ähnlich war, ein Wasser und ein Steak abzukaufen.

Und wenn man geht, ist man eigentlich ganz froh, dass man freiwillig da war, und nun wieder ein Jahr Pause hat.


Captain Stützbier und andere Größen im Treppenhaus zur Dachterrasse

2006-09-16

Scheibster Returns

Ich bin wieder zurück und werde sogleich für alles Mögliche eingespannt. Zum Beispiel zum Musik Schneiden für das Showballett des Karnevalvereins, für den ich das hin und wieder mache.

Unglaublich, aber wahr: Es ist echt harte Arbeit. Die Karnevalistinnen, mit denen ich dabei zusammenarbeite, haben jahrelange Karnevalserfahrung und wissen daher, wie man sich Arbeit versüßen kann.

Frau K. und Frau D. bei harter Arbeit

Ich taste mich nun langsam wieder in die Blogwelt hinein. Es gibt viel aufzuholen, und ab Montag muss ich zurück ins Raketenlabor.

Grumpf.

Oh, und bevor ich es vergesse: Lieben Dank für die ganzen "Schönen Urlaub"-Wünsche!

2006-09-02

And now for something completely different

Mitte September bin ich wieder da. Bis dahin werde ich mich mit meiner Freundin bei Sonne und Strand ein wenig von der ganzen Raketenforscherei erholen.

Bleibt sauber!