2008-05-11

Mutter aller Tage

Spätestens, wenn man nach dem Mittagessen im elterlichen Garten sitzt und aus dem Nachbarhaus mit subtiler, quäkender Aufdringlichkeit Heintje "Mama" trällert,* weiß man, dass Muttertag ist.


Maaaaamaaaaaaaaaa...
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*Wenn man in diesem Moment neben ländlicher Stille höchstens die Geräusche ballspielender Nachbarkinder erwartet, ist das nicht nur eine gruselige, sondern eine traumatische Erfahrung. Ich habe absichtlich alle scharfen Gegenstände aus meiner näheren Umgebung entfernt.

Horst und der Friseur*

Neulich ging Horst die Haare schneiden,
der Haarschneider war nicht zu beneiden.
Er hätte gern 'ne Dauerwelle,
vielleicht auch Strähnchen, aber helle.

Damit säh' er scheiße aus,
sagte der Haarschneider gerad' heraus.
Doch Horst, dem war das alles wurst,
denn er hatte schon sehr mächtig Durst.

Deswegen wollt' er fertig werden, und zwar schnelle,
also Strähnchen, und 'ne Dauerwelle.
Trotz aller Müh' sah Horst am Ende aus
wie 'ne Mischung aus Pudel und A. Winehouse.

Horst war dennoch ganz zufrieden,
hat es geschickt und schlicht vermieden
Trinkgeld dem Friseur zu geben:
Von irgendwas muss Horst ja leben.

So ging Horst aus, ganz frisch frisiert,
hat sich bestens und lang amüsiert,
beim Tanzen, Singen, Zechen,
und Nachbar Klaus vors Auto brechen.

Und wollte jemand komisch gucken,
konnt' Horst nur mit den Schultern zucken.
Denn siehst du echt beschissen aus:
Scheiß' drauf, mach das Beste draus!

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*Versmaß nicht im Lieferumfang enthalten.

2008-05-08

Sommersonnesonnenschein

Draußen scheint die Sonne auf Leute,
sie bräunt und rötet ihre Häute,
und ich sitze im Labor hier fest
und forsche für des Forschungstages Rest.

Gern hätt' ich 'ne Portion UV,
und noch ein Getränk, genau!
Schön gekühlt, so soll es sein,
und am besten Apfelwein.

Dazu noch 'ne gegrillte Kuh,
und eine Wurst, das wär' der Clou.
Ein Eis, das wäre auch sehr fein,
doch Hauptsache 'nen Apfelwein!

Doch anstatt mir Fleisch zu bruzzeln,
tu hundert Blaupausen ich puzzeln.
So schaue ich noch einmal raus:
Wenn's dunkel ist, fahr' ich nach Haus'.

Domänendämon

Weil's so schön ist:

Dieser Ort ist fortan auch über http://www.raketenwissenschaftler.de/ und http://www.scheibster.de/ erreichbar.

Zudem feiern wir zwanzigtausend Hits seit Oktober 2006. Heißa!


"And I think it's gonna be a long, long time..."

2008-05-05

Shopping Time vs. Schoppe im Kopp*

Die USA lösen Probleme seit jeher auf ganz eigene Art. Was ich heute lesen muss, erklärt mir einmal mehr, wie dort ein texanischer Dorftrottel für zwei Amtszeiten zum Präsidenten gewählt werden konnte.

Steigende Kraftstoffpreise treffen mittlerweile auch die US-Bürger, und einige tun dagegen, was sie für richtig halten: Sie beten an der Tankstelle für billigeres Benzin. Wenn sie ein wenig dazu tanzten, so würde der Herr vielleicht ein wenig Hirn vom Himmel werfen. Oder Ingenieure, die sparsamere Autos entwickeln. Und einen Geldscheißer, der ihnen die überteuerten Sparmodelle bezahlt.

Ich bete lieber für ein fallendes Britisches Pfund, denn dann wird sowohl Single Malt günstiger...


Alles Gute kommt von Oban.

...als auch die lustigen Gadgets von Firebox.


Ye shalt be cheaper, and then ye shalt be mine!

In diesem Sinne: Amen!
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*Für alle Nicht-Hessen: "Schoppe im Kopp" ist der regionale Ausdruck für nicht ganz richtig im Kopf. Kommt ursprünglich von zu viel Schoppe petzen (Apfelwein trinken), was bekanntlich zu Kopfe steigt.

2008-05-03

No-one expects the Spanish Inquisition!

Es geht doch nichts über ein gutes gebratenes Stück Fleisch. Allerdings hatte ich angenommen, dass diese Zeiten vorüber seien.


In Bad Nauheim lebt man traditionsbewusst

2008-05-02

Volles H

Erkenntnis des gestrigen Tages:

Die Anzahl der Haare ist bei Männern ein Leben lang gleich. Mit steigendem Alter ändert sich nur die Verteilung auf dem Körper.

2008-04-29

Besuch der alten Dame

Vergangenes Wochenende, schönestes Wetter: Zeit, meine verdeckstrippende Rakete Ringo mit dem Lackstift noch etwas für den Sommer aufzuhübschen.

Noch während ich am Pinseln bin, wackelt eine nette alte Dame den Bürgersteig entlang und bleibt auf meiner Höhe stehen. Sie entschuldigt sich, dass sie mich bei meinen Lackarbeiten stört, und fragt mich, ob ich weiß, wen sie ansprechen könne, wenn sie eine kleine Wohnung suche. So etwa vierzig Quadratmeter. Sie habe eine Eigentumswohnung mit sechzig Quadratmetern, von der sie sich aber gerne trennen würde.

Ich sage ihr, dass ich meine Wohnung im Internet gefunden und zudem und leider keinen blassen Schimmer habe, wen sie ansprechen könnte.

Nach einer höflichen Verabschiedung hätte das Gespräch an dieser Stelle enden können. Genaugenommen hat das Gespräch an dieser Stelle auch geendet, denn was folgt, ist ein Monolog der netten alten Dame, die, so wie sich herausstellt, keine Ahnung von Computern im Allgemeinen und dem Internet im Besonderen hat, von ihrem Mann, einem ehemaligen, offenbar alkoholabhängigen und bereits verstorbenen Professor geschieden wurde, weil er ihr irgendwann eine Assistentin vorzog, sie aber keine neue Beziehung mehr gesucht hat, weil Frauen es ja viel schwerer bei so etwas haben. Männer seien da schneller. Und sie habe das auch nicht gewollt. Ihre Söhne hätten ihr genug Kraft gegeben, leider sei einer von Ihnen mit neunzehn verstorben, kurz nachdem er zum Vater gezogen sei, der ihn ohnehin nur zum Gärtner seines Gartens hätte machen wollen. Der andere Sohn lebe mit seiner Frau und Kind in Paris, aber sie könne es sich kaum leisten, oft dort hinzufahren. Außerdem wolle sie sich ja nicht aufdrängen. Als sie einmal da war, war das Kind krank, und sie kannte sich in Paris ja auch gar nicht aus, deswegen sei sie auch am nächsten Tag wieder abgereist.

"Ja, richtig", und "Hmmm", werfe ich immer wieder ein, seit ich mich nach den ersten fünf Minuten Vortrag wieder der Lackausbesserung zugewandt habe. Ihre Lebensgeschichte, die sie mir so vollkommen ungefragt erzählt, interessiert mich kein Stück. Doch ich habe keine gute Ausrede zur Flucht, und ihr offen sagen, dass sie mir egal ist, bringe ich irgendwie nicht übers Herz.

Ich beginne, zu begreifen, warum sie mir das alles erzählt. Und spätestens, als sie erwähnt, dass sie im Grunde genommen am Rande der Gesellschaft steht, wird mir klar, dass sie einfach niemanden hat, mit dem sie kommunizieren und ihre Sorgen, alltäglich oder nicht, teilen kann. Sie tut mir leid, und ich bin froh, als sie schließlich wieder auf ihre Wohnungssuche zu sprechen kommt, und mir einfällt, sie auf die Telefonnummer meiner Hausverwaltung hinzuweisen.

Sie notiert die Nummer und bedankt sich. Wir wünschen uns gegenseitig noch einen schönen Tag, und ich freue mich ein wenig auf den Rest meiner Lackierarbeiten ohne Zwangsbeschallung.

Doch auch als sie schon eine Weile weg ist, spukt sie mir noch im Kopf herum. Dass sie aus Bad Nauheim einfach nicht wegkomme, obwohl sie eigentlich wollte. Dass ich freiwillig und gerne dort bin, und wie lange das wohl noch so bleiben mag.

Und ob mich dereinst ein ähnliches Schicksal ereilen wird.

2008-04-24

Aus dem Leben eines Raketenwissenschaftlers, Teil XXIV

Lange, sehr lange habe ich schon keinen Bericht mehr erstattet aus meinem Raketenlabor. Das lag vor allem daran, dass mein Chef Don Molitor über Wochen hinweg an einem neuen Raketenantriebssystem geforscht hat und nicht wollte, dass davon etwas an die Öffentlichkeit gerät.

Nun bin ich sonst nicht als übermäßig verschwiegen und schon gar nicht als ängstlich bekannt, doch zu Don Molitor sei erwähnt, dass er Pate der Schwäbischen Schupfnudelmafia ist und mit ihm zwar gut Spätzle, aber nicht gut Kirschen essen ist, wenn man ihn oder etwas über ihn verrät, was wiederum eine ganze Menge über ihn verrät.

Unten seht ihr als erste und ganz exklusiv den Genius, den Don Molitor auch in mein Raketenlabor gebracht hat.


Ganz wichtig: Kondensiertes Uran an der Außenhaut, von Laien leicht mit irgendwelchen seltsamen weißen Flecken zu verwechseln

Bioantrieb in Kombination mit Nuklearphysik wird sicher noch eine große Zukunft bevorstehen. Ganz sicher. Die Tatsache, dass die Nuklearbanane von Don Molitor leider in einer unkontrollierten Kernschmelze ihrer kurzen und doch ruhmvollen Existenz ein Ende bereiten würde, hatte ich dem Himmel sei Dank vorhergesehen.

Schon einige Stunden vor der gewaltigen Explosion trug ich deswegen meine Schutzbrille. Mein Raketenwissenschaftlerkollege Commodore Edelstein und Don Molitor konnten bis zur letzten Sekunde mein wissendes Lächeln nicht deuten und wiesen unsere Raketenwissenschaftlerlaborpraktikantin an, ein Foto von mir zu machen, wahrscheinlich, um mich später bei höherer Stelle anzuschwärzen.

Das Schicksal wollte es, dass unsere Raketenwissenschaftlerlaborpraktikantin das Foto genau im Moment der Explosion schoss. Sie ist jetzt zwar blind, aber sie leuchtet wenigstens im Dunklen wegen der vielen Strahlung. Wir lassen sie trotzdem noch bei uns forschen, weil sie uns so oft Schokolade mitbringt.


Bananenkernspaltung, im Volksmund auch gerne "Banana Split" genannt

Auch Commodore Edelstein und Don Molitor haben ganz schön Augen gemacht. Don Molitor hatte kurz zuvor noch selbstsicher einen Espresso darauf verwettet, dass die Nuklearbanane niemals platzen würde. Weil sie eben doch geplatzt ist, müssen wir jetzt innerhalb des Raketenlabors umziehen.

Aber der Espresso war lecker.

Und wer jetzt behauptet, Don Molitor hätte nur eine halb verfaulte Banane in seiner Obstglasschale gehabt, die nicht explodierte, sondern von ihm gegessen wurde, und ich hätte nur Blödsinn mit meiner neuen Sonnenbrille gemacht, der ist ein alter Spielverderber.

Jawoll.